Das MCU bringt einen weiteren recht unbekannten Helden auf die Leinwand und schnuppert in asiatischen Gefilden. Ein weitere neue Welt wird eingefügt und erweitert die Geschichte der Ten Rings-Organisation, die man bereits in anderen Marvel Filmen angeteasert bekommen hat.

Marvel möchte nun auch die Martial Arts Liebhaber auf ihre Seite holen und legen mit einem actiongeladenen Trailer vor. Vorhang auf für Simu Liu als Martial Arts Spezialist Shang-Chi.

 

 

 

 

 

 

Drachenschelle

 

Shaun lebt in den Tag hinein. Richtige Pläne für sein Leben hat er nicht. Seine beste Freundin Katy ist vom gleichen Schlag, sehr zum Missfallen ihrer Mutter. Als beide eines Tages in einem Bus von scheinbaren Straßenverbrechern angegriffen werden, packt Shaun seine Kämpfernatur aus.

 

Als dann auch noch ein stämmiger Typ eine Energieklinge aus seinen Arm hervorholt, weiß Shaun, das ihn seine Vergangenheit eingeholt hat. Sein Vater ist Wenwu, der Meister der zehn Ringe und Anführer der Ten Rings-Organisation. Er möchte seinen Sohn zurückholen und ihm seine Bestimmung aufzwingen.

 

Die Ten Rings-Organisation kam tatsächlich schon in einigen anderen Marvelfilmen vor. Gerade Iron Man 3 hatte einen großen Plot um den Anführer der Organisation - der Mandarin. Jetzt lernt man den wahren Mandarin kennen und seine Geschichte um die zehn Ringe.

 

Diese sind nämlich nicht gewöhnliche Fingerringe, sondern Armreife. Wenwu kann sie als Peitschen benutzen, Energiebälle damitabfeuern und sie seinen Gegnern um die Ohren hauen. Wie die Ringe eingesetzt werden gefällt mir sehr gut und wirkt moderner, als die Comicvariante.

 

Ebenfalls macht Tony Leung eine sehr gute Figur als Wenwu. Leung ist ein absolutes Schwergewicht des chinesischen Kinos. Filme wie Infernal Affairs, Hero oder Hard Boiled sind Speerspitzen im asiatischen Filmbereich. Tony Leung hat somit schon eine starke Präsenz. 

 

Im Kontrast dazu steht Simu Liu als Shaun/Shang-Chi. Liu hat einige Erfahrungen in diversen TV-Serien-Rollen gemacht und als Stuntman gearbeitet. Die Rolle als heranwachsender Martial Art Held nehme ich ihm ab. Gerade in den Fight Szenen kann er schon glänzen.

 

Seine beste Freundin Katy wird von Awkwafina gespielt, die sowohl als Comicrelief, Love Interest und Sidekick agiert. Alles macht sie gut. Anhand des Trailer dachte ich erst, dass sie mir irgendwann auf die Nerven gehen wird. Dem war nicht so. Auch weil ihre Figur eine gute Charakterentwicklung durchlebt.

 

Dann gibt es noch Xialing, Shang-Chis Schwester. Diese wird von Meng'er Zhang gespielt und mausert sich von einem Sidecharakter zu einer prominenteren Position innerhalb des Filmes. In jeden anderen Film wäre diese Figur nur für ein zwei Plotpunkte dagewesen. Hier macht man mit ihr etwas und lässt sie nicht links liegen.

 

Generell baut man eine komplett neue Welt mit eigenen Figuren auf und das alles könnte auch komplett losgelöst vom bisherigen MCU mit den Infinity Steinen, Thanos, den Avengers oder den kommenden Ereignissen passieren.

 

 

 

 

 

Legend of the Fist

 

Ich war ja etwas skeptisch, wie das Martial Arts in dem Film wird. Der erste Trailer zeigt schon gut, was gehen kann. Im Film selber setzt man das gut um. Gerade die ersten Konfrontationen sind gut choreographiert. Man orientiert sich teilweise an den Drahtseil-Stil und dann an klassisches Kung Fu.

 

Es gibt eine Szene, die hätte auch so aus Crouching Tiger, Hidden Dragon sein können. Der Busfight erinnert fast an klassische Jackie Chan Filme und ein Zweikampf Shang-Chis gegen den Handlanger Death Dealer besitzt etwas von modernen Martial Arts-Filmen.

