In Amerika ist der Film ein Hit und hierzulande schlagen sich einige Kritiker die Hände vor dem Kopf mit der Frage "Warum eigentlich?".

 

  

 

 

 

Venoms erster Solo-Auftritt im Kino war ein finanzieller Erfolg und teaserte den Serienkiller Cletus Kasady alias Carnage am Schluss an. Nun soll das große Aufeinandertreffen der beiden Symbionten passieren.

 

 

Liebe geht durch den Magen

 

Eddie und Venom haben sich einigermaßen arrangiert und ziehen durch den Tag. Eddie hat auch gerade einen ordentlichen Journalisten-Job an Land gezogen oder vielmehr wird explizit nach ihm verlangt. Der Serienkiller Cletus Kasady möchte, dass Eddie Brock seine Geschichte aufschreibt.

 

Durch Venom findet Eddie den Ort der verschollenen Opfer Kasadys und bringt diesem somit die Todesstrafe ein. Davon bekommt auch Kasadys Jugendliebe Frances Barrison Wind, die wegen ihrer besonderen Kräfte in einem geheimen Gefängnis gefangen gehalten wird.

 

Als Kasadys letzter Wunsch nach einem Treffen mit Eddie, erfüllt wird, hat er Kontakt zum Symbionten und bildet daraus das Monster Carnage.

 

Nun ist dieser auf Tötungskurs, befreit nebenher Frances und möchte Venom kaltstellen. Das könnte auch klappen, da Venom und Eddie Beziehungsprobleme haben.

 

 

 

 

 

Herzschmerz heilt am schlimmsten

 

Wer sich bei der Storyzusammenfassung denkt, das sei irgendwie echt viel und klinge sehr zusammengewürfelt, der hat definitiv recht. Venom - Let there be Carnage sind zwei verschiedene Filme im Ab-12-Gewand zu einem zusammengeklebt.

 

Aber wie immer das Positive zuerst. Die Liebesgeschichte funktioniert recht gut und geht den Symbionten-Aspekt mal aus einer anderen Richtung an. Eddie und Venom streiten, muntern sich auf und lösen zusammen Probleme.

 

Allerdings kommen beide dann doch nicht komplett mit der Koexistenz klar. Venom möchte eben gerne Gehirne essen, aber Eddie ist strikt dagegen. Eddie wiederum hätte gerne mal wieder einen Moment nur für sich. Natürlich geht das nicht.

 

So gibt es irgendwann den Bruch der beiden und Venom versucht sich alleine durchzuschlagen. Da gibt es dann auch die verschiedenen Phasen einer Trennung zu begutachten.

 

Venom ist auf einem Rave, wo er sich sein "Single-Dasein" schön redet und klarstellt, dass ihn die Beziehung nur eingeschränkt hat. Nun ist er unabhängig und frei. Gleichzeitig ist er tottraurig, aber ebenfalls zu stolz es einzugestehen.

 

Als Carnage auf den Plan tritt, merkt Eddie wiederum schnel, dass er ohne Venom keine Chance aufs Überleben hat.

 

Dieser ganze Beziehungsaspekt gefiel mir gut und ist das, was ich im ersten Teil vermisst habe. Beide streiten sich, wollen nicht zusammensein, raufen sich zusammen und besiegen nur dadurch das Böse. Somit hat man aus diesem Fehler gelernt.

 

 

 

 

 

Wenn Liebe dir den Kopf verdreht oder abbeisst

 

Dann ist da der andere Plot mit Carnage... Das funktioniert alles überhaupt nicht.

 

Ich bin selten ein Freund von Abänderungen der eigentlichen Vorlage, weil der Regisseur oder das Studio etwas anderes sieht.

 

Hier finde ich es geradezu frech. Carnage ist im Comic der perfekte Symbiont, eben weil Kasady ein Sadist ist und diese unstillbare Mordlust dem Symbionten gefällt. Beide sind die perfekte Vereinigung und daher so gefährlich.

 

Hier ist Carnage natürlich auch gefährlich und bringt eine Menge Leute um, aber naja, bei einem PG-13 Rating in den USA sieht man davon fast nix. Blut gibt es nicht bei den Kills und generell macht Carnage das sehr umständlich. Muss ja zur Altersfreigabe passen.

 

Zudem sind sich Kasady und Carnage in dieser Version eben nicht einig und haben unterschiedliche Ziele. Es wird sogar später darauf eingegangen, dass sie nicht gleich, nicht synchronisiert sind.

