In Netflix's bis dato teuersten Produktion The Gray Man wird Ryan Gosling von Chris Evans durch die Welt gejagt. Die Russo-Brüder führen bei dem Spionage-Thriller Regie und es gibt viel Action. Klingt doch eigentlich ganz gut.

 

 

 

 

 

 

Agentenprogramm XY

 

2003 wird Gefängnisinsasse Court Gentry (Ryan Gosling) für ein spezielles Agentenprogramm rekrutiert und arbeitet von da an für die CIA. Er soll die Drecksarbeit erledigen und gefährliche Individuen ausschalten.

 

2021, Bangkok: Sein nächster Auftrag in ein ehemaliger Agent eben dieses Programmes.

 

Als er den Ex-Agenten stellt, erhält Gentry einen Datenträger mit geheimen Informationen, die dem derzeitigen CIA Center Chief Charmichael und seiner Assistentin Brewer gefährlich werden könnten. Um den Datenträger wiederzubekommen und Gentry zu eliminieren, heuert Charmichael den Ex-CIA Agenten Lloyd Hansen (Chris Evans) an.

 

Dieser setzt alle legalen und illegalen Hebel in Bewegung, Gentry zu jagen und ihm keine Atempause zu lassen. Als dann noch Gentrys Mentor und seine Ziehtochter ins Visir geraten, wird es persönlich.

 

Zugegeben die Story ist nicht originell und spiegelt eigentlich jeden x-beliebigen Agenten-Thriller wieder. Egal ob die Bourne-Trilogie mit dem Spin-Off, Mission Impossible oder sogar James Bond. Die Elemente finden sich überall. Tatsächlich gibt es bei der Action soagr leichte Fast & Furious-Vibes.

 

Von daher ist die Story nun nicht das stärkste des Filmes. Allerdings langweilt diese auch zu keinem Zeitpunkt. Es gibt vielleicht ein paar Längen, gerade wenn eine Rückblende eingebaut wird. Trotzdem wird einem roten Faden gefolgt, der dann zum großen Showdown führt.

 

 

 

 

 

Die Mischung macht's

 

Die Russo-Brüder haben mit ihren beiden Avengers-Filmen und den letzten beiden Captain America-Teilen ordentlich Eindruck hinterlassen. Umso größer die Erwartungen an einen Film, in dem Cap-Darsteller Chris Evans und Ryan Gosling die Hauptrollen haben.

 

Das funktioniert auch super gut, denn beide Darsteller tragen zusammen mit Ana de Armas den Film. Ryan Goslings schafft es mit seinem stoischen Gesichtsausdruck genervt, sarkastisch und angepisst zu spielen. Das passt zu den einzelnen Szenen sehr gut.

 

Wenn er sich aus brenzligen Situationen befreien muss und dabei immer weiter genervt ist, dann macht das schon Spaß. Sein perfektes Gegenstück ist dann Chris Evans. Der Mann kann diese Art von Arschloch-Bully spielen, die einfach so hassenswert sind.

 

Arrogant, hinterlistig und selbstverliebt. Das schaffte Evans schon in Scott Pilgrim vs. the World, Nicht noch ein Teenie Film oder Knives Out.

 

Hinzu kommt Ana de Armas als Agent Miranda, die Gentry im Laufe des Filmes unterstützt. Schon im letzten James Bond Film zeigte sie in ihrem kurzen Auftritt, was sie drauf hat. Hier darf sie das in einer längeren Version zeigen, obwohl ihr Charakter wesentlich ernster ist. Sie überzeugt als starke Frau und bekommt auch schöne Action Szenen.

 

Die beiden anderen vermeintlichen Bösewichte, Charmicheal und Brewer, sind allerdings auch nicht zu vergessen.

 

Gerade Jessica Henwick als Brewer gefiel mir gut, da sie die Stimme der Zuschauer sein könnte. Sie weist immer wieder auf die fragwürdige Einsatzwahl hin und dass sie die CIA sind und keine laute Kriegstruppe. Ebenfalls führt sie ihren eigenen kleinen Kampf, da sie von Carmichael und Hansen nicht ernst genommen wird.

 

Es gibt an Figuren noch Billy Bob Thornton als Gentrys Mentor und seine kleine Ziehtochter gespielt von Julia Butters. Auch keine Lowlights.

