Mit fast zwei Jahren Verspätung erscheint nun endlich der letzte James Bond Film mit Daniel Craig als charmantem britischen Spion. Ein paar letzte Baustellen müssen abgehandelt und ein neuer Bösewicht in seine Schranken gewiesen werden. No Time to Die (englischer Originaltitel) ist der Abschluss für die Daniel Craig Ära und die soll mit einem riesen Knall enden.

 

 

 

 

 

 

007 Is Forever

 

Blofeld ist im Gefängnis und James möchte nun endlich seine Zeit mit Madeleine verbringen. Ein letzter Besuch am Grab seiner verstorbenen Liebe Vesper Lynd stellt seinen Abschluss mit der Vergangenheit und den Blick in die Zukunft dar. Die Geheimorganisation Spectre hat ihn allerdings ausfindig gemacht und will ihren Gegenspieler Bond endgültig beseitigen. James glaubt, dass nur Madeleine ihn verraten konnte und trennt sich von ihr.

 

Fünf Jahre später stielt Spectre eine geheime Biowaffe, die das MI6 anfertigen ließ. Diesmal wird allerdings Spectre selbst verraten. Ein neuer Gegenspieler tritt auf, der die Auslöschung der Geheimorganisation und der ganzen Welt als Ziel hat. James Bond muss erneut in den Kampf gegen Spectre ziehen, die Biowaffe an sich bringen und schützen, was ihm lieb ist. 

 

Keine Zeit zu Sterben beginnt mit einer überwältigenden Action-Sequenz in Italien, die von kurzen Schusswechseln und einer Verfolgungsjagd durch Matera geprägt ist. Eingefleischte Fans können hier das erste von vielen Nuggets entdecken - den Aston Martin DB5. Die Szenen machen aber auch allen anderen Zuschauern Spaß, denn die Action hinterlässt einen deutlichen Eindruck, wenn die Bösewichte beispielsweise versuchen das kugelsichere Fahrzeug zu durchbrechen. Erst im letzten Moment kann sich James Bond durch den Einsatz MG-Geschütze am Fahrzeug retten und zudem noch alles nieder ballern, was sich ihm in den Weg stellt.

 

Der Aston Martin DB5 wird auch toll präsentiert mit den klassischen Gadgets, wie Rauchbomben oder kleinen Kugelminen. Eine schöne Szene und eines Bond-Filmes würdig, da sie die Essenz von "James Bond" perfekt wieder gibt: Die rechte Hand des Bösewichts wird prägnant mit einem Glasauge präsentiert; James führt waghalsige Manöver aus und bewahrt trotzdem charmant die Ruhe, um dann hart durchzugreifen.

 

Gefolgt wird diese erste Szene dann von dem Intro und dem offiziellen Song von Billie Eilish - Ein absolutes Highlight eines jeden Bond-Films. Der Song gibt wunderbar die Stimmung wieder und Billie Eilish verpasst dem Abgesang der Craig-Ära eine schöne melancholische Note.

 

Nach diesen ersten Szenen war ich voll drin und wollte mehr. Ich freute mich euphorisch auf das, was noch kommen mag. Die erste Hälfte überzeugt dann auch wirklich und bietet schöne Momente.

 

 

 

 

 

Der Spion, der mich verließ

 

Daniel Craig ist ein absolut brillanter James Bond, keine Frage. Er ist mittlerweile sehr gut in diese Rolle hinein gewachsen. Er strahlt einen Charme aus, der in jeder Szene die Interaktionen mit den anderen Charakteren prägt, dass es einen nicht verwundert, dass er eben fast alle anderen Darsteller:innen an die Wand spielt.

 

Einzig eine Person kann ihm das Wasser reichen und das ist Ralph Fiennes als Bonds Vorgesetzter M. Als sie sich nach fünf Jahren das erste Mal wiedersehen, führen sie einen Dialog, der einen an den Kinosessel fesselt. Beide verstehen ihr Handwerk und wissen, wie sie mit dem anderen das best mögliche Ergebnis erziehlen können.

 

Das bedeutet aber nicht, dass Bonds Verbündete schlecht spielen. Sie fügen sich alle so ein, wie sie gebraucht werden und bekommen dadurch sehr gut Präsenz. Q (Ben Whishaw) und Moneypenny (Naomie Harris) haben tolle Szenen mit Bond, die durch den trockenen britischen Humor für angenehme Auflockerungen sorgen. 

 

Während Bonds Abwesendheit wurde die Agentennummer 007 an eine neue Agentin weitergegeben - Nomi (Lashana Lynch). Diese ist wenig begeistert, dass Bond wieder zurück in den aktiven Dienst treten will und gibt James immer wieder kleine Spitzen. Allerdings raufen sich beide dann irgendwann zusammen und damit gibt es diesmal einen Aspekt den ich bisher nur vom Konkurrenz-Franchise Mission Impossible kenne - ein zusammen agierendes Team um James Bond.

