Netflixt bringt mit Das Privileg eine deutsche Produktion auf ihren Streamingdienst. Drogen, Pilze, Dämonen und Wahnvorstellungen sind Thema dieses doch an ein jugendlicheres Publikum gerichteten Horrorfilms.

 

 

 

 

 

 

Neblige Schemen

 

Der junge Finn wird eines abends von seiner älteren Schwester aus dem Haus gezerrt und flüchtet mit ihr vor einer unsichtbaren Bedrohung. Die verwirrte Schwester fällt schlussendlich vom örtlichen Damm in den Tod. Jahre später löst dieses traumatische Erlebnis immer noch Angstzustände im jugendlichen Finn aus.

 

Oft kann er nicht unterscheiden, was Fantasie und was Realität ist. Als er ein merkwürdiges Zusammenkommen seiner Eltern, fremden Leuten und seiner anderen Schwester beobachtet, fangen gespenstische Ereignisse an, ihn und sein Umfeld zu plagen.

 

Finn ist sich sicher, dass dies alles Realität ist und irgendetwas seine Schwester, seine Freunde und ihn bedroht.

 

Serien und Filme aus Deutschland sollten schon lange nicht mehr belächelt werden. Beispiele wie Dark, Der Pass oder Der Nachtmahr zeigen, dass hierzulande auch ernsthaft und gut produziert werden kann. Doch es gibt nach wie vor die Ausreißer, die leider die immer gleichen Probleme aufweisen, unter denen deutsche Produktionen leiden.

 

Das Privileg - Die Auserwählten gehört dazu. Gleich zu Beginn fällt das Schauspiel auf. Sind hier einige Leute aus der Netflix-Serie Dark vertreten, merkt man recht schnell, dass davon recht wenig rüberkommt. Das Schauspiel wirkt wie eine Theateraufführung und nicht wie normale Personen im Leben miteinander reden.

 

Das wird auch bei der Überzeichnung der Charaktere deutlich.

 

 

 

 

 

Karikaturen

 

Max Schimmelpfe spielt den Protagonisten Finn. Er spielt sehr ernst und besitzt oft nur einen Gesichtsausdruck. So richtig konnte ich Finn nicht einordnen. Er wirkt mit diesem einem Ausdruck wie der lässig coole Typ, der aber gleichzeitig unter einem starken psychischen Trauma leidet. Das kauft man ihm doch schwer ab.

 

Es gibt sogar Momente, wo er auch ein gefährlicher Psychopath sein könnte. Kennt man Max Schimmelpfe nur aus Dark, dann ist es auch schwer ihm eine andere Figurendarstellung abzugewinnen. Als richtiger Held wirkt er hier leider nicht.

 

Sehr klischeehaft wird es bei seiner besten Freundin Lena, gespielt von Lea van Acken. Diese trägt pinke Haare, ist ausgeflippt, hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen und ist lesbisch. All diese Faktoren wirken absolut schubladenhaft.

 

Dabei macht Lea van Acken ihre Rolle gar nicht so schlecht. Auch sie ist den meisten aus Dark bekannt, wo sie eine Freiheitskämpferin spielte. Die lockeren Sprüche nerven zwar irgendwann, da die Situationen einfach im Verlauf des Filmes nicht mehr dazu passen, doch darüber kann man mal weg sehen.

 

Tatsächlich ist Lea van Ackens Lena noch die erträglichste Rolle im Film. Etwas verschenkter ist Finns Schwarm Samira. Diese wird von Tijan Marei gespielt, die bereits Erfahrung in Hauptrollen verschiedener deutscher Produktionen besitzt.

 

Hier bekommt sie wenig zu tun. Ihre Figur beschränkt sich auf den treudoof schauenden Love Interest von Finn. Ebenfalls wird sie auch immer mehr zu der Maid in Nöten. Dabei kann Tijan Marei viel mehr, wie sie in den letzten Minuten des Filmes kurz beweisen darf.

 

Es gibt natürlich noch weitere Figuren, aber die sind allesamt vergessenswert. Selbst um Finns Familie möchte man sich nicht weiter kümmern. Gerade die Beziehung zu seiner Schwester ist recht schnell nur Beiwerk, obwohl es ein Hauptmotivator sein sollte.

 

 

 

 

 

Zusammengewürfeltes Drehbuch

 

Im Film selber gibt es ganz komische Situationen, die wie aus einer Fanfiction wirken. Während sich Finn, Lena und Samira verstecken, kommt es zu einer Sexszene zwischen den Dreien, die damit begründet wird, es könnte die letzte Nacht auf Erden sein.

 

Das fühlt sich wirklich so an, als hätte ein notgeiler Jugendlicher dies geschrieben. Dazu muss man wissen, dass die beiden Regisseure Katharina Schöde und Felix Fuchssteiner auch am Drehbuch mitgeschrieben haben.

 

Ebenfalls haben beide die Young-Adult-Filmtrilogie Liebe geht durch alle Zeiten inszeniert. Das merkt man sehr. Das muss auch nicht schlimm sein und die richtige Zielgruppe wird an Das Privileg Gefallen finden.

 

Im Film passiert so viel und gleichzeitig wird später wird gar nicht mehr richtig aufgegriffen – so oft, dass man richtig ins Grübeln kommt.

 

Eine Séance-Sitzung ist recht schnell wieder vergessen, obwohl die Handlung lange darauf hinarbeitet. Die Sexszene ist eben drin, um jugendliche freie Liebe zu erwähnen, wird aber danach nie wieder thematisiert. Der eigentliche Plot Twist wirkt umständlich und verwirrend. Am Ende hat man immer noch nicht so recht verstanden, warum einige Sachen so passiert sind.

 

Diese Probleme des Drehbuchs und obendrauf noch die Dialoge sind die größten Schwierigkeiten des Films. Ansonsten sieht der Film absolut wertig aus. Die verschiedenen Settings kommen toll rüber.

 

Zum Beispiel sind Finns Eltern reich und haben dementsprechend auch ein modernes teures Haus. Das Schulgelände erinnert an Filme wie Raw, Schule oder aber Anatomie. Generell ist Anatomie ein gutes Stichwort, da der Look der Figuren und der Welt sehr nach diesem deutschen Film aussieht. So richtig reicht das aber nicht.

 

 

 

 

 

Fazit

 

Für einen Young-Adult-Horrorfilm ist die Netflix Produktion eher Mittelmaß. Zu sehr wirkt alles nach Schülertheater und die Schock- oder Gruselmomente holen alte Horrorhasen nicht vor dem Ofen vor. Die Figuren sind sehr nach Schema F gestaltet und die Darsteller bekommen wenig Raum, ihren Figuren mehr Tiefe zu verleihen.

 

Das Drehbuch fühlt sich sehr zusammengewürfelt an und man kann sich schwer entscheiden, welche Geschichte man nun erzählen will. Dafür ist der Look schön und sieht wertig aus. Ob das aber reicht, um einen unterhaltsamen Abend zu haben, muss jeder selber entscheiden. Mir persönlich war es dann doch zu wenig. 



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