Nach "The Raid" und "The Raid 2" erwarten viele den nächsten großen Actionkracher mit dem indonesischen Martial Arts-Star Iko Uwai. Mit "Headshot" soll nun das Warten ein Ende haben. Unter der Regie der "Mo Brothers" soll Uwai ein weiteres Mal ordentlich Backenfutter verteilen. Ist "Headshot" der nächste "Raid"-Nachfolger?

 

 

 

 

 

"I dont know, who i am!"

 

Als ein schwer verletzter Mann am Strand gefunden wird, kümmert sich die junge Ärztin Ailin um ihn. Leider leidet der Fremde an Amnesie. Da er sich weder an seinen Namen noch an seine Vergangenheit erinnern kann, nennt ihn Ailin fortan Ishmael. Alles scheint sich zu normalisieren, jedoch hat Ishmael eine dunkle Vergangenheit, die nun zurück kommt, um ihn zu holen und entgültig zu töten. Ishmael jedoch gibt nicht kampflos auf.

 

 

"Now i know, who i am!"

 

Iko Uwai habe ich das erste Mal in seinem Film "Merantau" kennen- und liebengelernt. Der Junge kann ordentlich kämpfen. Dann kamen "The Raid" und "The Raid 2". Selten schaffen es Fortsetzungen von schon sehr guten Filmen, diese nochmal zu überbeiten. Bei "The Raid 2" ist meine absolute Lieblings-Kampfszene in einem Martial Arts-Film dabei und auch so überzeugte der Streifen in jeder Hinsicht.

 

Umso höher waren dann die Erwartungen an "Headshot", als der erste Trailer erschien. Das sah alles schon ganz ordentlich aus und Uwai verteilte wieder ordentlich Handkantenschläge. So viel sei gesagt, es ist kein "The Raid 3" geworden, aber trotzdem ein sehr actionreicher und vor allem sehr brutaler Martial Arts-Film. Die Performance von Uwai und einigen anderen Stars machen den Film sehenswert. Die Story ist aber wirklich zum Vergessen.

 

Anfangs versucht man zu ergründen, wer Ishmael ist, allerdings kann man sich das schon sehr schnell nach der ersten halben Stunde zusammenreimen. Seine Amnesie wird auch schnell aufgelöst und es wird nur noch eine Art Rache-Film. So passiert das Erwartete. Die junge Ärztin Ailin, mit der sich unser Held anfreundet und verliebt, wird vom Oberschurken gefangen genommen und Uwai muss diese nun befreien und gleichzeitig mit diesen Leuten abrechnen. Die Filme unter Gareth Evans Regie hatten da deutlich mehr zu bieten.

 

 

"I died once."

 

I punkto Action liefert Iko Uwai. Seine Kampfszenen sehen wieder richtig super aus, auch wenn man diesmal merkt, dass er anfangs recht wenig von seiner "Silat"-Kampftechnik einsetzt. Schauspielerisch könnte er vielleicht mehr zeigen, wenn man ihn lässt. Hier bleibt vieles außen vor. So zeigt Uwais Charakter zwar anfangs Gefühle und man kauft ihm und der Ärztin Ailin kleine Liebeleien auch ab, allerdings weicht das alles recht schnell dem Actionpart. Da muss Uwai halt nur knallhart sein und kämpfen. Die Mo Brothers hätten da ruhig mehr machen können.

 

Ailin wird von Chelsea Islan gespielt und macht das auch sehr gut. Zu eBginn des Filmes freundet sie sich mit Ishmael an, scheint sich aber auch langsam in ihn zu verlieben. Nach ca. einer halben Stunde wird sie aber zur Frau in Not erklärt und Islan kann kaum noch etwas von ihrem Charakter zeigen. Das ist schade, denn auch hier hätte ich mir ruhig mehr von der Liebesgeschichte der beiden Charaktere gewünscht. So ist sie nur ein Mittel zum Zweck.

 

Lee, der Bösewicht des Filmes ist allerdings ein richtiges fieses Schwein. Gespielt wird er von Sunny Pang. Dieser hat sich auch ordentlich in die Rolle reingekniet. Lee ist skrupelos, brutal und blutrünstig. Er kennt keine Gnade und allein seine Geschichte zu Ishmael ist recht bösartig. So hat er auch mit Uwai eine der besten Kampfszenen innerhalb des Filmes. Und er ist tatsächlich sehr intelligent beim Kämpfen. Es gibt eine Aktion von ihm, die so viele andere Bösewichte in anderen Filmen nie machen. Er tut es und das rechne ich dem Charakter hoch an.

