Nach fast elf Jahren kommt endlich ein weiteres Spiel vom Team ICO. "The Last Guardian" war fast schon zum Mythos geworden und viele Fans fragten sich, ob dieses Spiel überhaupt noch rauskommt. Nun aber ist es endlich so weit und es liegt eine schwere Last auf dem Spiel, denn es muss mit zwei der wohl besten Spiele der PlayStation 2 Ära mithalten. Kann es das?

 

 

Story

 

Ein kleiner Junge wacht in einer Höhle auf. Auf seinem Körper befinden sich merkwürdige Tattoos und nicht weit von ihm liegt die große Kreatur Trico gefesselt und verwundet. Als der Junge ihn befreit und was zu essen gibt, beginnen die beiden sich anzufreunden. Nur zusammen finden sie einen Ausweg in den mysteriösen Ruinen, die fast nur aus riesigen Türmen bestehen. Dazu gilt rauszufinden, warum die beiden hier sind und was sie verbindet.

 

 

Das Spiel

 

Ich hab mir das Spiel blind, ohne irgendwelche Kritiken gelesen zu haben, geholt. Das musste noch vor "Final Fantasy XV" gespielt werden. Wie viele andere wartete ich schon ewig auf dieses Spiel. "ICO" und "Shadow of the Colossus" waren eine Offenbarung für mich. Umso schöner war es, als ich das Spiel startete und das Look and Feel sofort wieder da waren.

 

Tja, dann kam die Steuerung. Zugegeben damals war die nicht besser. Ich würde sogar sagen, dass bei den beiden letzten Titeln die Steuerung genauso hackelig gewesen ist. Aber das waren damals andere Zeiten und man wusste es nicht besser. Heute toleriere ich eine schlechte Steuerung ganz ganz selten. Sie macht mir einfach das Spielerlebnis kaputt. In diesem Falle war das dann leider auch so.

 

Der kleine Junge läßt sich oft sehr schwer steuern. Mal ist er sehr hackelig, wenn es um "Feinarbeit" geht, ein anderes Mal flitzt er bei Sprungpassagen und man stürzt in den Abgrund. Das frustet oft schon sehr, aber man kann es aushalten. Allerdings hat die Interaktion, die ja ein Kernstück des Spieles ist, ebenfalls solche Schwierigkeiten. Oft reagiert Trico nicht, geht an andere Orte, wo man ihn nicht hinbeordert hat oder springt den Weg zurück, von wo man kam, obwohl man nach vorne wollte. Das ärgert einen besonders bei Rätselpassagen, da sich alles so nur unnötig in die Länge zieht und man gerne mal weiter kommen möchte.

 

Trotzdem ist die Interaktion zwischen den beiden sehr schön zu betrachten. Nach Kämpfen kann man Trico nur mit Streicheln beruhigen. Stellt man sich vor Trico, senkt er seinen Kopf und man darf ihn tätscheln, was ihn sehr freut. Generell ist die Gestik und Mimik von Trico ein Highlight des Spiels. Er ist teilweise wie eine große Katze, die man mit ein bisschen Hund gekreuzt hat. Er kümmert sich um den Jungen und der Junge künmert sich um Trico, indem man Fässer zum fressen sucht oder Speere aus seinen Wunden zieht.

 

Die Rätsel sind nicht so schwer, dass man aufgibt aber auch nicht zu einfach, dass es ein Kinderspiel ist. Der Schwierigkeitsgrad steigt natürlich kontinuierlich an. Oft sind es aber auch die magischen Wachen, die einem die Lösung erschweren. Unser kleiner Junge ist nämlich sehr wehrlos. Man muss sich immer auf Trico verlassen und sollte da gerade wieder die AI versagen, wirds oft haarig.

 

 

Die Welt

 

Man bemerkt sofort den Stil von "ICO" und "Shadow of the Colossus". Die Turmruinen sehen sehr schön aus, gepaart mit den vielen Freiluftpassagen erzeugt es das Einsamkeitsgefühl sehr gut, obwohl man Trico dabei hat. Das kommt aber nicht so oft vor, da die magischen Wachen diese Atmosphäre schnell kaputt machen. Ich empfinde diese Gegner auch als sehr nervig und den Spielfluss störend.

 

 

Steuerung

 

Wie ich bereits erwähnte, ist die Steuerung sehr grausig. Man bekommt zwar alles angezeigt, was man wo drücken soll, was ich sehr gut finde, aber das macht die Bewegung und die Sensibilität nicht besser. Unschön ist auch die Kamera. Man ist fast nur damit beschäftigt, sie neu zu justieren. Fies ist dazu ebenfalls Tricos Größe. Ist man auf seinem Rücken und durchquert enge Gänge oder Sprungpassagen, flippt die Kamera aus und man weiß nicht, wo man sich gerade befindet. Das erschwert Rätsel noch mehr und man beginnt Frust anzusammeln. Diese Schwierigkeiten holten mich immer wieder aus der Welt raus und ich konnte die doch sonst so schöne Geschichte kaum genießen.

 

 

Grafik und Sound

 

Die Grafik ist okay. Trico sieht sehr schön aus und ich mochte die einzelnen Federn, die sich bei Wind bewegten. Allerdings ist es keine Highend-Grafik. Sie ist solide und passt zu der Welt. Der kleine Junge sieht sehr gezeichnet aus, während die restliche Welt fotorealistischer dargestellt wird. Alles in allem geht das so in Ordnung, wenn man bedenkt, dass das Spiel ursprünglich für die PS3 gedacht war.

 

Der Sound ist sehr ruhig und stimmig. Er harmoniert sehr gut mit den verschiedenen Aspekten des Spiels, seien es Interaktionen mit Trico oder Gefahrsituationen.

 

 

Fazit

 

"The Last Guardian" scheitert an meinen großen Erwartungen und ist nicht mehr zeitgetreu. Vor zehn Jahren wäre dieser Titel ein Riesenhit gewesen und hätte ewig in Erinnerung geweilt. Die Story um den kleinen Jungen und Trico ist wunderschön erzählt. Leider wird man immer wieder rausgeholt, weil man mit der schlechten Steuerung zu kämpfen hat und die Kamera einen wahnsinnig macht. Das ergibt viele Frustmomente, wo das Spiel eigentlich verzaubern soll.

 

Mit seinen ca. zehn Stunden Spielzeit (je nachdem, wie man spielt) ist es recht kurz, allerdings ist das kein Minuspunkt, da die Story für sich diese Spielzeit gut ausfühlt. Generell würde ich dazu raten, mit der Anschaffung zu warten, bis es weniger kostet. Der Vollpreis ist das Spiel nicht wert, da es zu viele Frustmomente aufgrund des Gameplays gibt. Ebenfalls sollte man sehr viel Geduld haben und nicht durch das Spiel hasten. "The Last Guardian" ist ein ruhiges Spiel und braucht seine Zeit.

 

Hat man das Gameplay akzeptiert oder blendet es aus, bekommt man eine zauberhafte Geschichte zwischen zwei ungleichen Lebewesen.