Robert Kirkman hat sich seinen Titel als Comic-Legende schon längst verdient. Seine Untoten-Saga The Walking Dead kapitulierte ihn zum gefeierten Star und doch gibt es auch Reihen außerhalb von Rick Grimes und Negan, die einen Blick wert sind. Diese hier ist eine davon.

 

  

„DAS DU HAST GUT GEMACHT, MENSCH KEITH. SEHR GUT.“

 

Wie lang ist ein Wimpernschlag? Glaubt man dem Internet, so sind es gerade mal 0,15 Sekunden. Genauso lang dauerte wohl auch der Vorgang, bei dem ein Teil von Philadelphia mit einem Teil einer fremden Dimension getauscht wurde.


Anstatt von Gebäuden und Straßen waren seltsame Gebilde erschienen und anstelle der Menschen rannten plötzlich monströse Kreaturen durch die Gegend. Was war passiert?

 

Leser der ersten beiden Bände kennen das Geheimnis hinter diesem Ereignis schon längst und wissen von dem, was Nathan Cole und seine Forscherkollegen einst taten. Mit ihrem schiefgelaufenen Experiment haben sie den Weg zu einer uns unbekannten Welt aufgestoßen.


Ein Fehler, der ganz besonders an Nathan nagt, schließlich hat er dadurch seinen Bruder Edward verloren. Dieser landete in dieser fremden Welt, die Oblivion genannt wird und baute sich dort innerhalb von zehn Jahren ein neues Leben auf. Sehr zu Nathans Leidwesen.

 

 

„DAS BABY IST SCHON HIER.“

 

Im dritten sowie vierten Band der Reihe kommt es zu dem, was schon lange angedeutet wurde. Die in Oblivion lebenden Menschen treffen zum ersten Mal auf die „Gesichtslosen" und es kommt zur Eskalation.

 

So gut wie alle Menschen aus dem Camp werden gefangen und verschleppt. Auch Edwards Frau und ihr gemeinsames Kind gehören zu den Entführten. Mit einer gezielten Rettungsaktion sollen nun alle Menschen aus der Basis der fremden Wesen gerettet werden. Doch es gibt eine Menge an Problemen, die es zu bewältigen gilt.

 

Währenddessen deuten sich auch auf der Seite der Fremden Schwierigkeiten und innere Zerstrittenheit an. Welche Rolle die gefangenen Menschen spielen und was die wahren Absichten hinter alldem sind, bleibt nach wie vor ein Geheimnis.

 

 

„DU BIST EIN SEHR KLUGER MANN. DU WEISST, WIE GEFÄHRLICH DAS IST, ABER DU GEHST TROTZDEM, NICHT WAHR?“

 

Wie schon bei The Walking Dead konzipiert Kirkman im Kern von Oblivion Song eine dramatische Schicksalsgeschichte rund um seine Figuren. Jeder Konflikt bekommt dabei die Zeit, die ihm zusteht, um so interessant, aber gleichzeitig nicht zu gestreckt zu wirken. Kirkman beherrscht die Balance dafür genau. Nicht verwunderlich, angesichts seiner langjährigen Erfahrung durch TWD oder auch Invincible.

 

Die grundlegende Handlung von Oblivion Song verliert auch in ihrer vierten Ausgabe nichts an Spannung und bleibt dank des tollen Tempos weiterhin stark. Auch hier überzeugt Kirkman einmal mehr als Autor.

 

 

„ICH MAG DEN LEHM GEFUNDEN HABEN, ABER DU UND DUNCAN, IHR SEID DIE BILDHAUER.“

 

Doch das Lob gehört ihm nicht ganz allein. Mit Lorenzo De Felici steht ihm ein ebenfalls erfahrener Zeichner zur Seite. Gerade seine sehr dynamischen und organisch wirkenden Panels hauchen Oblivion Song das nötige Leben ein, das durch die fantastische Kolorierung von Annalisa Leoni abgeschlossen wird.

 

Oblivion Song ist eine bisher wirklich starke Reihe, die deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient und meiner Meinung nach zu den besten Arbeiten von Kirkman zählt. Da müssen sogar seine langlebigen Untoten einstecken.

 

 

 

Erschienen bei Cross Cult, 22,00€