Jordan Peele hat sich für sein aktuelles Projekt an eine Horrorfigur gewagt, die vielen nur vom Namen her ein Begriff ist. Der Candyman funktioniert ähnlich, wie das Mysterium um Bloody Mary und bot aber viel mehr gesellschaftliche Ansätze.

Der Film soll als direkte Fortsetzung zu dem 1992er Original dienen und ignoriert somit alle weiteren Teile. CANDYMAN (2021) spricht aktuelle gesellschaftliche Themen an und spinnt darum eine Geschichte um einen aufstrebenden Künstler.

 

 

 

 

 

 

Rasierklingen in den Süßigkeiten

 

Der Künstler Anthony McCoy sucht Inspiration für seine nächsten Bilder. Da er mit seiner Freundin in einem Loft in Caprini Green lebt, dauert es nicht lange bis er von der Legende des Candyman erfährt.

 

Vollkommen fasziniert möchte er mehr darüber wissen und stellt Nachforschungen an. Seine neuen Bilder, die vom Candyman handeln sollen lösen jedoch eine Kette von schrecklichen Ereignissen aus. Der Fluch des Candyman ist erneut über Caprini Green eingekehrt.

 

Wer die Filme oder Produktionen von Jordan Peele kennt, weiß, das sehr oft gesellschaftskritische Themen angesprochen werden. Für CANDYMAN (2021) schrieb er das Drehbuch und befasst sich mit Gentrifizierung und Rassismus gegen Afroamerikaner.

 

Ersteres dreht sich ganz klar um das ursprüngliche Ghetto Caprini Green, das nun mit vielen modernen Hochhäusern und Geschäften aufgewertet wurde. Das schmeckt natürlich nicht jedem Anwohner und wird auch offensiv kritisch von einigen Figuren angesprochen. Überraschenderweise auch von weißen Figuren.

 

Der Fluch von Candyman wird dann für das Thema Rassismus benutzt. Wer jetzt schon müde abwinkt, der sollte sich diesen Film nicht anschauen, denn die Message ist eine wichtige, wenn auch manchmal etwas plump rüber gebracht. Im Film wird immer wieder gesagt Sag seinen Namen. Auch im Trailer wird der Song Say my Name von Destinys Child gespielt. Nach der PV hat Daniel Schröckert etwas wichtiges dazu gesagt, was mir danach erst bewusst wurde. Das ist ein klarer Verweis auf die Black Lives Matter-Thematik. Dieses Thema wird im gesamten Film ergründet. Teilweise gut, teilweise etwas mit dem Holzhammer draufgehauen.

 

Gerade in der ersten Hälfte werden diese beiden Themen sehr gut angesprochen. Caprini Green hat sich komplett verändert. Hippster und Mittelständer sind in das einstige Ghetto gezogen, da die Mieten im Vergleich billig sind. In einer Rückblende ermorden rassistische Polizisten einen afroamerikanischen Mann, der als Candyman dargestellt wird. Das ist gut präsentiert.

 

Dann gibt es aber auch Momente, wo andere Polizisten sehr klicheehaft rassistisch gezeigt werden. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Feingefühl, wie in der ersten Hälfte gewünscht.

 

 

 

 

 

Sag seinen Namen

 

Die Art, wie man Candyman beschwört finde ich allerdings interessant. Dies lehnt sich an den Mythos der Bloody Mary. Somit wird die Prozedur immer als Mutprobe benutzt. Das Ergebnis ist dann auch ordentlich blutig. Es gibt fiese Kills und teilweise sehr eklige Bodyhorrorelemente.

 

Anthony wird zu Beginn von einer Biene gestochen und eine Infektion breitet sich an der Stelle aus. Das sieht richtig schön eklig aus und hat auch so widerliche Momente die Fingernägel beinhalten. Ebenfalls gibt es eine tollen Kill mit einer herauszoomenden Kamera. Auch visuell gibt es schöne Shots. Gerade die erste Tötungsszene in einer Kunstgallerie arbeitet viel mit Perspektiven.

