Um Kollege Chris zu zitieren, "FAMILIE" ist hier das Stichwort, denn nun soll sie zerbrechen. Vin Diesel und Dwayne Johnson mögen sich nicht mehr und zerlegen dabei mal wieder einige Orte und viele Autos. Ein neuer Bösewicht dreht Vin Diesel um und setzt ihn gegen sein Team ein. Macht der bereits 8. Teil der Serie noch immer Spaß oder geht so langsam die Luft aus den Reifen?

 

 

"Sie bekommen es bald mit dem einzigen zu tun, mit dem sie nicht klar kommt. Mit dir!"

 

Dominic Toretto ist mit seiner Letty in den Flitterwochen in Kuba. Dort spürt ihn die geheimnisvolle Cipher auf. Toretto wechselt die Seiten und arbeitet für sie. Dabei verrät er sein Team bei einem Einsatz. Nun muss das Team Cipher aufhalten und herausfinden, warum Toretto für sie arbeitet. Cipher scheint jedoch immer einen Schritt voraus zu sein. Also wird ein ehemaliger Feind befreit, um zu helfen, denn dieser hat noch eine Rechnung mit der neuen Gegenspielerin offen.

 

 

"Dominic Toretto hat uns verraten!"

 

Der mittlerweile 8. Teil der Erfolgsserie rund um die Abenteur der Toretto-Familie soll nun mit der Idee überzeugen, den Hauptcharakter für den Bösen arbeiten zu lassen. So dämlich ist das auch gar nicht und bringt tatsächlich frischen Wind in die Sache. Aber, um ehrlich zu sein, ist das alles schon ziemlicher Blödsinn. Was aber nicht heißt, dass es keinen Spaß macht.

 

Die "Fast & Furious"-Reihe zeichnet sich ja durch actionreiche Stunts und teilweises Overacting aus. Auch wenn es eine Story gab und die bei weitem nicht so dämlich ist wie manch andere Filme, so stand sehr oft die Over-the-Top Action im Vordergrund. Die ersten drei Teile waren eher nicht so meins, dann wurde es mit Teil 4 aber richtig unterhaltsam. Meist überboten sich die Filme dann auch immer mehr mit waghalsigen Actionen-Einlagen. Mit Teil 5 bekam dann auch die Geschichte rund um "La Famiglia" immer mehr Aufmerksamkeit. Die Geschichte wurde runder und knüpfte sogar logisch an den eher mauen 3. Teil an. So wurden die Gegenspieler auch immer besser. Sei es das erste Aufeinandertreffen von Dom und Agent Hobbs oder aber Luke Evans Charakter in Teil 6, dessen großer Bruder, Obermufti Jason Statham, der Familie das Leben im 7. Teil schwer machte.

 

Ähnlich führt dies der 8. Teil fort und auch wenn der Trailer und die ersten Infos die Geschichte recht einfach wirken ließ, so fügt sie sich sehr gut in die letzten Teile ein. Jedoch liegt hier eine Schwäche. Man weiß selbstverständlich, dass Dominic Toretto nicht wirklich böse ist, sondern einen Grund hat, warum er das tut. Das kapiert man von Minute eins an. Dazu komme ich aber später.

 

Viel wichtiger ist eher, ob das Ganze noch Spaß macht. So beginnt der Film mit einem kleinen Rennen, wo Dom seinem Cousin aus der Patsche helfen muss. Der Knackpunkt bei dem Rennen quer durch Kuba: Dom muss mit der alten Schrottkarre des Cousins fahren, während sein Gegner natürlich das schnellste Auto von Kuba hat. Dom frisiert also schnell die Karre mit einem Büchsenverschluss einer Coladose (Ja, Produktplazierungen werden wieder ganz groß geschrieben). Während des Rennens beginnt Doms Automotor zu brennen und er muss sich aus dem Auto rollen – ohne einen Kratzer – damit er nicht draufgeht. Klar gewinnt er das Rennen, aber allein diese paar Minuten des Anfanges genügten, um mir die Frage zu stellen: 

 

 

"Werde ich langsam zu alt für diese Scheiße?"

 

Ich kann beruhigen, im Laufe des Filmes wurde das alles wieder sehr unterhaltsam und lediglich der Anfang weckte solche kurzen Gefühle. Wichtig ist hier, wie schon bei "Triple X: Return of Xander Cage": Macht euren Kopf aus! Hier darf man nicht logisch denken oder mit Ernsthaftigkeit an die Sache ran gehen.

