Die Vorweihnachtszeit beginnt, Spekulatius und Schokoweihnachtsmänner stehen seit September in den Regalen und ab November dröhnt Wham! im Radio...

Nur dieses Jahr gibt es auch noch einen passenden Film dazu.

 

Aber bevor ihr Urteilt, dass ihr damit nix zu tun haben wollt und dieses Lied sowieso verflucht, der sollte noch schnell diese Kritik durchlesen. Paul Feig hat einen durchaus sehenswerten und zauberhaften Film gemacht.

 

 

 

 

 

Bei Kate läuft's gerade nicht so pralle. Sie ist aus ihrer WG rausgeflogen und verscherzt es sich auch sonst recht schnell bei neuen Schlafplätzen. Wieder zu Hause einziehen will sie nicht, da sie kein wirkliches Interesse an ihrer Familie hat.

 

Sie arbeitet in einem ganzjährigen Weihnachtsladen, aber sieht das eher als Nebenjob. Ihre richtige Karriere liegt woanders. Sie möchte gerne Sängerin werden und versucht jedes Vorsprechen zu bekommen, egal wen sie damit vor den Kopf stößt. Nach einem weiteren miesen Tag lernt sie Tom kennen. Dieser zeigt ihr, wie viel Magie im Alltag stecken kann, wenn man einfach mal seinen Horizont erweitert und sich auch für andere interessiert.

 

 

 

 

Ich bin ganz ehrlich, ich mag die Regiearbeiten von Paul Feig nicht wirklich. Brautalarm war okay aber auch nicht mehr. Taffe Mädels fand ich furchtbar, da ich auch absolut kein Fan von Melissa McCarthy bin. Über den Ghostbusters Film brauchen wir nicht zu reden. Einzig bei A Simple Favour fühlte ich mich gut unterhalten. Somit ging ich schon mit einer gewissen Zurückhaltung in den Film. Allerdings wurde ich positiv überrascht. Somit steht Last Christmas bei mir nun an erster Stelle der Paul Feig-Regiearbeiten.

 

Die Geschichte haben wir so vielleicht schon irgendwo mal gesehen und wenn man dann den Film gesehen hat, werden die meisten auch auf ältere Filme verweisen können. Das ist alles nicht so wirklich neu, aber doch recht unverbraucht. Ebenfalls ist der Trick, einen Film über ein bestimmtes Musikstück oder eine Band zu machen nicht neu.

 

Außerdem kann ich es nicht oft genug sagen: ich HASSE Last Christmas von Wham!!! Jedes Jahr aufs neue kommt dieser Quatsch im Radio und keine Sau macht sich mal die Mühe auf den Text zu hören. Das der Song eigentlich nicht wirklich was mit Weihnachten zu tun hat und ein fieses Trennungslied ist, interessiert keinen. Hier wiederum verbaut man das wirklich clever. So macht der Text am Ende sogar noch Sinn und obwohl wir das Stück im Film hören, ging es mir nicht so sehr auf den Wecker.

 

 

 

 

Vieles liegt das auch an dem guten Cast. Emilia Clarke gibt einfach das Zuckerstück. Ihr Charakter Kate ist zwar ziemlich egoistisch und schert sich wenig um andere Menschen, trotzdem will man mit ihr befreundet sein. Auch ihre Wandlung innerhalb des Filmes ist gut durchdacht. Gerade wenn man erfährt, warum sie so ist, wie sie ist. Dabei beweist Clarke ebenfalls, dass sie singen kann. Aber keine Angst, dies hier ist kein Musical oder ähnliches.

 

Unterstützt wird sie aber auch von weiteren guten Schauspielern, die sich toll in die Geschichte einfügen. Da wäre ihr männlicher Hauptdarsteller Henry Golding, der Tom spielt. In jedem anderen Film wäre mir sein Charakter auf den Sender gegangen, da er eben ein Saubermann erster Güte ist. Mamas Lieblings-Schwiegersohn oder so ähnlich.

 

Er ist höflich, hilft, wo er kann und nutzt keine Gelegenheit für seinen Vorteil aus. Hier passt er eben perfekt in die Geschichte. Er macht Kate auf die Alltagsmagie von London aufmerksam mit der simplen Geste einfach mal nach oben zu schauen.

