Endlich ist der dritte Teil des Martial Arts Biopics in den Kinos. Donnie Yen in seiner Paraderolle als Wing Chun Großmeister. Ich habe ihn mir voller Vorfreude angeschaut und berichte.

 

 

 

 

„Ip Man, Wing Chun“

 

Hong Kong um 1959. Ip Man ist nun Familienvater und führt seine Kung Fu Schule. Als die Schule seines Sohnes von den Schergen des amerikanischen Bauunternehmers Frank angegriffen wird, verteidigt Ip Man diese. Zur Hilfe steht ihm Cheung Tin-chi, der ebenfalls in dessen Schule das Wing Chun lernte. Jener hat allerdings den Traum, eine eigene Wing Chun-Schule aufzumachen und Ip Man als Großmeister abzulösen. Leider hat Ip Man auch familiäre Probleme, denn seine Frau ist krank.

 

 

„Wir alle haben Stärken und Schwächen. Das ist vollkommen normal!“

 

Ich liebe die ersten beiden Teile von „Ip Man“. Den zweiten sogar noch mehr. Ich liebe Donnie Yen. Er ist eigentlich nach Jackie Chan und Jet Lee mein Liebling der Martial Artists aus dem Hong Kong Kino. Umso sehnsüchtiger habe ich den dritten Teil erwartet. 

 

Der dritte Teil hat recht viele verschiedene Storylines. Man sieht die Geschichte um Ip Mans Familie, die Schlacht um die Schule und letzten Endes die Rivalität von Ip Man und Cheung Tin-chi. Man hätte drei Filme machen können. Das merkt man dem Film auch leider an. Während die erste Hälfte des Filmes recht zäh ist und noch nicht ganz so viel Martial Arts-Action passiert, zieht es in der zweiten Hälfte richtig an, wobei dann im gesamten der Film Sinn macht. Die erste Hälfte dient zum Kennenlernen und Festigen der Charaktere. Ip Man ist jetzt Familienvater und Ehemann, jedoch gleichzeitig Großmeister und jeder will etwas von ihm. Die Schulschlachtepisode dient zur Einführung des Rivalen Cheung Tin-chi. Gleichzeitig wird der Cameo von Mike Tyson eingeleitet. Die zweite Hälfte gibt uns dann besseren Einblick in das Eheleben von Ip Man und die Schwere der Krankheit seiner Frau. 

 

Natürlich hat der Film wieder viele Kampfszenen. Und einige sind richtig, richtig gut. Allerdings eben nicht alle. Bei den ersten beiden Teilen empfand ich so ziemlich jeden Kampf als außerordentlich toll choreografiert. Das liegt eben daran, dass Donnie Yen sein Handwerk gemeistert hat. Wenn er Wing Chun praktiziert, sieht das bei ihm so fließend und doch kraftvoll aus. Außerdem legte Yen eine Schnelligkeit an den Tag, dass es eine wahre Freude ist.

 

 

„Alles was wir tun, ist nicht für heute, sondern für morgen!“

 

Donnie Yen ist wieder in seiner Rolle angekommen. Er spielt Ip Man, als hätte er nichts anderes dazwischen gemacht. Der Charakter passt zu ihm. Leider merkt man auch, dass Donnie Yen alt wird. Einige Kampfszenen haben nicht mehr diesen gewissen Wumms oder die Schnelligkeit der vorherigen Teile. Meine andere Theorie ist, dass Yen den Charakter so spielen sollte, um das Älterwerden zu symbolisieren. Yen kann allerdings in einigen Kämpfen nach wie vor überzeugen. Gerade der Kampf gegen Mike Tyson oder der Endkampf gehören zu den Highlights dieses Martial Art-Spektakels.

 

Jin Zhang spielt den Rivalen des Films, Cheung Tin-chi. Und er lässt Donnie Yen in den Kampfszenen oft alt aussehen. Er agiert schneller und ist irgendwie biegsamer als Yen. Er spielt auch abseits von den Kampfszenen eine gute Rolle: der Vater, der den Traum hat, eine Wing Chun Schule aufzumachen und der nächste Großmeister zu werden. Allerdings macht selbst vor kriminellen Machenschaften nicht Halt. Ich würde Zhang gerne öfters im Martial Arts-Kino sehen wollen.

 

Mike Tyson hat zwar eine eher kleine Rolle, hinterlässt dafür aber ziemlichen Eindruck. So richtig ernst nehmen kann man ihn allerdings als Gangsterboss dann nicht. Denn gerade im Englischen lispelt der Mann und man verbindet ihn zu sehr mit den Rollen aus „Hangover“ oder seinem Cameo aus „How I Met Your Mother“. Aber wenn er dann gegen Yen antritt, ist er gefährlich wie nie und man weiß, warum der Kerl damals als Boxer so gefürchtet war. 

 

Lynn Hung spielt nun zum dritten Mal die Frau Ip Mans, Cheung Wing-sing. Und diesmal ging mir ihre Rolle unter die Haut. Bei den beiden vorherigen Teilen hatte sie zwar auch wichtige Parts, aber hier ist sie eben der Haupthandlungsstrang der zweiten Hälfte des Filmes. Sie hat eine schlimme Diagnose vom Arzt bekommen und ihr Mann und sie müssen nun damit zurechtkommen. Letzten Endes begreift man auch, dass Ip Mans Frau ein wichtiger Punkt ist, warum er kämpft oder sich so für Menschen einsetzt.

 

 

„Gar nicht mal schlecht!“

 

Die Special Effects sind okay und gehören leider zum heutigen Martial Arts-Kino dazu. Ich bin eher Fan von den handgedrehten Kampfszenen à la „The Raid“. Aber alle Kämpfe sind okay bis wirklich gut. 

 

Die Geschichte ist, wie bereits gesagt, anfangs sehr zäh und nimmt erst in der zweiten Hälfte Fahrt auf. Dies ist nicht jedermanns Sache. Zumal man bei einem Martial Art Film nicht so tiefgründige dramatische Szenen erwartet. 

 

Ich muss leider sagen, dass der dritte Teil nicht an die beiden ersten rankommt. Er rundet zwar die Geschichte des Ip Mans ab, aber er ist auch der „langweiligste“ der drei Teile. Selbst das erste Spin Off „Ip Man Zero“ war teils spannender und actiongeladener. Donnie Yen wird älter und kommt an einen Punkt, wo er nicht mehr so kann wie in jüngeren Jahren. Das merkt man hier leider. Ich hoffe, dass Yen jetzt nicht wie Jackie Chan versucht, an die alten Erfolge anzuknüpfen und Rollen zu spielen, die nicht seinem Alter entsprechen. Man möchte nun mal nicht sehen, wie seine Helden alt werden.

 

 

Fazit

 

„IP Man 3“ ist leider nicht die gewünschte Actiongranate geworden, wie ich es erhofft hatte. Dennoch ist es kein schlechter Martial Arts-Film und viele der Kampfszenen sind super. Donnie Yen zeigt eine gute Leistung, auch wenn man ihm sein Alter langsam anmerkt. Jin Zhang als Rivale funktioniert und zeigt ein beeindruckendes Können. Für alle Martial Arts-Fans kann man den Film schon empfehlen. Alle anderen könnte die Geschichte berühren und für einen Kinoabend mit Action ist er völlig okay.