Habt ihr schon mal Mary Shelleys Roman Frankenstein im Original gelesen? Ich schon. Ich weiß noch, wie gefesselt ich war von den ersten Kapiteln. Als wir durch die kalten Ebenen der Arktis reisten und diese unmenschliche Kreatur verfolgten. Gerne erinnere ich mich an diese Zeit zurück. Diese Form der Literatur hat mir sehr imponiert und meinen Anspruch bestimmt.

 

 

Nun. Jetzt aber sind diese Tage fremd für mich. Schon lange habe ich kein richtiges Buch mehr in der Hand gehabt (ich nehme die zighundert Comic-Bücher mal aus der Gleichung). Diese Zeiten sind vorbei. Und doch irgendwie auch nicht. Meine sprichwörtliche Erleuchtung kam in Form von Mangas. In Form eines bestimmten Mangas.

 

Gantz.

 

„COME ON!! DO IT!! NOW!!“

 

Das ist meine letzte Review zu dieser Reihe und das nicht etwa, weil ich keine Lust mehr habe, sondern weil ich die verbleibenden Bände nur noch genießen möchte. Als Erstleser von Hiroya Okus exorbitanter Schlachtenplatte, habe ich enorm Spaß an der Handlung und den Figuren gefunden.

 

Die Gantz-Saga hat sich still und heimlich zu einer meiner liebsten Serien entwickelt und das obwohl einige Elemente des Mangas nicht nur für Jubel bei mir sorgten. Hiroya Okus Vorliebe für überdimensionale und überzogene Darstellung von weiblichen „Rundungen" ließ mir viele Male die Schamesröte ins Gesicht steigen.

 

 

„DAS BIN JA ICH?!“

 

Damit verbundenen war auch die generelle Darstellung von Sex und ähnlichen Handlungen. Ich hatte ja bereits ausführlich über die Inszenierung eines Blowjobs berichtet (was für ein Satz) und die damit einhergehende Absurdität erwähnt. Es ist wirklich schwierig, hier einen geeigneten Mittelweg zu finden. Liegt doch die Grenze zwischen Verurteilung und Lob so nah beieinander.

 

In den Zeiten der Me too-Debatte und der zweifelsohne wichtigen und längst überfälligen Gleichstellung von Frau und Mann erscheint Okus Frauenbild veraltet und im Grunde ist es das auch. Komplett verfluchen muss man deshalb Gantz aber nicht. Schließlich bemüht sich Oku auch um eine starke Darstellung seiner weiblichen Protagonisten. Eine Entwicklung, die auch bei seinem jüngsten Werk Giant erkennbar ist.

 

 

„BRING DEN OPA ZURÜCK!“

 

Ohne diese ganze Problematik wegzusprechen, muss man auch über die Dramaturgie der gesamten Handlung sprechen und die funktioniert außerordentlich gut. Angefangen bei einer unfreiwilligen Rettungsaktion, bis hin zu einer nun stattfindenden Alieninvasion. Gantz ist pure Unterhaltung, deren Ideenreichtum unbegrenzt scheint und sich jeden noch so abwegigen Irrsinn erlaubt.

 

Wer sich also auf genauso etwas einlassen kann, der findet hier sicher seine hellste Freude. Genau diesen Spaß hatte ich. Deshalb war Gantz mein persönliches, zweites Frankenstein und ich möchte nichts davon missen wollen. Lest Gantz!

 

 

 

 

Erschienen bei Manga Cult, 25,00 €