 

Außerdem haben die beiden wohl die stärksten Szenen zusammen im Film. Gerade eine Szene hat mich sowohl ergriffen, als auch gerührt. Man bemerkt, dass beide eine tolle Chemie und sehr gut zusammengearbeitet haben.

 

Weiterhin sei Michelle Yeoh zu erwähnen, die die Ladenbesitzerin Santa spielt. Ihr Charakter ist eine Mischung aus harter Unternehmerin und gutherziger Dame. Auch sie bekommt eine schöne Nebengeschichte, die sich gut einfügt. Sie versucht seit einiger Zeit, Kate den Kopf zu waschen und ihr die Wichtigkeit des Arbeitslebens aufzuzeigen. Gleichzeitig ist sie auch so ziemlich der letzte Mensch, der sich noch um Kate schert.

 

Kates Mom wird von Emma Thompson gespielt, die ebenfalls das Drehbuch geschrieben hat. Sie ist eine sich sorgende ältere jugoslawische Dame, die Angst um die Situation rund um den Brexit hat. Sie versucht ihre Tochter wieder stärker in die Familie einzubinden, jedoch möchte sie davon nichts wissen. Die Familie wirkt zerbrochen, versucht aber durchzuhalten.

 

 

 

 

Der Film wird als romantische Komödie beschrieben, jedoch würde ich es eher als einen schönen Feel Good Film in der Vorweihnachtszeit bezeichnen. So zeigt sich im Film, wie schön London sein kann,  gerade in den kleinen Verzierungen, Statuen oder Plätzen, die durch Tom gezeigt werden. Ebenfalls ist der Film mit viel Musik von George Michael und Wham! unterlegt.

 

Die Geschichte um Kate und Tom könnten viele als zu kitschig ansehen. Ich bin aber der Meinung, es geht. Je länger der Film geht, wird klar, dass es hier eigentlich um die Weihnachtszeit geht. Das ist zwar jetzt auch nicht wirklich neu, aber schon schön. Ein kleiner Twist wartet dann auch noch auf den Zuschauer, den man vielleicht kommen sehen kann, der aber trotzdem wirkt.

 

Was der Film gut schafft, ist eine gewisse Leichtigkeit. So könnte man denken, dass es ein romantisch triefender Film über das Zusammenkommen zweier Personen um die Weihnachtszeit ist. Das macht der Film eben nicht. Stattdessen zeigt er, dass wir uns mal nicht dem Stress hingeben müssen, sondern die Kleinigkeiten in der Welt genießen sollten.

 

Es gibt viel zu entdecken und so ein Spaziergang durch die Stadt zeigt einem endlich mal andere Seiten. Eben diese simple Magie versprüht der Film so unaufdringlich. Man kann auch mit vielen unterschiedlichen Altersklassen in diesen Film gehen, da er für alle geeignet ist.

  

Wenn ich wirklich einen Kritikpunkt nennen sollte, dann wäre es der Humor, der bei mir nur an einigen Stellen tatsächlich gezündet hat. Klar, ist das hier eine Komödie, aber kein Schenkelklopfer-Festival. Das gleiche Problem hatte ich aber schon damals bei Brautalarm. Allerdings kann ich darüber hinweg sehen, da der Film bei mir auch auf andere Weise funktioniert.

 

Man kann fast sagen, wem das alles zu kitschig und Feel Good-mäßig ist, der ist einfach verbittert. Es muss auch eine Daseinsberechtigung für guten Kitsch geben und die hat sich Last Christmas mehr als verdient. Allerdings kann ich auch jeden verstehen, der sagt, dass das nicht sein Film ist. Auf diese Art Film muss man sich schon einlassen. Tut man dies, funktioniert er aber erstaunlich gut und man hat eine tolle Zeit im Kino.

 

 

 

 

Wereinen schönen Kinoabend für die Vorweihnachtszeit haben möchte, der ist mit Last Christmas sehr gut beraten. Emilia Clarke und Tom Golding haben eine tolle Chemie auf der Leinwand, die Geschichte hat ein paar nette Überraschungen und der Film versprüht eine gewisse Magie. Der Wham! Song nervt mal nicht und fügt sich toll mit der Story zusammen. Ein Wohlfühl-Film für alle und eine kleine Überraschung, die man eventuell nicht auf den Schirm hatte. Darf man bitte reingehen!