Nach ihren ersten beiden Comic-Werken Pirouetten und West, West Texas beschert uns die aus Austin, Texas stammende US-Amerikanerin Tillie Walden nun einen Weltraumausflug der etwas anderen Art.

 

 

„JE ÄLTER MAN WIRD, DESTO MEHR VERGISST MAN ANSCHEINEND, DASS MAN DINGE ÄNDERN KANN.“

 

Gleich vorweg: wer nach reinrassiger oder extrem technologischer Sci-Fi-Kost sucht, der wird sich an Auf einem Sonnenstrahl sicher die Finger verbrennen. Im Kern ist dieser Titel nämlich etwas völlig anderes. Wie schon in ihren vorangegangenen Comics ist auch Auf einem Sonnenstrahl ein LGBTQ/Coming of Age-Drama, in dessen Mittelpunkt die junge Mia steht. Sie ist Teil einer Aufbau-Crew, die im All herumreist und veraltete Weltraumarchitektur restauriert oder umgestaltet. Gleichzeitig quält sie aber auch der Gedanke an ihre Vergangenheit an der Uni und ein besonderes Mädchen.

 

Nach ihren ersten Erfahrungen mit fiktionalen Handlungen in West, West Texas begeht die US-Autorin ein neues Wagnis und verlagert ihre neueste Geschichte nicht nur auf zwei Zeitlinien, sondern auch auf gleich mehrere Figuren. Im Mittelpunkt steht zwar nach wie vor Mia, dennoch lässt es sich Walden nicht nehmen, auch andere Charaktere zu betrachten.

 

Genügend Hintergründe haben dabei alle ihre Figuren, nur im punkto Optik gibt es einige Probleme. So sehen sich manche Gesichter viel zu ähnlich, was das Zuordnen einzelner Figuren unnötig erschwert.

 

 

„WIR HABEN KEINEN SCHEIß GEBAUT. WIR WUSSTEN, WAS WIR DA TUN.“

 

Generell ist der Look von Auf einem Sonnenstrahl entschlackter als noch bei der Vorgängerarbeit West, West Texas. Direkte optische Highlight sind etwas rar gesät. Auch da machte West, West Texas einen klar besseren Platz. In der Kolorierung erstrahlen die einzelnen Kapitel in unterschiedlichen Grundtönen, die die jeweilige Stimmung aufbauen bzw. unterstützen. Hier arbeitet die Comic-Künstlerin deutlich anders, aber gleich gut.

 

Die wahre Stärke von Walden ist aber nach wie vor das Emotionale. Die Gefühle der beiden Hauptfiguren füreinander sind dabei aber weder plump dargestellt, noch zu sehr zentral präsent. Walden setzt auf deutlich weniger Schmalz als gedacht. Vielmehr steht der Aufbau dieser Beziehung im Fokus und das funktioniert echt gut.

 

 

„WIR WÜRDEN DAS NICHT TUN, WENN WIR DICH NICHT GENAUSO LIEBEN WÜRDEN.“

 

Kommen wir also mal zum Fazit. Auf einem Sonnenstrahl ist nicht Waldens beste Arbeit. Gewiss gelingt es ihr eine emotionale und streckenweise sehr faszinierende Reise mit ihren Figuren hinzulegen. Dass sie sich dafür auch gerne mal Zeit lässt, macht der große Seitenumfang deutlich. Leider entpuppt sich dies auch als einer von vielen kleinen Stolpersteinen.

 

Wer den bisherigen Werdegang von Tillie Walden verfolgt hat, der sollte aber hier keine Auszeit nehmen, sondern viel mehr die Vielfältigkeit der US-Amerikanerin bestaunen. Dass sie eine großartige Comic-Künstlerin ist, hat sie nämlich schon lange bewiesen.

 

 

 

Erschienen bei Reprodukt, 29,00€