 

Vin Diesel bleibt auf seinem gutem Niveau als Dominic Toretto. Er liebt offensichtlich den Charakter und verleiht ihm eine natürliche Sympathie. Auch wenn er ein Outlaw ist und viele, viele Menschen tötet, so kann man ihm nie wirklich böse sein. Alles hat einen Grund und wenn wir mal etwas ehrlich sind, ein paar von den Statistenbösewichten haben es schon verdient. Zumal man auch hier wieder gut mitbekommt, wie selten sich jemand etwas bei den gefährlichen Crashs oder Schlagabtauschen was tut. Dom rollt sich innerhalb des Filmes zweimal aus einem schnell fahrendem Auto und hat sehr wenig bis keinen Kratzer.

 

Ein wirklicher Knackpunkt von Doms Rolle in diesem Teil ist leider, dass man ihm nie wirklich abnimmt, der Böse zu sein. Hier hätte man sich etwas mehr einfallen lassen müssen und die Thematik eventuell auf weitere Teile ausweiten müssen.

 

Wer mir diesmal gut gefallen hat, war Michelle Rodriguez als Letty. Hier wirkt sie zum ersten Mal in der gesamten Serie wie eine verletzbarer Mensch. So kam sie in vielen Teilen der Serie eher als eindimensionales knallhartes Mannsweib rüber. Hier zeigt sie Gefühle und man nimmt ihrem Charakter die Erschütterung von Doms Seitenwechsel ab. Rodriguez zeigt hier die wohl beste Leistung als Letty in der gesamten Serie. Gerne mehr davon in weiteren Teilen.

 

Dwayne Johnson ist der Hulk. Als Agent Luke Hobbs sieht er ja schon unglaublich aufgepumpt aus und hat auch bereits in den vorigen Teilen kräftig ausgeteilt. Aber hier wird es dann schon richtig komödiandisch.

 

In einer Szene muss er aus einem Gefängnis ausbrechen und hier dreht der Mann einfach durch. Nicht nur das "The Rock" die Leute rumschmeißt, als wären sie Pappkameraden. Nein, auch Gummigeschosse der Polizisten können diesem Herkules nichts anhaben. So wird er beballert und guckt nur leicht verärgert. Das macht so viel Spaß und ist so unglaublich lustig, dass man das einfach nicht ernstnehmen kann. Johnson hat offensichtlich richtig viel Lust gehabt. Was ebenfalls wirklich gut funktioniert, ist sein Zusammenspiel mit Jason Stathams Charakter Deckard Shaw. Die beiden hauen sich einen dummen Spruch nach dem anderen um die Ohren und das macht richtig Laune. Ebenfalls zu erwähnen sei, dass Johnson immer mehr seine samoanischen Wurzeln in seinen Filmen zeigt. So führt er mit dem Fußballteam seiner Tochter einen samoanischen Kriegstanz auf. Das wirkt unfreiwilig komisch, aber zeigt die gewünschte Wirkung.

 

Natürlich verteilt auch Jason Statham ordentlich Backenpfeifen. Nachdem Deckard Shaw im vergangenen Teil der Böse war, zieht man hier einfach das "Dragonball"-Prinzip durch und *schwupps* gehört er mit zum Team. Man erklärt dies natürlich, warum er jetzt dabei sein muss und anfangs findet es das Team gar nicht lustig. Letzten Endes hinterfragt man es aber nicht mehr und so gibt es richtig schöne Szenen mit Statham. Für mich die richtige Entscheidung, ihn mit in diesen Film zu nehmen.

 

Kurt Russel gibt sich ebenfalls wieder die Ehre als Frank Petty alias Mr. Nobody. Mir gefällt dieser Charakter, denn er ist unglaublich sarkastisch und sieht das alles recht gelassen, bzw. heitert er die Situationen immer gut auf. Auch wenn es nicht ganz so viele Szenen mit ihm gibt, so ist er doch ein wesentlicher Aspekt des Filmes. Russel scheint hier auch große Freude beim Spielen gehabt zu haben. Das merkt man in jeder Szene mit ihm.

 

Scott Eastwood, der Sohn von Legende Clint Eastwood, ist sozusagen der neue Ersatz für den verstorbenen Paul Walker. Sein Charakter Eric Reisner ist ein Agent unter Mr. Nobodys Führung. Er ist arrogant und sehr regelkonform. Anfangs nervt dieser Charakter. Das schöne daran ist, dass man sich darüber in jeder Szene lustig macht, was ich sehr clever finde. Denn so zeigt man Selbstironie und viele der großen Blockbuster-Franchises haben dies nicht. Leider bleibt trotz großer Szenenanzahl Reisner eher eine Randfigur, die gerne mit vorne dabei sein will, es aber einfach nicht so richtig schafft. Ich glaube, man muss diesem Charakter die Zeit in den folgenden Teilen geben, damit er auch zu einem wichtigem Teil der Familie wird.