 

Natürlich geht das viel besser und ein John Wick oder The Raid zeigt, dass man viel viel mehr Hand-to-Hand Combat zeigen kann - gerade wenn man mal das CGI weglässt. Auf der anderen Seite sind wir hier beim MCU und da erwarte ich keinen The Raid. Den Film mit 80er Jahre Hongkong Actionfilmen oder modernen harten Martial Arts-Filmen zu vergleichen ist Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings nicht fair gegenüber.

 

Regisseur Destin Daniel Cretton feuert hier schon gut ab. Außerdem macht der Film ab etwa dem letzten Drittel des Filmes nochmal eine Genrewendung und geht in das komplette chinesische Fantasy-Megablockbuster. Von White Snake, Detective Dee, Monster Hunt oder Double World ist hier für jeden was dabei. Es gibt chinesische Fantasy Kreaturen - die ein wirklich schönes Design besitzen - und eine asiatische Berglandschaft mit allem was dazugehört. Diese Welt ist wunderschön.

 

Es wird viel Magie und Fantasy in der zweiten Hälfte des Filmes eingeführt. Das kann die Martial Art Fans rausbringen. Dennoch ist es eine gute Mischung für den Helden und die Marvel-Welt. Auch die verschiedenen Plotstationen sehen schön aus. Der geringste Part spiel in San Francisco und wird schnell durch ein Madripoor ähnliches Setting abgelöst bevor es dann in die asiatische Fantasywelt geht.

 

 

 

 

 

Crouching Story, Hidden Cameos

 

Es gibt auch einige Cameos. Gerade liebhaber des asiatischen Kinos werden ein zwei bekannte Gesichter wiedererkennen und sich freuen. Aber auch Abseits gibt es typische MCU Gastauftritte. Besonders gut hat mir gefallen, dass eine Figur nicht vergessen wurde, die bisher gar nicht mehr im MCU Thema war.

 

Allerdings ist auch nicht alles Glanz und Gloria. Der größte Schwachpunkt ist das Pacing. Man verschwendet viel Zeit mit Rückblenden, die einmal zu Beginn zu einer zusammengeschnitten hätte werden können. Jedoch wird immer wieder im Film eine neue Rückblende und Puzzelstück hinzugefügt, damit klar wird, warum Figuren handeln wie es eben tun.

 

Das bringt einen raus. Außerdem streckt es den Film sinnlos. Er könnte deutlich kürzer sein. Die Länge zerrt auch etwas. Bis zum großen Finale ist schon einiges passiert und das Finale an sich geht fast nochmal eine komplette Stunde. Das Problem haben leider in letzter Zeit viele Blockbuster Filme.

 

Außerdem hätte ich mir gewünscht, das die Ten Rings-Organisation die einzige Bedrohung bleibt und nicht Naruto-mäßig noch eine weitere aus dem Hut gezaubert wird. Wenwu reicht als Antagonist vollkommen. Leider sahen die Drehbuchschreiber das anders.

 

Nach der Pressevorstellung gab es auch viel Kritik gegenüber des vielen Einsatzes von CGI. Ich persönlich erwarte mittlerweile nichts anderes mehr von einem Blockbuster - gerade bei den Marvelfilmen. Allerdings kann ich verstehen, dass man sich mal mehr handgemachte Effekte wünscht.

 

Alles in allem ist Shang-Chi aber ein voller Erfolg, was das Einführen eines neuen recht unbekannten Charakters in die Marvel-Welt angeht. An einen Guardians of the Galaxy kommt er nicht ganz heran, trotzdem möchte ich mehr von Shang-Chi und der Welt sehen.

 

Für eine mögliche Fortsetzung hätte ich gerne mehr Martial Art mit Leuten wie Donnie Yen, Iko Uwais oder von mir aus auch Jet Li oder Jackie Chan. Alter ist schließlich auch nur eine Zahl.

 

 

 

 

 

Fazit

 

Marvels neuster Held Shang-Chi legt einen guten Start hin. Die Figuren sind sympathisch und tragen den Film.

 

Tony Leung macht als Wenwu eine gute Rolle und das Martial Arts ist auf gutem Niveau.

 

Der Wandel vom klassischen Martial Arts-Film zum Wuxia-Fantasy-Epos innerhalb des Filmes funktioniert gut und fügt eine wunderschöne und interessante Welt zum MCU hinzu.

 

Die Story wird leider immer wieder durch unnötige Rückblenden unterbrochen und zieht den Film in die Länge. Das zieht das Pacing sehr in Mitleidenschaft.

 

Trotzdem möchte ich mehr von der Figur und seiner Welt sehen. Für Marvel-Freunde und Fans des asiatischen Kinos aber ganz klar zu empfehlen. Besonders auf der großen Leinwand wirkt das alles nochmal bombastischer.