 

Leider muss man aber sagen, dass Nomi als neue 007-Agentin nicht gerade gut in Szene gesetzt wird. Sie kommt im Film oft wie der neue Sidekick rüber und ist bei weitem nicht auf Augenhöhe mit Bond. Jetzt kann man sagen, dass es ja um James Bond gehe und er die Hauptfigur sei, aber ein wenig enttäuschend ist es schon. Von beiden Figuren wird immer wieder betont, dass 007 nur eine Nummer sei. Das wertet für mich ein bisschen die Stellung und die Skills des Agenten James Bond ab, da er eben nunmal 007 ist. Ich persönlich kann in Nomis Charakter noch keine Agentin sehen, die die Welt vor diversen Krisen retten kann, da sie im Film noch so unfertig dargestellt wird. Das ist schade.

 

Auch Christoph Waltz als Ernst Blofeld, der nochmal einen kurzen Auftritt bekommt, überzeugte mich nicht. Waltz und Craig haben einfach keine Chemie zusammen, die mir aufzeigt, dass Bond und Blofeld absolut verhasste Erzfeinde sind. Mir fehlt da einfach die Intensivität. Waltz spielt seine typische Hans Landa-Platte ab, die er in den letzten Jahren zu oft zeigt, wenn er den Bösen spielt.

 

Ebenfalls hat die Liebesgeschichte mit Madeleine Swann (Léa Hélène Seydoux-Fornier de Clausonne) für mich nicht funktioniert. Seydoux-Fornier de Clausonne macht zwar keinen schlechten Job, aber sie wirkt im Kontext der Story des Filmes nicht wie eine starke unabhängige Frau, die James Rückhalt gibt, stattdessem ist Madeleine erneut die Damsel in Distress, der noch eine weitere emotionale Sorge auf dem Leib geschrieben wurde, was uns als Zuschauer noch mehr emotional einbinden soll. Gerade diese Entscheidung fand ich billig.

 

Für mich ist der größte Schwachpunkt im Cast Remi Malek als Schurke Lyutsifer Safin. Als bekannt wurde, dass Malek einen Bond-Schurken spielen wird, war ich gespannt. Malek ist ein genialer Schauspieler und besitzt auch die Leinwandpräsenz, um mit Daniel Craig auf Augenhöhe zu agieren. Sollte man meinen. Doch das Drehbuch lässt ihm keine Chance diese Präsenz zu zeigen. Seine anfängliche Motivation funktionierte, doch nachdem dieses Ziel erreicht war, verkommt er zu jedem x-beliebigen Weltherrschafts-Wahnsinnigen mit eigener Insel.

 

Natürlich kann man sagen, klassischer als das, geht es doch gar nicht als Bond-Schurke. Und vielleicht ist er sogar ein toller Schurke für einen Bond-Fan. Jedoch wirkt das Ganze recht blass und wenn man dann den Film kennt und sieht, was der Schurke schafft, wird das seiner Größe einfach nicht gerecht. Da gab es in der langen Historie der Bond-Gegner weitaus denkwürdigere Personen, allein in der Craig-Ära.

 

 

 

 

 

Das Skript ist nicht genug

 

Ich korrigiere mich, der größte Schwachpunkt ist das Drehbuch. Dieses Problem hatte bereits der Vorgänger Spectre. Das Drehbuch wurde zu oft umgeschrieben und mit Humor und Änderungen der Figuren geschmückt. Als bekannt wurde, dass es eine weibliche 007 geben werde, wurde auch da nochmal über das Skript geschaut und sicher gestellt, dass Bond selber die stärkste Figur bleibt. Hier liegt meine Vermutung nahe, dass dies dem Charakter von Nomi nicht gut bekam. Erneut, sehr schade, weil ich da starkes Potenzial vergeudet sehe.

 

Auch im Regiestuhl tat sich einiges. Sam Mendes, der Skyfall und Spectre inszenierte, wollte keine Regie führen. Namen wurden in den Raum geworfen wie Christopher Nolan, Denis Villeneuve oder David MacKenzie. Für eine Zeit sollte Danny Boyle die Regie übernehmen, verlies aber 2018 die Produktion. Schlussendlich führte Cary Joji Fukunaga die Regie, der für Filme wie Beast of No Nation bekannt ist. Der Film wurde dann durch die Corona-Pandemie immer wieder verschoben und letzten Endes in Amerika sogar vor Dune in den Kinos veröffentlicht.

 

Keine Zeit zu Sterben überzeugt in der starken ersten Hälfte auf ganzer Linie. Das Ende der Craig-Ära sollte zelebriert werden, was dann leider in der zweiten Hälfte des Filmes nicht mehr gut gelingt. Der emotionale Anker fesselt einen einfach nicht so recht. James Liebesgeschichte wird tragisch dargestellt und passt auch zu diesem sich aufopfernden Bond. Trotzdem wirkt vieles darin zu gewollt und nicht natürlich. Es kommt wie ein Schnellschuss rüber, der unbedingt eine Emotionalität erreichen will, die dadurch allerdings zu künstlich wirkt.

 

Ebenfalls ist der Plot zweigeteilt. Die klassische Rachestory funktioniert hier anfänglich gut und ich mochte die Entscheidung, Spectre neben Bond eine weitere gefährliche Bedrohung zu geben. Das hätte in einem wunderschönen drei Fronten-Kampf enden können mit Blofeld, Safin und James. Das Drehbuch entscheidet sich aber für einen recht schwachen Ausgang und trifft eine Entscheidung, die die Gemüter spalten wird.