 

Generell mochte ich das Aussehen und das Gefühl des Filmes. Die Einblicke in die Kunstwelt werden wesentlich besser dargestellt als im Netflixfilm Velvet Buzzsaw. Auch viele visuelle Einfälle sind sehr schön. Der Film beginnt mit einer Kopfüber Kamerafahrt durch nebelige Hochhäuser von Caprini Green. Das Original von 1992 hatte etwas ähnliches nur das es sich um die Vogelperspektive des Viertels handelte.

 

Ebenfalls mochte ich die Erzählweise der Rückblenden. Die wird nämlich wie in einem Kinderbuch mit Papierpuppen und Schatten erzählt. Das hat etwas schauriges. Diese Rückblenden werden auch genutzt, um die Legende von Candyman zu erweitern.

 

Denn in dieser Version gibt es mehrere Inkarnationen der Figur. Im Original kommt bereits eine weitere Inkarnation vor, die auch in diesem Film thematisiert wird. Candyman wird jetzt aber als eine Art Fluch dargestellt, der immer auf eine andere Person übergeht. Daran könnten sich Fans der Clive Barker Geschichte und des Originals etwas stören. Mich persönlich hat das angesprochen, da die Inkarnationen zu der Rassismus Thematik passen.

 

 

 

 

 

Not the Bees!

 

Einige Sachen muss dann aber so hinnehmen, wie sie sind. Warum z.B. Anthony niemals wegen dem Bienenstich und der ausbreitenden Infektion zum Arzt geht oder ihn niemand darauf anspricht? Wieso Figuren urplötzlich vollkommen wahnsinnig werden, obwohl sie zu Beginn viel ruhiger präsentiert wurden? Oder auch, wie genau nun der Fluch funktioniert? Denn eine entgültige sinnige Erklärung gibt es dann nicht.

 

Generell zieht der Film sein Tempo in der zweiten Hälfte sehr an. Die viele Exposition und etwas ruhigere Erzähltempo in der ersten Hälfte gefiel mir da etwas besser. Natürlich ergibt das im Kontext der Geschichte Sinn, da ja die Ereignisse intensiver werden. Trotzdem passiert mir einiges dann zu schnell.

 

Der Fokus liegt in der zweiten Hälfte auch auf einer weiteren Figur, was gut funktioniert. Gerade weil diese Figur so smart und nachvollziehbar auf Sachen reagiert. Es gibt eine markante Szene in der diese Figur mit einem bekannten Horrorklicheé bricht und das tat wirklich gut. So etwas wünsche ich mir mehr für den modernen Horror.

 

Natürlich gibt es auch ein zwei bekannte Cameos. Somit kommen die Fans des Originals auf ihre Kosten. Ansonsten haben die Regisseurin Nia DaCosta und Drehbuchschreiber Jordan Peele einen guten Job gemacht, die Geschichte des Candyman fortzusetzen und sie für ein modernes Publikum anzupassen.

 

Nia DaCosta zeigte schon mit ihren 2020er Kurzfilm zum kommenden Candyman, wohin es gehen wird und fasst die Stimmung sehr gut ein. Definitiv eine Regisseurin, die man auch weiterhin auf dem Schirm haben sollte. Gerade wenn sie weitere Zusammenarbeiten mit Jordan Peele umsetzt.

 

 

 

 

 

Fazit

 

CANDYMAN (2021) schafft es sehr gut den Spirit des Originals weiterzutragen, aber auch moderne Themen mit einfließen zu lassen. Die Gentrifizierung des Caprini Green Ghettos wird gut thematisiert, die Rassismus Thematik mal besser und dann auch mal schlechter.

 

Die Legende um Candyman wird erweitert und fügt sich gut in das Rassismus Thema ein. Die erste Hälfte des Filmes ist sehr stark, während die zweite das Tempo anzieht und dann auch zu ein paar Ungereimtheiten führt.

 

Die visuellen Einfälle im Film, seien es Umgebungsshots oder das Spiel mit Perspektiven sind sehr gut gemacht. Auch die Rückblenden mit den Papierpuppen und Schatten sind wirklich toll.

 

Ein paar Sachen müssen hingenommen werden und ganz rund ist eben die zweite Hälfte nicht.

 

Ansonsten aber eine sehr gute Weiterführung und ein guter Ansatzpunkt für die Gewinnung neuer Fans. Ein Kinogang wert.