 

Jetzt kommt dann der große Schwachpunkt des Filmes: Charlize Theron. Ihr Charakter Cipher ist der Gegenspieler für diesen Teil. Sie macht ihre Sache rein von der Darstellung eigentlich ganz gut. Es ist eher das Drehbuch, was ihren Charakter weniger bedrohlich macht als noch Luke Evans oder Jason Statham. So agiert sie eigentlich nur im Hintergrund und beschränkt sich auf ihre Hackerfähigkeiten, bzw. ihre Untergebenen. Sie befehligt natürlich Dom und hat auch nachvollziehbare Motivationen "La Famiglia" zu brechen. Jedoch haben das andere Bösewichte vor ihr besser gemacht. Hätte man sie nicht nur aus dem Hintergrund agieren lassen, sondern sie auch mal in Aktion gezeigt, wäre sie wesentlich besser davongekommen.

 

Ebenfalls sehr fehl am Platz war Kristopher Hivju, den man aus "Game of Thrones" kennt. Er spielt Ciphers rechte Hand und ist eigentlich eine kleine Nummer, wenn man bedenkt, dass Dom Ciphers ausführendes Werkzeug ist. So wirkt er zu keiner Sekunde bedrohlich oder ist ein ernstzunehmender Gegner. Letzten Endes ist er nur ein weiterer Typ, den man vergessen kann. Da gab es bessere Handlanger. Sehr unnötige Rolle.

 

Auch der Rest der Familie spielt wieder gut ihre Rollen. Ludacris und Tyrese Gibson zeigen eine schöne "Bromance" und streiten sich, wer denn nun Nathalie Emmanuels Charakter Ramsey bekommen soll. Ebenfalls ein paar kurze Szenen bekommt Helen Mirren. Ihr Charakter hat allerdings eine wichtige Rolle im Film, also geht das schon in Ordnung, dass sie dabei ist. Es gibt auch ein zwei Cameos, die ich natürlich nicht spoilern werde, trotzdem zaubern sie ein kleines Lächeln aufs Gesicht.

 

 

"Ich schlag dir deine Zähne so tief rein, dass du eine Zahnbürste für den Arsch brauchst, um sie zu reinigen!"

 

Die Action ist wieder spektakulär. Allerdings gibt es einige CGI-Ausfälle. Ganz schlimm eine Szene in der Autos von Cipher ferngesteuert werden. Dort sieht das nicht schön aus und wirkt sehr unglaubwürdig, auch wenn es diese Technik ja gibt. Allerding ist der große Showdown gut in Szene gesetzt und wird mit Voranschreiten immer abstruser aber eben auch spaßiger. 

 

Der Soundtrack passt wieder perfekt zum Film. Die Musik ist zwar absolut nicht meins, aber thematisch gut ausgesucht. Ich schätze, dass der Soundtrack die Albencharts wieder unsicher machen wird.

 

So bleibt eigentlich abschließend zu sagen, dass der Film für mich etwas schwächer als die beiden vorigen Teile rüberkam, was die Geschichte angeht. Allerdings ist es ein guter Start in die vielleicht letzte Trilogie des Franchises. Der Bruch der Familie hätte vielleicht etwas dramatischer dargestellt und auf einen weiteren Film oder sogar Filme ausgeweitet werden können. Spaß macht das Ganze dennoch und man wird für die Laufzeit gut unterhalten, denn wirkliche Längen hat der Film Gott sei Dank nicht.

 

 

Fazit – tl;dr

 

"The Fate of the Furious" oder "Fast and Furious 8" macht wieder richtig viel Spaß für seine doch schwächere Story, als noch in den letzten Teilen. Alle beteiligten Akteure haben merkbar viel Freude an ihrem Job gehabt. Auch wenn das Drehbuch  Schwächen in punkto Gegenspieler hat, so wird man doch gut unterhalten und bekommt etwas für sein Geld. Die Action ist wieder gut gelungen und es macht riesig Laune, Dwayne Johnson und Jason Statham beim Prügeln und Sprücheklopfen zu beobachten. Einzige Bedingung für einen gelungenen Kinobesuch: schaltet euren inneren Kritiker und logisch denkenden Verstand aus! Dann habt ihr eine Menge Spaß mit diesem Blockbuster.