 

Auch nicht richtig klar ist, warum Kasady unbedingt Eddie als seinen Geschichtenschreiber wollte. Es gibt dann doch leider erhebliche Plotholes. Um eben noch diesen Liebesaspekt mit der anderen romantischen Story von Eddie und Venom zu verbinden, bekommt Kasady noch seine Jugendliebe in den Film geschrieben.

 

Frances Barrison aka Shriek gibt es auch in den Comics und ist dort ebenfalls die Geliebte von Carnage. Chemie zwischen Frances und Kasady ist auch vorhanden, allerdings ist einem das recht egal. Zumal Carnage selber keine wirkliche Lust auf Frances aufgrund ihrer Kräfte hat.

 

Hinzu kommt dann noch die Backstory von Frances mit dem Cop Patrick Mulligan, der auch gegen Eddie aufgrund der Ereignisse des ersten Teils ermittelt. Diese Geschichte ist aber ebenfalls total verzichtbar und verfolgt nur einen Zweck, der aber erst in zukünftigen Filmen wichtig sein könnte.

 

 

 

 

 

Lass es Liebe regnen

 

Schauspielerisch sieht es ähnlich zwiegespalten aus. Ich mag diese Version von Eddie Brock gar nicht. Tom Hardy ist ohne Frage ein sehr guter Schauspieler und das, was er darstellen soll, macht er auch richtig gut. Leider ist Eddie Brock weiterhin eine ziemliche Memme.

 

Wenn selbst die von Topher Grace gespielte Version in Spider-Man 3 mehr Selbstbewusstsein und Klasse hat, dann weiß ich es auch nicht. Die Schuld ist aber nicht unbedingt bei Tom Hardy, sondern beim Drehbuch und der Regie zu suchen.

 

So zeigt sich, dass die Verantwortlichen das Quellenmaterial nicht gut kennen, wie man auch bei Carnage/Cletus Kasady sehen kann. Vom eiskalten, fast schon Hannibal Lecter-artigen Killer bleibt eben nur das wahllose Töten übrig.

 

Ich persönlich empfand auch Woody Harrelson als eine Fehlbesetzung. Lieber hätte ich mir jemanden wie Bill Skarsgard gewünscht. Harrelson spielt sein Standardprogramm ab und flippt mal mehr, mal weniger aus.

 

Weiterhin enttäuscht Michelle Williams als Eddies Ex-Freundin Anne Weying. Nicht weil sie schlecht spielt, nein, sie bekommt wieder nichts zu tun. Sie taucht ab und zu mal auf. Das ist alles. Eine wirklich relevante Position hat sie nicht, außer am Ende nochmal die Maid in Nöten zu sein. Das ist wirklich schade.

 

Bei all dem Gemecker muss man aber auch sagen, dass der Film deutlich besser ist als der erste. Gerade, was das CGI angeht. Der Endkampf ist keine matschige Computeranimation, wo man einfach nicht mehr durchblickt, sondern man erkennt klar, wo ist Carnage, wo ist Venom und was macht der jeweils andere gerade.

 

Das ist eine klare Verbesserung. Auch der Humor wurde etwas hochgeschraubt und der Film wirkt dadurch lockerer und weniger angestrengt. Am Ende wird eh jeder nur über die After Credits Scene reden, anstatt sich noch groß an Carnage oder die Geschichte zu erinnern.

 

 

 

 

 

Fazit

 

Venom - Let there be Carnage ist immer noch nicht das, was die Figuren Venom und insbesondere Carnage verdienen. Das FSK-12 tut dem Film absolut nicht gut und auch wie beide Charaktere dargestellt werden, funktioniert eher so mäßig.

 

Der Liebesgeschichten-Teil von Eddie und Venom klappt dafür diesmal besser und bringt mal eine andere Herangehensweise an die Symbionten-Thematik. Dafür ist die ganze Geschichte um Carnage fehlplatziert und möchte nicht so richtig mit der anderen Geschichte zusammenkommen.

 

Tom Hardy macht seine Sache gut, stellt aber leider nach wie vor eine ziemliche Lappen-Version des Eddie Brock-Charakters dar. Woody Harrelson hat mir persönlich als Carnage nicht gefallen.

Die anderen Figuren sind da und am meisten kann Naomie Harris als Frances Barrison glänzen.

 

Dafür ist das CGI diesmal besser und man erkennt, wer hier gerade wen angreift.

 

Wer den ersten Teil mochte, wird hier auch seine Freude haben. Wem allerdings der erste Soloauftritt von Venom schon nicht zusagte, den holt Carnage auch nicht vor dem Ofen vor.