Am 14. September startet der Horrorthriller The Retaliators mit einigen Cameos von bekannten Metal-Musikern. Wir konnten den Film bereits vorab sehen und haben im Dangerously Loud Podcast unsere Eindrücke wiedergegeben. Doch wer lieber lesen will, wirft hier ein Auge drauf!

 

 

 

 

 

 

Moralischer Kompass

 

Sarah Bishop wird Zeugin einer Entführung und wird daraufhin gejagt und ermordet. Ihr Vater, Pfarrer Bishop, versteht nicht, wie dies passieren konnte und es fällt ihm schwer, über den Verlust hinwegzukommen. Als Detektiv Jed den Mörder fasst, bekommt Bishop eine einmalige Chance geboten.

 

Er darf sich an dem Mörder seiner Tochter rächen und so mit dem Verlust abschließen.

Einzige Bedingung: Er darf ihn nicht töten.

 

Bishop muss sich nun entscheiden, ob er der Versuchung nachgibt oder an seinem Glauben festhält. Allerdings setzt er mit seiner Entscheidung eine gefährliche Spirale der Gewalt in Bewegung, denn noch jemand sucht nach Sarahs Mörder.

 

The Retaliators hat das große Problem, zwei verschiedene Filme sein zu wollen. Zum einen ist da die tragische Thrillergeschichte um Moral, Gerechtigkeit und der eigene Glaube, das Richtige zu tun. Zum anderen ist da ein Splatterfest, das zwar sehr spät im Film kommt, aber dann auch ordentlich Gewalt dabei hat.

 

Die Geschichte um Bishop ist eigentlich sehr interessant und auch stimmungsvoll. Allerdings gibts hier mal eine Rückblende, da mal einen losen Nebenplot und dann eben obendrauf den Splatterpart. So richtig kommt alles nicht zusammen, obwohl die Macher viele schöne Hommagen an das Horror-Kino drin haben.

 

 

 

 

 

I'm about to blow!

 

Der Film kommt aber mit einem besonderem Gimmick daher: Auftritte von verschiedenen Metal Musikern. So geben sich Spencer Charnas (Ice Nine Kills), Tommy Lee oder Doc Coyle (Bad Wolves) die Ehre.

 

Größere Rollen haben die Jungs von Five Finger Death Punch und Jacoby Shaddix (Papa Roach).

Die machen ihre Sache auch okay bis gut.

Zugegeben, viele haben auch nur einen sehr kurzen Auftritt und wer nicht weiß, wer das hier gerade ist, wird dies auch nicht großartig bemerken.

Die Jungs von Five Finger Death Punch machen ihre Sache am besten, da man ihnen die Rolle als Biker-Gang wirklich abnimmt. Jacoby wiederum überzeugt zwar durch seine Präsenz, aber sobald er ein paar Brocken Text bekommt, tritt die fehlende Schauspielerfahrung klar hervor.

 

Das ist auch nicht schlimm, da es ein nettes Goodie ist, was nun nicht unbedingt gebraucht wird, aber Fans der Musiker kurz auflächeln lässt. Sonst ist der Cast recht gut gewählt.

 

Michael Lombardi als Bishop – der gleichzeitig auch mit Regie geführt hat – ist vielleicht etwas zu locker als Pfarrer, aber das ist geschenkt.

 

Marc Menchaca spielt überzeugend in seiner Rolle als ernster Detektiv Jed. Seine Backstory ergibt Sinn in dem Kontext, wie er später handelt, auch wenn man sagen muss, dass es ist doch sehr extrem ist. Doch wir sind hier in einem Film und dafür passt das vollkommen.

 

Joseph Gatt war mir als Mörder ein bissl zu drüber. Er ist eiskalt und macht keinen Halt vor sinnlosem Mord. Allerdings wirkt er mehr wie eine Mischung aus emotionslosen Terminator und durchgeknallten Massenmörder.

 

Warum er gleich immer alle umbringt, wird nie wirklich klar und offenbart auch ein paar Schwächen in der Geschichte.

