Nikola Tesla war ein Jahrhundert-Genie – und er hat die Erde gegen Aliens verteidigt. Wie das? Fragen wir doch den Doctor! Seinen größten Fan.

  

 

Das Fangirl in jedem von uns 

 

Nikola Tesla hat ein Problem. Er ist ein absolutes Genie, seiner Zeit um Jahrzehnte voraus. Er erdenkt und erfindet Geräte, die über die Vorstellungskraft vieler Menschen im Jahr 1903 hinaus gehen. Aber er schafft es nicht, ordentliche Produkte daraus zu machen – er braucht Investoren. Aber selbst in Amerika hat er es schwer, das nötige Geld einzusammeln. Ganz im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Thomas Edison, mit dem er derzeit einen öffentlichen Konflikt um das Stromformat der Zukunft austrägt.

 

Und dann platzen zu allem Überfluss auch noch Aliens in seinen Alltag und wollen ihn entführen. Zum Glück hat er im Doctor nicht nur eine äußerst begabte Helferin, sondern auch einen Riesenfan!

Gemeinsam kämpfen sie gegen die Skorpionartigen Skithra und ihre gefährliche Königin. 

 

 

Als Erfinder noch Erfinder waren

 

Nikola Tesla's Night of Terror ist wieder eine der Episoden, die historische Persönlichkeiten und Gegebenheiten nicht nur als Dekoration benutzen, sondern ihnen auf besondere Weise Tribut zollen. Unvergessen bleibt Vincent and the Doctor, in der Van Gogh einen Blick in die Zukunft wagen und sehen darf, dass er doch Anerkennung findet.

Ganz so emotional geht es hier nicht zu, allerdings ist Nikola Tesla erst in den vergangenen Jahren ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, wo seine bahnbrechenden Ideen endlich einem breiteren Publikum bekannt wurden. 

 

Andernfalls wäre er wahrscheinlich auch schon früher als Doctor Who-Gaststar aufgetreten

 

Umgekehrt hat die Wahrnehmung Thomas Edisons ebenfalls eine Wandlung erfahren. Ziemlich skrupellos, aber dennoch sehr talentiert was das Marketing in eigener Sache anging, galt er lange als genialer Erfinder und – im wahrsten Sinne – Lichtbringer des Industriezeitalters; mittlerweile wird dieses Image nicht mehr gepflegt und auch hier muss er eher als einer der Bösewichte herhalten, auch wenn er beim Kampf gegen die Aliens mithilft.

 

Aus dieser Mischung aus persönlichen Konflikten, historischer Realität (etwa der Wardenclyffe Tower) und Außerirdischen-Bedrohung macht diese Doctor Who-Episode ein unterhaltsames Stück Fernsehen. Ähnlich wie in den vergangenen Folgen stehen Action und Schnelligkeit im Vordergrund. Aus der TARDIS Fam darf diesmal der Doctor hervorstechen, die in Tesla einen Bruder im Geiste erkennt und gleichzeitig ihren (unwissenden) Gefährten von seinen Qualitäten vorschwärmt.

 

Auch die Aliens können überzeugen. Sie sind zwar nicht allzu schwer zu besiegen, sind aber sehr schön in Szene gesetzt. Gerade die visuellen Effekte bei der Verfolgungsjagd durchs historische New York sehen richtig gut aus. 

 

Kritisch ist jedoch anzumerken, dass die Actionszenen ohne CGI-Monster dann manchesmal doch etwas lahm inszeniert sind. Vielleicht fehlte dafür die Zeit, aber im Jahr 2020 sollte mehr drin sein als nur schnellgeschnittene Nahaufnahmen.

 

 

Action in Serie

 

Unterm Strich bleibt es eine unterhaltsame Episode, bei der die Gastrollen deutlich besser integriert sind als in der vorangegangenen Folge. Goran Višnjić (bekannt aus Emergency Room) gibt eine tolle Darstellung des einsamen Genies, das trotz gewaltiger Begabung erst posthum Ruhm fand.

So gut, dass man ihn sogar gerne noch einmal auftreten lassen könnte (vielleicht tut er das ja auch).

 

Auffällig bleibt, wie sehr sich der Fokus der Serie im Vergleich zur 11. Staffel verschoben hat. Bislang hat noch keiner der Companions besonders im Mittelpunkt gestanden. Allerdings ist das auch nichts, was man sich unbedingt wünschen würde. Vielleicht geschieht dies auch noch später, aber dann hoffentlich umso eindrücklicher.

 

In kommenden Folge werden wir wieder alten Bekannten begegnen. Nach langer Zeit kehren die Rhinozeros-artigen Aliens namens Judoon zurück. Man kann davon ausgehen, dass es dann auch wieder actionlastig zugeht. 

 

 

 

Fotos: © 2020 BBC