Netflix bringt nach Tyler Rake: Extraction die nächste Actiongranate auf die heimischen Bildschirme.

Mit The Old Guard wird eine Adaption des gleichnamigen Comics von Image umgesetzt. Klingt vielversprechend, allerdings zeigen sich schnell Probleme.

 

 

 

 

 

Dass Charlize Theron eine gute Actionheldin ist, hat sie unter anderen in Mad Max: Fury Road und Atomic Blonde unter Beweis gestellt. Hier spielt sie nun eine unsterbliche Kriegerin, die sich mit den Problemen und der Habgier der modernen Welt rumschlagen muss.

 

Nile (KiKi Layne) steht nach einer tödlichen Mission wieder fit und unverletzt in ihrem Marine Camp. Bevor sie begreifen kann, warum das so ist, wird sie von einer Frau gekidnappt und erfährt, dass sie unsterblich ist. Eine kleine Gruppe Unsterblicher um die Anführerin Andy nimmt sie auf und erklärt ihr, dass sie von nun an für die Welt unsichtbar sein muss.

 

Das hat einen guten Grund, denn die Unsterblichen werden von einem Pharmakonzern gejagt, der ihr Geheimnis zum "Wohle der Menschheit" und natürlich um des Profites Willen haben will.

 

The Old Guard hat mehrere Probleme, die ich schon bei so vielen anderen Filmen gesehen habe und mir langsam echt zum Hals raushängen. Um das gleich vorneweg klar zu stellen: The Old Guard ist kein grottenschlechter Film, aber er gehört leider zu den durchschnittlichen Netflix Produktionen mit viel Luft nach oben.

 

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Aus der Story der Unsterblichen wird wenig gemacht. "Warum sind sie unsterblich?" ist eine Frage, die nicht unbedingt beantwortet werden muss. Allerdings könnte mehr auf den Fluch, der damit einhergeht, eingegangen werden.

 

Das passiert leider nur punktuell. Kommt etwas dazu an Tageslicht, wird es auch gleich wieder runtergeschluckt und in die nächste halbgare Action-Sequenz erstickt. Dabei könnte das zu den Stärken des Filmes zählen, würde nur mehr daraus gemacht werden. Stattdessen will der Film Action bieten.

 


Und apropos Action: Die ist ebenfalls durchschnittlich. So hat Charlize Theron eine weit bessere Leistung in Atomic Blonde dargeboten. In Zeiten von John Wick oder selbst Netflix Eigenproduktion á la Tyler Rake: Extraction erwarte ich mehr bei den Schusswechseln als reines taktisches Rumgeballer. Mir fehlt ein wenig der Impact.

 

Ebenfalls ist es zwar schön, dass die Protagonisten unsterblich sind, dass heißt aber nicht, dass sie sich dementsprechend dumm in einigen Kampfsequenzen verhalten sollen. Wird davon ausgegangen, dass sie jahrzehntelange Kampferfahrung besitzen, so scheinen sie für das Drehbuch in einigen Sequenzen vieles davon zu vergessen.

 

Die Moral einiger Charaktere ist ebenfalls fragwürdig, allen voran KiKi Laynes Charakter Nile. Sie ist eine ausgebildete U.S. Marine und macht sich später im Film Gedanken über das Töten von Menschen. Sie soll als warmherzig und wenig kaltblütig dargestellt werden, wechselt dabei aber ständig zwischen Töten und nicht Töten hin und her. Tatsächlich ist mir von dem 5er Gespann das Paar Joe und Nicky am sympathischsten.

 

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Kommen wir zu den Problemen, die mir diesen Film (wie auch andere seiner Art) madig machen. Zum einen wären da die Dialoge. Ich bin langsam wirklich kein Freund mehr von Dialogen, die nur wegen der Dramatik des Drehbuchs jenseits der Realität sind. Es wird nicht mit der Sprache rausgerückt. Auf einfache Fragen wird nur ein cooler Spruch gebracht oder trotzig reagiert, was keine Anwort auf die Frage ist. Dramaturgie ist wichtig, aber sie entschuldigt nicht für alles, denn es ist nervig, wenn Probleme oder Spannungen nur mühselig mit solch billigen Tricks am Laufen gehalten werden .

 

 

Als weiteres Problem sehe ich den Soundtrack an, wenn wir es denn so nennen wollen. Eine wahllos zusammengewürfelte Playlist aus der aktuellen Trendliste, die weder zu den Szenen noch zum Film passt. Wer winkt so etwas durch? Musikgeschmack hin oder her, es sollte doch schon zum Film passen und poppige Sounds nach einer Entführung aus einer U.S. Militärbasis ist einfach falsch. 

 

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Pluspunkte gibt es aber für eine Szene, die Menschlichkeit zeigt, als eine Verkäuferin Therons Charakter zusammenflickt und einen tollen Monolog hält.

Ebenfalls zu loben ist der Bösewicht des Filmes. Harry Melling spielt hier einen wirklich hassenswerten Charakter, dem alles schlechte gewünscht wird und dessen Abgang sehr befriedigend ist. 

 

Eine After Credit Szene spielt auf einen möglichen Nachfolger an, aber das braucht es nicht. Zu uninteressant wird die Welt und das Leiden der Unsterblichen trotz ihrer Aufgabe in der Welt präsentiert. Schade.

 

 

Fazit

 

Eine weitere eher durchschnittliche Eigenproduktion von Netflix ist hier die beste Beschreibung. The Old Guard hat ein interessantes Thema, das zwar schon in einigen Filmen, Comics oder Büchern ergründet wurde, aber für mich noch nicht ausgereizt ist. Leider wird wenig aus der Thematik gemacht, außer dass sie sich in den Kampf werfen können, ohne Konsequenzen zu erwarten.

 

Ja, später im Film wird auf Konsequenzen hingewiesen, aber so recht interessiert einen das nicht mehr – außer das nach Drehbuch-Schema F das Unausweichliche einigen Charakteren passieren muss.

 

Die Action gab es schon mal besser und die Charaktere sind bis auf zwei eher anstrengend. Einen weiteren Teil brauche ich persönlich nicht, da zu wenig aus dem jetzigen gemacht wurde. Da es auf Netflix ist, kann da gerne reingeschaut werden, aber der Film ist auch schnell wieder vergessen.

 

 

 

The Old Guard, verfügbar auf Netflix

 

Bildnachweis: Aimee Spinks/Ed Miller/Netflix ©2020


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