Der Doctor kehrt am Neujahrstag zurück! Und gerät sofort in einen Spionage-Fall kosmischen Ausmaßes – inklusive einer überraschenden Wendung!

 

 

"Worst Uber ever!"

 

Die TARDIS Fam, bestehend aus Yaz, Graham und Ryan, hat ihr Dasein als Begleiter des Doctors voll angenommen und die drei arrangieren ihr Leben um mögliche Abenteuer mit der Time Lady herum. Sie müssen auch gar nicht lange warten, bis das nächste sie erwartet – oder besser gesagt: durch schwarzgekleidete Männern in dunklen Limousinen sie entführt.

 

Der britische MI6 braucht die Hilfe des Doctors. Überall auf der Welt werden Agenten verschiedener Länder durch Aliens angegriffen, danach liegen sie in einer Art Koma und ihre DNS wird komplett umgeschrieben, so dass sie nicht mehr menschlich sind. Keiner weiß, warum oder wer genau dahinter steckt. Eine Spur führt zum Chef der größten Suchmaschine der Erde (hier "VOR" genannt) und zu einem untergetauchten Agenten namens "O", der Beweise gesammelt hat.

 

Als der Chef des MI6 (gespielt von Stephen Fry) vor den Augen der TARDIS Fam ermordet wird, beginnt eine Hetzjagd von San Francisco bis nach Australien, bei der der Doctor ganz Agent sein darf und am End doch eine große Überraschung erlebt!

 

 

"Doctor, can we rely upon you?"

 

Die Neujahrsfolge wird wohl für die absehbare Zukunft die bislang traditionellen Weihnachtsfolgen von Doctor Who ablösen. Bereits im vergangenen Jahr setzte man dabei auf große Action und auch diesmal gehen die Macher in die vollen. 

 

Der Doctor darf – wie es der Episodentitel schon suggeriert – ein wenig James Bond spielen, unterstrichen wird das ganze von Hommagen und Parodien auf bekannte 007-Elemente, inklusive der Musik, die sehr an die gegenwärtigen Daniel-Craig-Filme erinnert. 

 

Oben drauf gibt es aber auch (für Doctor Who-Verhältnisse) ein großes Maß an Agenten-Action. Mehrere Verfolgungsjagden per Auto, Motorrad und dazu noch (Laser-)Schießereien zeigen, dass man für den Einstieg in die 12. Staffel ordentlich ranklotzen wollte. Aber das gilt nicht nur bei den Anleihen an das Spionage-Thriller-Genre, sondern auch für die bedrohlichen Aliens, deren Motive und Herkunft noch völlig im Dunkeln liegen. Mussten die Fans ein ganzes Jahr auf neue Folgen warten, so werden sie hier mit einem starken Einstieg entschädigt.  

 

Die Staffel knüpft direkt da an, wo man aufgehört hat. Die Produktion wird immer hochwertiger, was Settings, Effekte und überhaupt die scheinbare Größe der Handlungsorte angeht. Gleichzeitig bleibt man aber dem Stil treu, nicht zu sehr ins witzig-fantastische zu gehen. Die Belagerung des Hauses in Australien ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Hier stimmen Atmosphäre und Spannung, so dass man am Bildschirm kleben bleibt. Für die eine oder anderen ironische Bemerkung ist dennoch Zeit, aber insgesamt bleibt es beim ernsteren Ton, den die Serie unter Chris Chibnall gewonnen hat. 

 

Die moderne zwielichtige Figur ist heute nicht mehr der Wall Street Magnat oder der reiche Adlige, sondern die Chefs von Technologie-Konzernen. Glücklicherweise verzichtet man aber darauf die nächste Mark Zuckerberg/Steve Jobs/Bill Gates-Imitation zu bringen. Der eigentliche als Comdian bekannte Lenny Henry gibt als Daniel Barton eine ruhige und zugleich ominöse Darstellung des VOR-Chefs.

 

Sacha Dhawan (den Whovians aus dem Doctor Who-Biografiefilm An Adventure in Space and Time kennen) hingegen kommt trotz seiner geheimnisvollen Aura als sympathisch und vertrauenswürdig herüber. Eine wunderbare Leistung, die uns auf die falsche Fährte führt. 

 

Der Auftakt ist zweifelsohne gelungen. Spannung, Action und viele offene Fragen, die Lust auf die nächste Episode machen – nicht nur wegen des epischen Cliffhangers. 

 

 

AB HIER SPOILER

 

"Everything is a lie!"

 

Die große Überraschung, die ab der kommenden Episode kein Geheimnis mehr sein wird, ist die Enthüllung, dass O kein menschlicher Spion ist, sondern der Master. Das ist zweifelsohne unerwartet, hatte doch Chris Chibnall in Staffel 11 fast völlig auf bekannte Who-Bösewichte verzichtet. In der Neujahrsfolge 2019 tauchte dann ein einzelner Dalek auf und Chibnall schaffte es, diese Figur wieder so zu gestalten, dass man vor ihr Angst haben musste.

 

Allerdings muss man hier natürlich auch Bedenken anmelden, ob es eine gute Idee war, gleich wieder auf den Erzfeind des Doctors zu setzen. Mit Missy hatte man noch in der 10. Staffel eine tragende und mittlerweile tragische Figur dabei – und nun sind wir wieder beim Evil Genius? Die geläuterte Missy starb durch die Hand ihres John Simm-Ebenbildes und er durch ihre. Ein poetisch perfekter Abschluss für  die Figur.

 

Auf der anderen Seite gehörte es immer zum Markenzeichen des Masters immer dann wieder aufzutauchen, wenn man es am wenigsten erwartet. Insofern ist die Überraschung gelungen. Sacha Dhawan gelingt der Übergang vom sympathisch wirkenden Einzelgänger zum verrückten Bösewicht recht gut. Man darf gespannt sein, was er der Figur hinzufügt.

 

Neugierig machen aber auf alle Fälle die vielen Anspielungen, die auf eine große neue Storyline hinweisen könnten (was aber nicht so sein muss). Die Aliens haben etwas mit dem Universum vor und der Master ist auch involviert. Und es gibt Dinge in der Vergangenheit des Doctors, die vielleicht in einem neuen Licht erscheinen könnten. 

 

Ist das also, worauf die Fans gewartet haben? Ein neuer großer Storybogen, der diese Staffel durchzieht? Oder ist alles schon mit Spyfall, Part 2 wieder vorbei? 

 

Wir erfahren es schon bald...

 

 

 

Fotos: © 2020 BBC