Bevor ab dem 16. Januar mit Bad Boys For Life und 1917 die Blockbusterfahrt für dieses Jahr beginnt, kann man sich ruhig mal noch einen kleineren Film geben, der aber ein riesiges Ensemble an namenhaften Schauspielern aufweist.

 

Regie führt hier Rian Johnson, den viele ja eigentlich abgrundtief hassen. Ich gucke hier in Richtung der Star-Wars-Fans. Doch abschreiben sollte man den Mann nicht, wie dieser Film hier beweist. Aus einer kleinen Krimi-Komödie entspinnt sich hier ein sehr unterhaltsamer Abend.

 

 

 

 

Als der Autor Harlan Thrombey am frühen Morgen von seiner Haushälterin tot aufgefunden wird, ist die gesamte Familie natürlich in Aufruhr. Alles sieht nach einem Selbstmord aus, doch Detektiv Benoit Blanc will das nicht so recht glauben. Schon allein deswegen nicht, da er nicht einmal weiß, wer ihn auf diesen Fall angesetzt hat. So idyllisch, wie die Familie Blanc glauben lassen will, ist es dann auch nicht bei den Thrombeys. So geht es bald nicht mehr um den Tod des alten Autors selbst, sondern vielmehr um Erbe und den hässlichen Kampf darum.

 

 

 

 

 

"Rain Johnson hat Star Wars kaputt gemacht!" Ja ja, jetzt entspannt euch mal wieder und verlasst den Kindergarten. Der Mann kann durchaus Regie führen und das hat man auch bei Episode VIII gesehen, mal abgesehen davon, wer mit dem Ergebnis der Story usw. zufrieden war oder nicht. Hier bei Knives Out muss er sich nicht an irgendwelche Franchise-Vorgaben oder Charaktere aus früheren Filmen halten. Er hat freie Hand bei der Inszenierung und das nutzt er auch.

 

 

 

 

 

So ist dieser Ensemble-Film ein absolut sehenswerter Cluedo-Abend. Dabei sind eben die Charaktere der Kleber, der alles zusammenhält. Jeder ist interessant genug, um mehr über ihn und seine Rolle in dem Spiel erfahren zu wollen.

 

Dabei hat man hier zwei Darsteller, die zeigen, wie wandlungsfähig sie doch sind. Wer jetzt erwartet, hier einen langen amerikanischer Tatort mit ein bissl Witz vorzufinden, der hat sich aber mit dem Messer geschnitten (Ha!). So wird im Film selber der Mord recht schnell aufgeklärt und dann geht's um den Kampf des Erbes.

 

Trotzdem bleibt es ein Krimi, da eben noch nicht alle Fragen aufgeklärt wurden und ein ordentlicher Twist auflauert. Man wird also bei der Stange gehalten. Zwischendurch bekommt man als Zuschauer noch die einzelnen Familienmitglieder und ihre Beziehungen zueinander nahegelegt. Das ist teilweise unglaublich komisch.

 

 

 

 

 

Wie bereits erwähnt sind die Darsteller der absolute Pluspunkt und schon allein Grund, sich diesen Film anzusehen. Neben einer brillianten Jamie Lee Curtis, Toni Collette, Michael Shannon und Don Johnson möchte ich hier besonders Chris Evans und Daniel Craig hervorheben.

 

Chris Evans darf endlich mal wieder das Arschloch mimen. Seit ich ihn damals bei Scott Pilgrim vs. the World als einen der Ex-Freunde erlebt habe, wollte ich so etwas nochmal bei ihm sehen. Gerade nach dem Saubermann Captain America ist diese Rolle wieder schön erfrischend. Der Typ kann es halt auch einfach.

 

Weiterhin zeigt mir dieser Film, warum Daniel Craig mein liebster Bond-Darsteller ist, obwohl er nicht die besten Filme der Franchise-Reihe hat. So schön britisch und abgefahren. Detektiv Benoit Blanc sieht sich als eine Art Künstler und erfüllt auch fast jedes Klischee. So hört er natürlich epische Arien, die er mitsingen kann, zitiert Literatur und gibt sich als den Schlauen, dem man nix vormachen kann.

Natürlich fällt er damit auch ein wenig auf die Nase. Das macht die Komik des Charakters aus. Craig spielt das so brilliant und mit viel Herzblut. Man bemerkt, dass er wohl richtig Spass an der Rolle hatte.

 

Die Hauptdarstellerin Ana de Armas kennt man vor allem als computer-projizierte Freundin von Ryan Gosling aus Blade Runner 2049. Sie ist nicht nur schön anzusehen, sondern spielt hier auch überzeugend. Armas ist Marta, die Pflegerin und beste Freundin des verstorbenen Autors. Sie soll Detektiv Blanc helfen, den Fall aufzuklären, da sie die Familie kennt und man ihr durch eine Reaktion ihres Körpers trauen kann. Marta kann nämlich nicht lügen, sonst muss sie sich übergeben. Ein netter Einfall, der gut eingebaut und nicht überstrapaziert wird.

 

Marta ist sichtlich überfordert, da sie sowohl über den Verlust ihres alten Freundes trauert, als auch nicht so recht weiß, wie die Familie zu ihr steht. Tatsächlich ist sie ein sehr nachvollziehbarer Charakter.

 

 

 

 

 

Die Story steht nicht hinten an, sondern ist ebenfalls etwas, was man nicht mehr ganz so oft im Kino zu sehen bekommt. Die Cleverness, wie sie den Fall und den Streit um das Erbe behandelt, wirkt sehr frisch. Natürlich trägt zum Schauwert auch das alte Herrenhaus viel bei. Dabei bekommt man gar nicht so viel zu Gesicht, sondern nur ein paar Räume und das Haus von außen. Das reicht aber, um genug Spannung und Neugier zu wecken.

 

 

 

 

 

Mit Knives Out hat man eine kleine Unterhaltungsperle für den Anfang des Kinojahres 2020 geschaffen. Die Charaktere sind allesamt sehr sehenswert und machen den ganzen Film lang Spaß. Die Story wirkt mit ihrer ganz anderen Herangehensweise frisch und sorgt für Spannung. Den Darstellern merkt man die Freude an ihren Rollen an und das überträgt sich auch auf den Zuschauer. Rian Johnson zeigt hier, dass er definitiv ein ernstzunehmender Regisseur ist.

 

Gönnt euch den Film auf jeden Fall vor dem großen Blockbusterwahn.