Christopher Nolans neuster Streich hat eine schwere Aufgabe. Er muss seinem großen Hype gerecht werden und das womöglich aussterbende Kino als erste richtiger Blockbuster nach Wiedereröffnung der Lichtspielhäuser retten.

 

Keine leichte Aufgabe, da der Start mehrere Male verschoben wurde und die große Masse momentan nicht so wirklich Lust auf Kino hat. Verständlich ist der Gedanke schon, doch einen richtigen Blockbuster sollte auf großer Leinwand mit der richtigen Soundanlage gesehen und gehört werden. Tenet ist so ein Film. Trotzdem übertreibt es Nolan diesmal zu sehr.

 

 

 

 

 

Der Plot kann auf zwei verschiedene Arten erklärt werden. Einmal recht einfach: Unser Protagonist muss den dritten Weltkrieg verhindern.

Oder ausführlicher: Unser Protagonist (und so wird er auch in den Credits geführt) muss einen Mann aufhalten, der die Technik der Inversion gefunden hat und damit das Ende der Welt heraufbeschwören will.

 

Eine Spezialeinheit, die dem Protagonisten hilft, setzt nun alles daran über die Frau des Mannes an ihn und die Technik der Inversion heranzukommen, ohne dabei genau untereinander zu kommunizieren, was die genauen Ziele oder Wege sind, weil sonst der Obermuffti mittels Inversion weiß, was vor sich geht.

 

 

Tenet hat mehrere Probleme. Ein großes ist der Hype, den der Film wieder zuvor von allen Seiten bekam. Hinzu kommt die undankbare Aufgabe, die Leute wieder ins Kino zu ziehen. Nichts von beidem tut dem Film gut.

 

Unter der großen Erwartung zerbricht er doch sehr schnell. Wobei ich auch glaube, dass Nolan niemals diese Heilsbringererhebung haben wollte. Tenet ist ein Gimmickfilm und um dieses soll er sich zumindest anfänglich drehen.

Nicht mehr und nicht weniger.

 

Leider verkompliziert unser Christopher alles unnötig. Ich war irgendwann an einem Punkt, wo ich nur noch genervt war, weil jede Erklärung immer komplexer wurde. Es gibt eine Szene, da will Neil (Robert Pattinson) einem Zivilisten die Inversion erklären. In dem Augenblick, wo die Erklärung beginnt, schneidet Nolan weg.

 

Ab diesem Punkt war ich mir sicher, Nolan verarscht sein Publikum. Wer es bis hierhin nicht verstanden hatte, der soll es auch nicht mehr verstehen – aber, guck mal hier eine rückwärts ablaufende Szene, hui!

 

 

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Dabei ist dieses Gimmick der Inversion echt interessant und es gibt tolle Szenen, die es auch gut nutzen. Nur besteht da der feine Unterschied zwischen einem Bombast-Blockbuster á la Mission Impossible, wo es nur um die Stunts geht und eben einem Nolan-Streifen, der das dahinter wissenschaftlich ergründen will und die Actionszenen eher so Beiwerk sein sollen.

Das ist schade, denn dadurch verliert der Film sehr an Schauwert.

 

Ebenfalls sind die Figuren zu wenig ausgearbeitet. Es kommen innerhalb des Filmes natürlich immer mehr dazu, aber es ist schwer den Überblick zu behalten, wer jetzt zu wem gehört und wer wen betrügt oder benutzt.

 

Klar, ist das Rätselraten bei einem Thriller immer schön und bringt Spannung mit. Wenn aber zum Ende des Filmes immer noch nicht so ganz klar ist, warum Person A nun das tut, um Person B zu schaden, dann lief irgendwas schief.

 

Schief lief außerdem die eigentliche Erklärung, bzw. die Prämisse des Filmes. Es gibt also diese Inversion, die in den falschen Händen zu einer Apokalypse werden kann. Der Böse, der sie besitzt, muss aufgehalten werden.

Das ist klar.

 

Bis dahin schafft es der Film aber nicht die genaue Motivation dahinter zu erklären oder wie genau der Böse in Besitz dieser Technik kam. Es gibt zwar eine kurze Rückblende, aber so recht habe ich das persönlich nicht verstanden.