 

Ein kleines Highlight ist dann der Söldner Avik San gespielt von Dhanush. Freunde des indischen Kinos werden ihn kennen. Er bekommt zwar erst recht spät Screentime, aber dort darf er auch sehr viel zeigen.

 

 

 

 

 

Action, Action, fette Action!

 

Dafür, dass es sich hier im Kern um einen doch eher ernsteren Agenten-Thriller handeln soll, knallt es doch ganz schön. Ich würde auch eher behaupten, dass The Gray Man ein Agenten-Action-Blockbuster ist. Wirklich leise ist Gentry nämlich nicht. Allerdings sind das seine Kontrahenten auch nicht. Eine der größten Action-Setpieces ist in Prag, wo einfach mal die halbe Innenstadt niedergeballert wird.

 

Dazu passen zwar dann auch die Bemerkungen von Agentin Brewer, jedoch ist das alles andere als reiner Agenten-Thriller. Allerdings gefällt mir sehr gut, dass Goslings Figur keine Atempause bekommt. Es wird tatsächlich das Gefühl eines Gejagten schön rübergebracht.

 

Das Aufeinandertreffen von Gentry und Hansen funktioniert dann auch immer sehr gut und beide bekommen einen sehr schönen End-Fight. Generell sind die Kampfszenen toll choreographiert. Gosling darf viel zeigen und Ana de Armas sich in mehr als nur Hand-to-Hand-Combat austoben. 

 

Die Action macht also Spaß. Natürlich kann das vielen zu hektisch sein. Gerade der erste Kampf in einem Bereich mit Feuerwerk-Kanonen ist schnell geschnitten, bzw. in Szene gesetzt. Doch es ist weit von Wackelkamera und Schnitt-Gewitter entfernt. Die Russo-Brüder verstehen, wie Action funktioniert und in Szene gesetzt werden muss, damit alles einigermaßen erkannt wird.

 

Der größte Schwachpunkt der Action ist leider das CGI. Das ist ja meist der Schwachpunkt, wenn Effekte zum Einsatz kommen. Auch hier merkt man, dass diese teils unsauber sind und etwas billig wirken. Das hohe Budget ist da auf jedenfall nicht gelandet. Fairnesshalber muss man aber auch sagen, dass es wesentlich schlechter geht. Das ist alles ertragbar und reißt einen nicht komplett raus, wenn man jetzt nicht unbedingt Fehler suchen will.

 

Ansonsten ist der Film, dafür dass wir hier von einer Produktion für einen Streaming-Service reden, ein absoluter Hingucker. Wir bewegen uns hier im Kino-Blockbuster-Territorium und das kann man nicht abstreiten. Wenn dann die bekannte Filmkritiker-Letterboxd-Twitter-Bubble rumheult und eher unterdurchschnittliche Wertungen vergibt, muss man ernsthaft fragen, ob da überhaupt noch Kino- bzw. Filmfreude vorhanden ist und ein Film noch genossen werden kann.

 

 

 

 

 

Fazit

 

The Gray Man erfindet nix neu und hat auch nicht die besten Effekte. Allerdings machen die Figuren, allen voran Ryan Gosling und Chris Evans, richtig Spaß. Mit Ana de Armas zusammen tragen sie den gesamten Film und lassen den Plot trotz kleiner Längen nie langweilig werden.

 

Es gibt immer wieder schöne Action-Szenen, die ordentlich knallen und auch schmerzhafte Kampfszenen besitzen. Die Story ist recht Standard um einen Agenten, der zu einem Problem wird, allerdings reicht es allemal um einen unterhaltsamen Film zu bekommen.

 

Alle Darsteller geben sich richtig Mühe und hängen sich rein. Ryan Gosling und Chris Evans holen alles aus ihren Figuren raus und Ana de Armas darf eine starke Leistung als Agentin Miranda zeigen. Die Kameraarbeit ist recht ordentlich, allerdings sind die Drohnenshots zu Beginn einer Szene manchmal etwas holprig. Ich bin da kein Fan von, aber es ist zu verschmerzen.

 

Für einen tollen Filmabend ist der Film definitiv zu empfehlen und man muss sich auch mal vor Augen führen, dass dieser Film so auch im Kino laufen kann. Wir sind hier im Action-Blockbuster-Kino Level und das bei einem Preis im teuersten Modell mit gerade mal rund 18€. Für einen Kinobesuch bei zwei Personen zahlt man mehr. In diesem Sinne: Hört auf zu meckern!