Der Leuchtturm ist der neue Film von Robert Eggers, der auch schon The VVitch gemacht hat. Damit sei dann auch schon gesagt: wer hier kurzweilige Horrorkost sucht, sucht vergebens. Stattdessen wird einem ein extrem atmosphärischer, verworrener und fesselnder Film geliefert, den ich persönlich nicht wirklich als Horrorfilm sehe, sondern vielmehr als Suspense Film. Robert Pattinson und Willem Dafoe zeigen in diesem Film, was für großartige Schauspieler sie sind.

 

  

 

  

Kurz und knapp worum es geht: Wir begleiten zwei Männer, die für vier Wochen auf einer kleinen, menschenleeren Insel vor der Küste Kanadas Anfang des 20. Jahrhunderts einen Leuchtturm bedienen sollen. Thomas Wake (Dafoe) ist der alte und erfahrene Leuchtturmwächter, Ephraim Winslow der wortkarge, junge Assistent. Die Abgeschiedenheit und Eintönigkeit, sowie Wakes' harsche Umgangsweise sind für Winslow nur schwer zu ertragen, der von einer schweren und undankbaren Arbeit zur nächsten verdonnert wird.

 

Wake hingegen kümmert sich alleine um das Licht im Leuchtturm. Bald schon fängt Winslow an von Meerjungfrauen, Sirenen und bösartigen Seevögeln heimgesucht zu werden und es fällt ihm schwer zu unterscheiden, was wahr ist und was Traum. Die Beziehung zwischen den Männern ist immer wieder gespannt, ja schon aggressiv, dann wieder freundschaftlich innig, was die Verworrenheit der Gesamtsituation untermalt. Nachdem sie die Wachablösung verpasst haben, eskaliert es auf der Insel.

 

 

 

Robert Pattinson spielt als Ephraim Winslow so gut wie in keinem anderen Film. Jede Emotion, die er auf dem Weg in den Wahnsinn durchläuft, ist so intensiv und glaubhaft gespielt, dass es beinah schon furchteinflößend ist. Und Willem Dafoe steht dem in nichts nach. Allesm, was Pattinson ihm entgegen wirft, kann er locker parieren. Die wahnsinnig schnellen Wechsel von Aggression und Mitgefühl sind hier besonders zu betonen. Die Szene in der Wake Winslow mit einem alten Seemannsfluch belegt, geht mir bis heute nicht aus dem Kopf.

 

 

 

Das Spiel der beiden wird dabei untermalt von einem lauten, intensiven und hypnotischen Soundtrack. Schon gleich zu Beginn, als sich der Leuchtturm aus dem Nebel herausschält ertönt immer wieder ein Nebelhorn gespenstisch und dieses Geräusch steht sinnbildlich für den gesamten Film. Generell hatte ich das Gefühl, dass vor allem die natürliche Geräuschkulisse, wenn auch überdeutlich und verzerrt, zur Atmosphäre beigetragen hat.

 

Auch das ungewöhnliche Format in dem der Film gedreht wurde, verstärkt das bedrängte Gefühl auf dieser kleinen Insel festzusitzen noch.

 

 

 

Es ist schwer über den Film zu schreiben, ohne zuviel vorweg zu nehmen. Es sei aber gesagt, Leute, die gerne lange über Filme diskutieren und interpretieren kommen hier voll auf ihre Runden. Der Film sucht viele Metaphern in der griechischen Antike, die mal deutlicher und mal subtiler in die Geschichte eingeflochten sind.

 

Sehr stark hier ist ein Standbild, das Wake als zornigen Gott und Winslow als sein Opfer, wie römische Marmorstatuen darstellt. Dieses Machtgefälle zwischen den Protagonisten ist ebenfalls ein zentraler Punkt in der Erzählung, wie auch die Anziehungskraft des Lichtes. Wake will dieses unter keinen Umständen mit jemand anderem teilen, und man kann fast sagen, er führt eine sexuelle Beziehung zu der Lichtquelle.

 

 

 

 

 

Was bleibt noch zu sagen? Der Film ist wirklich gut, aber man sollte sich darauf einstellen, dass einem hier keine leichte Kost serviert wird. Der Film baut sich langsam auf und man sollte daher ein wenig Sitzfleisch mitbringen, aber dafür wird einem ein ästhetischer Grusel geliefert wie selten. Ich würde auch empfehlen den Film im Original zu sehen (am besten mit Untertiteln), denn dann gehen einem die Flüche und Trinksprüche erst so richtig unter die Haut.