 

Auch die weiteren Darsteller machen ihre Sache gut. Besonders beide Töchter von Bishop zeigen gutes Spiel. Dabei ist es sogar ein bisschen schade, dass Sarah (Katie Kelly) recht kurz im Film zu sehen ist.

 

 

 

 

 

Blutbad im Wald

 

Der Film macht es eigentlich ganz schlau, zu Beginn einen ordentlichen Slasher anzuteasen, der eventuell ins Zombie-Genre gleitet. Allerdings gibt es dann erstmal die Geschichte, die zu diesem Punkt führt und das nimmt deutlich das Tempo raus. Das ist auch nicht so schlimm, da zumindest eine gewisse Spannung aufgebaut wird.

 

Leider wird dann ein Nebenplot aufgemacht, der nirgendwohin führt und alles läuft auf die große blutige Szene kurz vor Schluss des Films hinaus. Da gibt es dann auch ordentlich Gewalt zu sehen. Neben abgetrennten Köpfen tut besonders eine Szene mit Augen sehr weh.

 

Der Film wird ab diesem Punkt zu einer reinen Hommage an das originale Evil Dead und driftet somit auch ein wenig in die Horror-Komödie ab. Das gefiel mir eigentlich am besten und ich hätte mir deutlich mehr davon gewünscht oder dass sogar der gesamte Film so aufgebaut wäre.

 

Ich versteh aber, dass man eventuell in die Richtung eines Mandy gehen wollte.

Leider klappt das eben nicht so ganz, da man dies weder durch das Tempo der Inszenierung, noch durch das Skript hinbekommt.

Das ist schade, da der Film sowohl auf die eine Weise als auch andere funktionieren hätte können.

 

Das schmälert dann auch ein wenig den Abschluss und so kommt man etwas unbefriedigt aus dem Film. Es bleiben dann die letzte halbe Stunde im Kopf und das viele Metal-Musiker einen Gastauftritt hatten. Ich hätte mir mehr gewünscht.

 

Viele Pluspunkte gibt es dafür, dass alle Effekte handgemacht sind. Gerade die gesamten Splatterszenen wirken dadurch noch fieser.

 

 

 

 

 

Fazit

 

Auf einem Genre-Filmfestival wird The Retaliators definitiv sein Publikum finden. Er hat schöne handgemachte Effekte und tut in den Splatterszenen ordentlich weh. Allerdings ist das auch nur die letzte halbe Stunde des Films und ansonsten bleiben noch die vielen Cameos von bekannten Metal-Musikern im Gedächtnis.

 

Das Setting, die Atmosphäre mit den Herbstwäldern und diesigen Straßen ist wunderschön und passend für den Ton des Filmes. Allerdings ist die größte Schwäche die Uneinigkeit, was für ein Film The Retaliators sein möchte.

 

Er hat einen düsteren Thrillerteil um den Mord an Bishops Tochter und seiner Möglichkeit den Mörder dafür bezahlen zu lassen.

 Der andere Teil ist eine Splatter Horror-Komödie, die sehr gut funktioniert, aber eben nicht mit dem ersten Part des Filmes zusammenkommt. Daher wirkt das Gesamtkonstrukt etwas holprig und wird durch kurze Nebenplots, die nie aufgeklärt werden, zusätzlich belastet. 

 

Der Film ist aber generell kurzweilig. In einem vollen Kinosaal mit Horror-Fans (oder den Fans der oben erwähnten Musiker) kann man hier durchaus eine Menge Spaß haben – gerade in den letzten 30 Minuten.

 

Aber dafür direkt ins Kino würde ich nicht gehen. The Retaliators ist wohl genau für ein Filmfestival-Publikum gemacht.

 

Ansonsten kann man auf einen Home Release oder Streamingangebot warten.

 

Dazu sei der Soundtrack zum Film nochmal den Metal-Fans ans Herz gelegt. Der sorgt für ein paar schöne frühe 2000er Horror-Film-Vibes.