 

Weiterhin sind in dem Team der Bösen zwei gar nicht mal so unbekannte Kämpfer dabei. Wer "The Raid 2" gesehen hat, dürfte sich noch an "Baseball Bat Guy" und "Hammer Girl" erinnern. Very Tri Yulisman und Julie Estelle spielen hier erneut zwei knallharte "Miniboss"-Gegner, mit denen nicht zu scherzen ist. Während Yulismans Charakter mit einem Schlagstock als Waffe kämpft, so ist die Wahl von Estelle das Messer. Der Kampf mit Yulisman ist auch noch richtig actiongeladen, während die Auseinandersetzung mit Estelle dann eher auf emotionaler Basis stattfindet als mit den Fäusten. Das empfand ich mal als gelungene Abwechslung, um eben auch mal kurz durchzuatmen.

 

 

"I won't die again!"

 

Der Film verliert bei der Action keine Zeit. So beginnt er mit einer knallharten Ausbruchsszene, bei der der Oberbösewicht schon ordentlich in Szene gesetzt wird. Dann kommt eine halbe Stunde etwas Ruhe rein, bevor es dann nur noch abgeht. Das Tempo bleibt dabei sehr ordentlich, wirkt aber etwas unglaubwürdig.

 

Wo man bei "The Raid 2" noch Zeit hatte, die Charaktere auch mal verschnaufen zu lassen, lässt "Headshot" hier keine Atempause. Gerade mal der Kampf gegen Estelles Charakter geht etwas ruhiger ab. Unser Hauptcharakter muss ein halber Superman sein, wenn er das alles in binnen der kurzen Zeit nacheinander bringt. So geht es nach der Hälfte des Filmes in eine Polizeistation.

 

Ab hier hat man einen Mini-Boss-Kampf nach dem anderen bis hin zum Endboss. Die Kämpfe sind cool und schön in Szene gesetzt, aber es ist teilweise auch zu viel. Einige der Charaktere werden nach den Kämpfen kurz angerissen, aber da interessiert es schon gar keinen mehr. Als ob die Mo Brothers die einzelnen Geschichten der Charaktere erzählen wollten, aber nicht wussten, wo sie sie einsetzen sollten.

 

Abgesehen davon ist der Film ultrabrutal. Er übertreibt es wirklich maßlos. Wo man dachte, dass "The Raid 2" brutal war, legt "Headshot" noch mal eine Schippe drauf. Ein Beispiel: Ein Gegner mit einer Machete will Ishmael, der an einen Tisch gekettet ist, umbringen. Er verfehlt ihn ein paar Mal und Ishmael befreit und wehrt sich. Irgendwann steckt die Machete von unten durch den Tisch und der Gegner fliegt mit dem Hals hinein. Jetzt denkt man gut, kenn ich, hab ich irgendwo schon mal gesehen.

 

Hier allerdings fällt er nicht mittig rein, nein, er schafft es sich die Klinge mehr links in den Hals zu rammen, so dass er nach wie vor lebt und sich langsam davon befreit. Natürlich fließt und spritzt das Blut dabei in Strömen. Solche Szenen gibt es zuhauf. Auch werden hier viel mehr Knochen gebrochen, die dann aus den einzelnen Wunden ragen.

 

Man möchte meinen, dass die Mo Brothers eben mit dieser Brutalität überzeugen wollten, um zu kaschieren, dass die Story eigentlich ziemlicher Mist ist.

 

Zum Soundtrack möchte ich auch noch ein paar Worte verlieren, denn dieser passt wieder sehr gut. So hat man ein paar Industrial Sounds mit ein bisschen Techno gemixt und so gute Musik für die einzelnen Szenen geschaffen.

 

Die Action sieht übrigens sehr handgemacht aus, was ich persönlich gut finde. Es gibt ein zwei Szenen, wo vielleicht ein wenig CGI verwendet wurde, aber gerade die Kampfszenen sind schön durchchoreografiert und haben so gut wie keine Schnitte. 

 

 

Fazit

 

"Headshot" ist kein "The Raid 3" und verdient definitiv eine bessere Story, aber trotzdem macht diese Action-Orgie richtig viel Spass. Iko Uwai haut wieder richtig schön zu und die Kämpfe sind wieder toll choreografiert. Der Oberbösewicht ist richtig fies dargestellt und ernstzunehmend. Man hätte allerdings an einigen Stelle ruhig etwas Tempo rausnehmen können und sich mehr um die Charaktere und ihre Geschichte kümmern sollen.

 

Auch hätte die Geschichte zwischen dem Hauptcharakter und seiner Angebeteten besser ausgearbeitet werden sollen. Die Brutalität in diesem Film ist sehr hoch und teilweise nichts für schwache Gemüter. Trotz alledem ist dieser Film ganz ordentlich geworden und unterhält sehr gut. Für alle Fans von Martial Arts-Filmen ist dieser sehr zu empfehlen.

 

"Headshot" erscheint hierzulande ab 8. Juni 2017 auf DVD und Blu Ray.