Der bildgewaltige chinesische Action-Fantasy-Blockbuster A Writer's Odyssey ist auf den heimischen Endgeräten verfügbar. Brotherhood of Blades Regisseur Lu Yang inszeniert eine Romanadaption des gleichen Namens und lässt seine Protagonisten zwischen Realität und Fantasywelt springen.

 

 

 

 

 

 

Es war einmal...

 

Seit sechs Jahren sucht Guan Ning seine entführte Tochter und kommt nur langsam voran. Jedoch hat eine große Tech-Firma eine heiße Spur und bittet Guan im Gegenzug für die Informationen um einen Gefallen. Guan soll den Autor Kongwen umbringen.

 

Dieser schreibt gerade seinen Roman "Godslayer" fertig und greift damit unwissend in die Realität ein. Dem CEO der Tech-Firma passt das jedoch gar nicht, da seine Gesundheit vom Ende jenes Romans abhängt. Guan Ning muss eine Entscheidung treffen, die das Schicksal in der Geschichte beeinflusst...

 

 

...ein chinesischer Kinohit

 

Man kann sagen was man will, aber an sich bekommt man hier wirklich großes chinesisches Blockbusterkino geboten. Der Film erschien in China zum dortigen Neujahrsfest und war aufgrund der Pandemie zwei Jahre in der Post-Produktion. Wahrscheinlich auch deswegen hat man mit dem Film keine schlechte Zeit.

 

Aber fangen wir von vorne an. Dreh- und Angelpunkt sind zwei parallel laufende Geschichten. Die Story in der realen Welt um Guan Ning, der seine Tochter sucht und den Autor Kongwen umbringen soll und die Fantasy-Geschichte des "Godslayer"-Romans von Kongwen.

 

Dabei werden teilweise verschiedene Stile benutzt. Während die Roman-Geschichte fast ausschließlich auf CGI setzt und eben typisch Fantasy ist, bleibt die Realwelt-Story eher in einer düsteren Action-Thriller-Atmosphäre. Doch auch dort gibt es ein paar Fantasyelemente.

 

 

 

 

 

Superkräfte und sprechende Rüstungen

 

Was zwar früh gezeigt wird, aber erst etwas später richtig zum Tragen kommt, sind die vermeintlichen Supterkräfte einiger Charaktere. Guan Ning kann Fluggeschosse beeinflussen – sei es die Flugbahn oder die Geschwindigkeit. Andere können Strom weiterleiten oder im Falle des Autors die Realität mit ihrer Geschichte beeinflussen.

 

Dieser Ansatz ist nett und bringt auch ein paar tolle Actionsequenzen. Allerdings fühlt sich das wie eine Idee an, die im laufenden Dreh noch dazu kam. Doch darüber schaut man weg und nimmt es mit. An sich ist dies kein störender Faktor.

 

Schlimmer ist leider, dass der Film eben aus zwei Filmen besteht. Die Fantasygeschichte ist toll, macht Spaß und sieht auch echt großartig aus. Allerdings kommen beide Geschichten schwer zusammen und viele Handlungsstränge fühlen sich sehr gezwungen an.

 

So geht es in der Fantasywelt um eine klassische Rachegeschichte. Das sieht auch alles richtig gut aus. Da gibt es Schlachten mit Drachen-Heißluftballoons, Kämpfe mit einer lebenden Rüstung und ein Endbossfight, der eins zu eins aus einem Videospiel kommen könnte.

 

Ebenfalls haut einen die Optik um. Es gibt eine Szene auf einem Friedhof, wo im Sonnenuntergang auf einem Hügel ein Gegner in einer roten Rüstung mit einer Riesenaxt steht. Das sieht beeindruckend, einschüchternd und wunderschön aus. Wer hier Vibes zu den From-Software-Spielen bekommt, liegt nicht so falsch.

 

Auch der Endkampf gegen den übergroßen Halbgott ist großartig gemacht. Da wird sowohl Anime-Action als auch Absurdes mit reingehauen und das macht durchgängig Spaß. Jedoch ist das eben alles nur Beiwerk und fügt sich schwer mit der anderen Geschichte um Guan Ning zusammen.

 

Beide gehören klar zusammen und beeinflussen sich auch in gewisser Weise. Aber schön ist anders.

 

 

 

 

 

Das Wort ist mächtiger als das Schwert oder doch nicht?

 

Das ist aber das größte, was man bemängeln kann. Beide Geschichten sind auf ihre Weise spannend und würden auch nur für sich funktionieren. Gerne hätte ich da zwei verschiedene Filme gehabt. Guan Nings Suche nach seiner Tochter ist eine spannende Actionstory mit einigen netten Einfällen.

 

Gerade, wie er seine Fähigkeit nutzt ist wirklich cool in Szene gesetzt. Klar, ist das auch nicht vollkommen neu, aber es unterhält sehr schön. Allerdings kommen so auch ein paar Punkte zu kurz, zu denen ich gerne etwas mehr gewusst hätte. Aber auch darüber kann man hinweg sehen.

 

Schlussendlich hat man die beiden Welten gut umgesetzt und bietet viele visuelle Schauwerte. Die Figuren sind ebenfalls keine Ausfälle. Lei Jiayin als Guan Ning geht absolut in Ordnung. Sein Wandel von einem Familienvater zu einem fast schon Actionhelden klappt gut.

 

Den stärksten Kontrast bietet Dong Zijan als Autor Kongwen, der sich natürlich auch als Titelheld in seine Geschichte "Godslayer" geschrieben hat. Dadurch, dass er in der realen Welt ein absoluter Losertyp ist, wirken seine späteren Heldentaten in der Fantasygeschichte etwas merkwürdig. Allerdings gibt sich der Film Mühe, den Titelhelden der Fantasystory nicht von Anfang an als den furchtlosen Helden dazustellen. Eher wächst er mit seiner Angst, unterstützt von seiner sprechenden Rüstung.

 

Yang Mi als Tu Ling macht auch einen kleinen Wandel durch, der aber dann doch teilweise recht spontan kommt. Als rechte Hand des CEO soll sie Guan Ning instruieren und dafür sorgen, dass er seine Aufgabe erfüllt. Allerdings werden immer mal kleine Gewissensbisse inszeniert, damit ihr Charakterwandel am Ende Sinn ergibt. Austeilen kann sie dafür aber richtig gut und ich hätte mir ein paar mehr Actionszenen mit ihr gewünscht.

 

Der böse CEO, gespielt von Yu Hewei, ist okay, aber auch nicht groß erinnerungswürdig. Da bleibt seine CGI-Performance als Halbgott Rotmähne eher im Gedächtnis.

 

 

 

 

 

Fazit

 

Sieht man darüber hinweg, dass hier zwei Filme zu einem vereint wurden und dass nur schwerlich klappt, hat man mit A Writer's Odyssey eine wirklich tolle Zeit. Die großartigen Kamerabilder faszinieren. Die Action ist sehr gut gemacht und die Geschichten für sich genommen spannend. 

 

In zwei separaten Filme hätte man einige Elemente mehr ausgebauen können. Trotzdem würde ich den Film empfehlen und bin etwas traurig, ihn nicht im Kino gesehen zu haben.

 

Die tollen Designs und gut inszenierte Welt wäre auf einer großen Leinwand nochmal besser zum Tragen gekommen. Ansonsten kann man hier getrost zugreifen und bekommt einen tollen chinesischen Blockbuster für Freunde des Asia-Kinos.



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