 

Weiterhin ist das große böse Werkzeug wieder einmal eine Biowaffe, die für die Eroberung der Weltherrschaft eingesetzt wird. Auch das schlussendliche Ziel von Safin wird vom Film humoristisch aufgegriffen. Ich verstehe, was das Drehbuch mir da aufzeigen will. Gut finde ich es trotzdem nicht, da der Bond-Humor charmant sein soll und sich nicht über seine eigene Historie lustig machen muss. Dafür sind Filme wie die 1967er Bond Parody Casino Royale oder die OSS 117-Reihe zuständig.

 

Schade empfand ich auch den Auftritt von Ana de Armas als CIA Agentin Paloma. Der ist nämlich kurz, viel zu kurz. De Armas funktioniert als Paloma so gut, das ich gerne so viel mehr von ihr gesehen hätte. Leider bekommt sie nur ein Setpiece und die zweitbeste Actionszene des Filmes und verschwindet danach einfach wieder. Ihre Figur ist aufgeregt, etwas nervös, aber großartig trainiert und erledigt den Auftrag mit Bond zusammen perfekt. Da merkt man, wer der bessere Sidekick gewesen wäre.

 

 

 

 

 

Ein Quantum Mittelmaß

 

Das hört sich alles nach sehr viel negativer Kritik an. Doch jetzt das große Aber. Keine Zeit zu Sterben ist das gesunde Mittelmaß der Craig-Bond-Reihe. Er unterhält für seine 163 Minuten sehr gut und lässt zumindest keine Langeweile aufkommen. Die Dialoge funktionieren trotz Präsenzunterschieden recht gut.

 

Der britische Humor lockert immer wieder schön die Situationen auf, obwohl dieser Bond auch wieder einer der düsteren ist. Außerdem gibt es einen Abschluss. Klar, bleiben nun Fragen für die Zukunft offen, aber am Ende ist das immer noch ein Film, wo man Sachen drehen und wenden kann.

 

Es gibt immer mal wieder kleine Easter Eggs für langjährige Fans wie eben den Aston Martin DB5 oder, dass der Böse eine Insel als Stützpunkt besitzt. Klassischer gehts nun wirklich nicht. Generell ist der Film an einigen Stellen stark Fan-Service lastiger, als es einigen lieb sein wird.

 

Nochmal, es ist kein schlechter James Bond Film. Er haut einen einfach nicht vom Hocker. Und dafür, dass es eben ein Abschluss für Daniel Craig ist, könnte das die Erwartungen zerbrechen. Wiederrum muss man sagen, dass Brosnans Ära auch keinen schönen Schlussfilm hatte.

 

Daniel Craigs-Ära entschied sich eine fortlaufende Geschichte zu präsentieren und den bösen Endgegner Spectre als roten Faden durch alles zu ziehen. Das alles findet nun seinen Abschluss und schließt ein weiteres Kapitel. Natürlich hätte das besser sein können, aber wiederrum muss man sagen, dass einige der besten Bond Filme in der Craig-Ära entstanden sind. Hier trifft tatsächlich der Satz zu: Hohe Erwartungen können niemals erfüllt werden.

 

Eine Bond-Ära perfekt zu beenden ist gerade heutzutage so schwierig wie noch nie. Und mit diesem Film traut man sich etwas. Das gefällt weißgott nicht jedem und auch ich gehöre dazu. Der Mut muss trotzdem respektvoll erwähnt werden.

 

 

 

 

 

Fazit

 

Der letzte Teil der Daniel Craig-Ära endet im Mittelmaß. Die erste starke Hälfte hat zwei großartige Action-Szenen, eine tolle Ana de Armas, ein großartiges Bond-Intro mit einem fantastischen Song von Billie Eilish und einen anfangs spannenden Plot mit einer Bedrohung für Spectre neben James.

 

Leider flacht der Film in der zweiten Hälfte ab und geht in albernen Bond-Klichees unter wie dem nach der Weltherrschaft trachtenden Oberschurken. Außerdem funktionieren die emotionalen Anker, die man Bond gibt einfach nicht und zeigen zum großen Finale nicht die gewünschte Wirkung.

 

Das Drehbuch bleibt hier leider die größte Schwäche und tut gerade den Nebenfiguren nicht gut. Dafür wirkt Daniel Craig als Titelheld noch ein letztes Mal hervorragend. Für seine 163 Minuten Länge ist der Film auch zu keinem Zeitpunkt langweilig, sondern schafft eine gute Balance zwischen Action, Dialogen und Humor.

 

Daniel Craig hinterlässt große Fußspuren und mit dem Abschluss mag nicht jeder einverstanden sein. Trotzdem möchte ich Danke sagen für eine tolle Bond-Ära. Dafür sollte man auch nochmal das Kino aufsuchen. Diesen Monat kamen definitiv zwei sehr starke Blockbuster mit Dune und Keine Zeit zu Sterben in die Kinos.