Matthew Vaughn's dritter Ausflug in die Kingsmen Welt ist kein direktes Sequel. The King's Man: The Beginning erzählt die Entstehung der Geheimorganisation und möchte dabei auch neue ernstere Töne anschlagen. Das gelingt eher mäßig.

 

 

 

 

 

 

Auf in den Krieg

 

1914 stehen die Großmächte vor dem Ersten Weltkrieg. Orlando Oxford versucht im Geheimen alle möglichen Gefahren von Großbritannien fernzuhalten. Wegen des Verlusts seiner Frau, die bei einem Anschlag getötet wurde, möchte er alles daran setzen, den Krieg und die Teilnahme seines Sohnes Conrad daran zu verhindern.

 

Doch eine terroristische Gruppe um ihren Anführer The Shepherd will den Krieg unbedingt und plant mehrere Aktionen um die russische, deutsche und britische Regierung gegeneinander aufzuhetzen. Als es schließlich zum Krieg kommt, beschließen Orlando und seine Gruppe einzugreifen.

 

Wer jetzt denkt, dass dies doch eigentlich nach einem spaßig-übertriebenen Agentenfilm klingt, garniert mit ein wenig Over-the-Top Action und feinem britischen Charme, dem muss ich leider etwas den Wind aus den Segeln nehmen.

 

Leider hat der Film sehr oft nicht diese Leichtigkeit, die die beiden Vorgänger Kingsman: The Secret Service und Kingsman: The Golden Circle noch besaßen. Stattdessen versucht man oft ernstere Töne anzuschlagen. Gerade die gesamte Thematik um den Ersten Weltkrieg soll oft das Grauen dieser Zeit aufzeigen.

 

 

 

 

 

Zwei Geschichten

 

Es kommt einem teilweise so vor, als wären hier zwei vollkommen verschiedene Storys zu einer verschmelzt worden: die absurde und spaßige Entstehung der Kingsmen und das Erlebnis der Schrecken des Ersten Weltkrieges. Natürlich kann man das verknüpfen, doch es klappt hier nicht so richtig gut.

 

Da gibt es zum einem die gesamte Agenten-Geschichte, wo eine geheime Organisation aufgehalten werden muss. Diese Organisation spinnt ihre Fäden genauso, dass eben ein Weltkrieg ausbricht und die Welt ins Chaos gestürzt wird. An sich eigentlich eine gute Idee, bei der ordentlich was auf dem Spiel steht.

Dass man sich zudem an realen Ereignissen orientiert, kann man auch noch machen. Unpassend wird es dann eher, wenn eben diese realen Ereignisse auch so nah wie möglich in ihrer Ernsthaftigkeit präsentiert werden sollen.

 

Die gesamte Geschichte um Sohn Conrad, der unbedingt seinem Land dienen möchte und an die Front will, passt hier schwer rein. Dabei gibt sich Harris Dickinson viel Mühe, seine Rolle gut zu spielen. Mit diesem Charakter werden dann auch die Schrecken des Krieges aufgezeigt.

 

Gerade alles, was an der Front passiert war mir persönlich viel zu ernst und nicht passend im Kontext eines Kingsmen-Filmes. Da werden Kameraden aus der Schusslinie gezogen, junge Soldaten im Kugelhagel niedergestreckt und generell die Angst an der Front gezeigt.

 

Das passt alles zu einem Drama, wenn auch die Action dabei überzogen ist. Doch zu einem lockeren Actionfranchise passt es leider nicht. Gerade auch nicht, wenn vorher ein langer Part um den russischen Vertrauten Rasputin gezeigt wird.

 

Das ist auch einer der stärksten Parts im gesamten Film.

 

 

 

 

 

Mal ernst, mal durchgeknallt

 

Der Rasputin-Teil ist vom Stil her genauso wie die beiden vorigen Kingsmen-Filme. Überzogen, spaßig und eine coole Action-Sequenz, in dem Rasputin sich mit einem tanzartigen russischen Kampfstil zur Wehr setzt. Genau da kommt der Kingsmen-Vibe auf. Leider ist das schnell abgefrühstückt und wir näher uns dem langen ernsten Mittelteil des Filmes, der sich um die Kriegserlebnisse dreht.

 

Der letzte Part des Filmes geht nochmal in so eine Richtung wie der erste, aber da ist man leider schon zu sehr genervt. Man muss dem Film aber zu Gute halten, dass er ebenfalls so eine mutige Entscheidung fällt wie im ersten Kingsmen. Das sorgt für eine Überraschung, die den letzten Anstoß gibt. Man zerrt das zwar etwas in die Länge, kommt dann aber trotzdem zügig zum Finale.

 

Dort liegt aber eben das Problem des Filmes. Diese zwei Geschichten passen schwer zusammen. Der Mittelteil bremst den Film wahnsinnig aus, trotz guter Ideen. Es gibt z.B. eine Messerkampfszene, die bei Nacht auf dem Schlachtfeld passiert, wo alle leise sein müssen, das sie ansonsten von beiden Fronten beschossen werden. Wirklich nette Idee und auch gut umgesetzt.

 

Doch auch da entschließt man sich die Schrecken des Krieges einfließen zu lassen und schon wird man aus der eigentlich coolen Idee wieder rausgeholt. Schade. Am Ende gibt es noch einen Twist und man erfährt etwas über die Motivation des Bösewichts, doch beides ist eher unbefriedigend.

 

Zurück bleibt dann ein okayer Film, der nicht lange in Erinnerung bleibt, aber auch nicht wirklich weh tut. Man bekommt gute Leistungen von Ralph Fiennes und einen wandelbaren Tom Hollander, der in gleich drei Rollen präsentiert wird.

 

Lediglich die Nebencharaktere bekommen wenig Präsenz. Gerade bei Djimon Hounsou und Daniel Brühl war ich sehr enttäuscht.

 

 

 

 

 

Fazit

 

The King's Man: The Beginning ist eher mittelmaß. Leider versucht man zwei Geschichten zu einer zu verknüpfen, die aber beide eine komplett andere Tonalität haben und sich damit immer gegenseitig ausbremsen.

 

Die schauspielerischen Leistungen von Ralph Fiennes, Tom Hollander und Harris Dickinson gehen in Ordnung. Lediglich die Nebencharaktere werden ein wenig zu sehr auf der Strecke gelassen. Der interessanteste und absurdeste Part um Rasputin wird recht früh im Film abgehandelt.

 

Danach folgt erstmal ein sehr langer viel zu ernster Part, der das Grauen des Krieges thematisiert. Dort gibt es zwar ein paar nette Ideen, jedoch kommen sie mit dem Drama nicht recht zusammen.

 

Vielleicht der schwächste Teil der Kingsman Filme bisher, aber auch keine Vollkatastrophe. Kann man durchaus machen.

 



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