In dieser Review müssen wir einmal über böse Träume reden. Ich erzähle euch jetzt, von meinen bösen Träumen und was diese mit Gideon Falls zu tun haben. Der Comic ist übrigens Klasse, dazu aber gleich mehr.

 

 

 

„WAS WISSEN SIE ÜBER DIE SCHWARZE SCHEUNE?“

 

Ich sitze in einem dunklen Raum. Es ist nur spärlich beleuchtet, ich glaube Kerzenschein zu sehen. Neben diesem Raum befindet sich ein weiterer Raum. Ich gelange nicht dort hin und ich weiß auch, dass ich das nicht will. Es ist dort. Ich höre seine Stimme. Diese kalte, tiefe Stimme, in der nichts menschliches liegt. Mich packt die nackte Angst.

 

Diese Stimme kommt aus diesem Raum und doch auch irgendwie aus meinem eigenen Kopf. Sie ist vor mir und gleichzeitig auch genau hinter mir. Als würde mir jemand nah hinter mir stehen und mir ins Ohr flüstern. Ich spüre nur noch Furcht. Nichts anderes.

 

Ja, dieser Traum ist real. Es ist mein Traum und ich hatte diesen früher oft, als ich zehn oder so war. Vor zwei Jahren kam er wieder. Einmal in dieser Form und dann nochmal anders. Ich kann dieses Gefühl nicht mehr vergessen. Diese Gefühl, das dich machtlos und taub macht. Wenn du keinen anderen Gedanken mehr spürst und es dich völlig einnimmt. Das ist reine Angst.

 

 

CK Gideon Falls 2

 

 

„ABER ICH HABE DINGE GESEHEN, PATER. ICH HABE DAS ZENTRUM VON ALLEM GESEHEN. UND DORT-- IN DESSEN SCHATTEN – WARTETE ER UND LÄCHELTE MICH AN.“

 

Warum spreche ich jetzt darüber? Nun, in Gideon Falls geht es ebenfalls um Angst. Es ist eines der zentralen Themen, die Jeff Lemire in seine Handlung einfließen lässt und das seine Figuren immer wieder durchleben müssen. Mit Angst als Thema in Comics kann man vielseitig umgehen und es entsprechend sehr unterschiedlich umsetzen.

 

Streng betrachtet gibt es dabei keine richtige oder falsche Herangehensweise. Schließlich empfindet jeder Mensch die Angst anders.

 

Und da liegt der Knackpunkt. Jeff Lemire hat mit seiner Suspense- und Horror-Reihe Gideon Falls bei mir einen Nerv getroffen. Wenn Hauptprotagonist Northan in einer Zwangsjacke, eingesperrt in einer Gummizelle, in die Dunkelheit starrt und etwas Grauenhaftes aus dieser Dunkelheit zu ihm spricht, ja dann kommt diese Angst von Northan bei mir an.

 

Weil ich sie mit meiner verbinden kann. Ich kenne diese Angst und nun hat sie auch noch ein Gesicht.

 

Ein lachendes.

 

 

„DU IRRST DICH. ES GIBT IMMER EINEN ANDEREN ORT, AN DEN MAN GEHEN KANN.“

 

Es ist beeindruckend. Nie hätte ich erwartet, eine Comic-Reihe genauso sehr zu fürchten, wie auch zu verfluchen. Gideon Falls ist absolut eindrucksvoll und gehört ohne den geringsten Zweifel zu Lemires besten Arbeiten. Er und der Italiener Andrea Sorrentino haben ein bildgewaltiges und erzählerisch einzigartiges Kunststück vollbracht, das so auf dem Comicmarkt seinesgleichen sucht.

 

Ich würde euch beinahe dazu raten, die beiden hier genannten Bände nicht zu lesen. Viel eher solltet ihr abwarten. Abwarten, bis der letzte Band erscheint und ihr dieses Meisterwerk in voller Länge genießen könnt.

 

Neben dem Horror bereichert Lemire seine Geschichte mit noch weiteren Themengebieten und auch seine individuelle Erzählstruktur ist ein ganzes Buch an Lobeshymnen wert.

 

Gideon Falls ist somit ein Muss für jeden, der Comics liest. Ich selbst würde auch nochmal speziell eine Empfehlung für alle aussprechen, die Fans von Stephen Kings Der dunkle Turm waren. An euch: lest es und ihr werdet mich sicher verstehen. An alle anderen: ihr müsst es auch lesen!

 

Es lohnt sich. Versprochen.

 

Ach übrigens, soll ich euch noch verraten, was die Stimme aus meinen bösen Träumen zu mir sagt?

 

Ich bin hier – ich bin hier.

 

 

 

Erschienen im Splitter Verlag, jew. 22,00 €



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