Im Januar erschienen die ersten 5 Folgen der französichen Serie und nun findet im Juni die charmant wirkende Rachegeschichte um Assane Diop ihr Ende. 10 Folgen lang begleiten wir den cleveren Diop bei seinem Spiel, eine vergangene Geschichte nachträglich richtig zu stellen.

So ganz überzeugt mich das jedoch nicht.

 

 

 

 

 

Nicht Lupin the Third

 

Assane Diop hat einen Plan. Er will die Unschuld seines verstorbenen Vaters beweisen und den wahren Täter bestrafen. Dafür schreckt er nicht vor Diebstahl, Entführung und Identitätsklau zurück. Ganz im Zeichen seiner Lieblings-Romanfigur: Gentlemandieb Arsène Lupin.

 

Er orientiert sich bei seinen Durchführungen an den Geschichten der Figur und adaptiert sie auf seine jeweiligen Einsätze. Allerdings ist ihm die Polizei und Geschäftsmann Hubert Pellegrini dicht auf den Fersen. Nun gilt es seine Familie zu schützen, der Polizei zu entkommen und Pellegrini für seine Taten büßen zu lassen.

 

So ganz hat die Serie bei mir nicht gezündet. Ich verstehe den Reiz und Omar Sy macht seine Sache sehr gut. Allerdings fand ich die Fälle bis auf einen wenig spannend und für die gesamte Geschichte muss man schon viel schlucken, bzw. nichts hinterfragen.

 

Recht früh ist klar, dass Diops Vater unschuldig ist und umgebracht wurde. Schnell ist auch klar, wer der eigentliche Bösewicht ist und warum er das alles tat. So weit so gut.

 

Der Weg, den Assane allerdings einschlägt, um Pellegrini zur Rechenschaft zu führen, ist merkwürdig verkompliziert und bringt zusätzlich seine Lieben in Gefahr. Dafür, dass Assane als so wahnsinnig clever und einfallsreich dargestellt wird, stellt er sich doch recht dämlich an und verursacht viele Kollatoralschäden.

 

Von Anfang an ist klar, dass Pellegrini unantastbar ist und sogar einige wichtige mächtige Männer unter seiner Kontrolle hat. Jedoch macht Assane geradezu ein Spiel aus der Offenlegung der Wahrheit.

Nochmal, ich verstehe den Reiz und warum aus Unterhaltungssicht die Serie dies macht. Jedoch rein vom Logischen brachte mich das immer wieder raus. 

 

 

 

 

Komödie oder doch Krimi?

 

So ganz klar war mir auch nicht, was die Serie sein will. Es gibt durchaus komödiantische Szenen und dann wieder harte dramatische Ereignisse. Zwar traut sich die Serie dann auch nicht den harten entscheidenden Schritt zu gehen – was ich für eine französische Serie merkwürdig fand – allerdings gibt es durchaus Tote und moralisch fragwürdige Entscheidungen.

 

Somit bekommt der Zuschauer einen Mix aus Action, Komödie, Krimi und Abenteuer. Die Geschichte besitzt einen roten Faden wird aber in einzelne Fälle unterteilt, um die Geschichte zu strecken. Dabei ist dieses episodige Format in der ersten Hälfte der Serie noch ausgeprägter als in der zweiten.

 

Der zweite Part der Serie konzentriert sich recht schnell auf die finale Konfrontation zwischen Diop und Pellegrini. Es geht sogar soweit, dass man sich noch einen netten Twist einfallen lässt, um dem Bösewicht eine Hintertür zu lassen, damit noch eine weitere Folge gedreht werden konnte. Das finde ich schwach, da das Endergebnis gleich ist. 

 

Generell bin ich ein bisschen enttäuscht von den einzelnen "Lupin"-Momenten. Gerade die erste Folge bringt noch den besten Fall, samt Vorbereitung und Entkommen vor der Polizei zusammen. Danach wird es immer schwächer und so einen richtigen Diebstahl gibt es dann kaum noch. Es wird oft mit Illusion, Verwechslung und Verkleidung gespielt. Jedoch ist mir das zu wenig, da mir der Trailer etwas anderes versprach. 

 

 

 

 

Der charmante Dieb

 

Mit den Charakteren wurde ich auch nicht warm. Omar Sy spielt wirklich gut, da gibt es nix zu meckern und er ist das Highlight der Serie. Allerdings fand ich seinen Charakter immer wieder unsympathisch und egoistisch.

 

Immer, wenn es zu spät ist, fängt er an zu bereuen oder bemerkt, dass er Menschen in Gefahr gebracht hat. Die Polizei ist recht klischeebehaftet und selbstverständlich gibt es den einen Ermittler, der versteht, aber von seinen Kollegen und Vorgesetzten nicht ernst genommen wird.

 

Auch Pellegrini als Bösewicht war nicht wirklich überraschend. Sein Tatmotiv ist recht einfach gehalten und seine Mittel eben die eines Standard "reicher Geschäftsmann"-Bösewichtes. Das war mir zu wenig. Auch seinen Handlanger empfand ich als eher nervig anstatt bedrohlich.

 

Lediglich Assanes besten Freund mochte ich. Dieser hilft ihm bei seinen kleinen Gaunereien. Da ich nun aber leider kaum Sympathie mit dem Hauptcharakter hatte, gefiel mir auch sein Vorgehen nicht so wirklich.

 

Die Frage nach dem Moralischen lassen wir mal weg, aber durch seine egoistischen Taten werden sehr oft andere Menschen in Mitleidenschaft gezogen und er lernt aus keinem davon. Das nervte mich, da mit Ansage immer weiterer Charaktere den Mist von Assane auslöffeln mussten.

 

Somit fieberte ich auch nicht wirklich mit ihm mit. Am Ende wollte ich sowohl Pellegrini als auch Diop hinter Gittern sehen. Als Antiheld funktionierte Diop nicht für mich.

 

 

 

 

Fazit

 

Lupin mag für viele eine schöne und spannende Serie sein, allerdings nicht für mich. Der Hauptcharakter wirkte für mich unsympathisch und sein besessener Trip, den Schuldigen ans Messer zu liefern, bringt andere Charaktere ständig in Gefahr. Daraus entsteht auch kein Lernprozess.

 

Weiterhin sind die Lupin-Fälle eher langweilig und wirklich spannend ist nur der erste Diebeszug. Das war mir zu wenig, dafür dass mir hier eine charmante Diebeskomödie versprochen wurde.

 

Omar Sys Schauspiel ist das Highlight der Serie. Allerdings verstehe ich, warum sie bei all der Kritik Erfolg hat. Ein dritter Part wurde bereits bestätigt. 

 

 

 

Bildnachweis: Emmanuel Guimier/Netflix