 

Wenn dann die Motivation erklärt wird, kommt die Frage auf, warum das nun so kompliziert gemacht werden muss und die Erkenntnis, dass das schon ganz schön schwach ist für dieses komplexe Thema.

 

Natürlich stellte ich mir im Kinosaal auch die Frage, ob ich einfach zu dumm für den Film bin. Ich will das auch nicht verneinen, denn die meisten Erklärungen im Film sind wirklich mit vielen wissenschaftlichen Erläuterungen verbunden.

 

Unser Protagonist gibt mehrmals im Film zu, dass er es bitte für Normalos erklärt haben will, was nur so halb gemacht wird. Am Ende reimte ich mir das meiste alleine zusammen mit Wissen aus anderen Filmen.

 

Letzten Endes läuft die Zeit rückwärts und somit kann in der Zeit zurückgereist werden. Hat man das begriffen, ist vieles klarer und einige Überraschungen sind vorhersehbar.

 

Umso ärgerlicher ist eben, dass Nolan es so schwierig gestaltet, die Thematik zu verstehen, wenn sie schlussendlich so einfach ist. Denn mit diesem einfachen Wissen lässt sich der Film auch mehr genießen und man sitzt nicht verdutzt im Sessel und versucht anhand der Erklärungen zu begreifen, was hier los ist.

 

 

 

 

Aber es darf nicht nur gemeckert werden. Tenet hat einen fabelhaften Score. Die Elektrosounds pumpen ins Gehirn und passen hervorragend zu dem Sci-Fi-Thriller.

 

Ebenfalls gefiel mir John David Washington als der Protagonist. Der einzige Makel ist seine geerdete Reaktion gegenüber den anfänglichen Inversionen. Das werfe ich aber mal der Regie vor. Ansonsten leistet er wirklich gute Arbeit.

Er ist kein Überagent, dem alles gelingt und tut auch oft moralisch fragwürdige Dinge.

 

Weiterhin ist Robert Pattinson ein absoluter Gewinn für den Film. Er steht unserem Protagonisten zur Seite, obwohl wir nicht ganz wissen, für wen er eigentlich handelt.

 

Einen besonders starken Auftritt liefert auch Elizabeth Debicki als Ehefrau des Bösewichtes ab. Ihr Handlungsstrang ist besonders stark.

 

Kenneth Branagh als russischer Bösewicht Sator macht per se auch keinen schlechten Job, nur ist seine Motivation wirklich enttäuschend. Aber auch hier ist eher dem Drehbuch, der Regie der schwarze Peter zuzuschieben.

 

Insgesamt sind die Leistungen aller Darsteller extrem gut. Das ist etwas, dass in den Nolan-Filmen noch nie enttäuscht hat. Alles auf einem sehr hohem Niveau.

 

 

 

 

Ich möchte nochmal kurz auf die Action zu sprechen kommen. Es gibt eine Szene, die im Vorfeld besonders gehypt wurde, da es ordentlich Materialschäden gibt. Am Ende fiel diese Szene für mich persönlich sehr enttäuschend aus, da sie dann doch zu real ist.

 

Soll heißen, kaum Explosionen oder Kollatoralschäden.

Natürlich wirkt es so realer, aber ich bin auch im Kino, um es mal krachen zu sehen, gerade bei einem Blockbusterfilm.

 

Eine andere Szene wiederum war besser als gedacht und ist am Besten mit der Verfolgungsjagd aus Matrix: Reloaded zu vergleichen. Sowas hätte ich gerne mehr gehabt.

 

 

Fazit

Tenet bekommt der Hype und die Kinoretter-Position gar nicht gut. Ebenfalls ist er viel zu kompliziert erzählt, wenn die Grundgeschichte dann doch so einfach ist.

 

Die vielen Figuren und ihre Zugehörigkeit werden zu wenig behandelt und das coole Gimmick der Inversion zu wenig genutzt, da die wissenschaftliche Erklärung dahinter dem Regisseur offenbar wichtiger war.

 

So ist Tenet ein okayer Film, der zwar Aufgrund der Inszenierung, der Darsteller und der Musik im Kino gesehen werden sollte, ich aber jeden verstehen kann der sagt "Nö, lieber wenn der Home Release hat".