Comic-Legende Frank Miller bescherte einst dem Dunklen Ritter eines seiner besten Kapitel überhaupt. Nun widmet er sich dem ersten Jahr von Superman und vielleicht hätte er das lieber sein lassen sollen.

 

  

„TRAINIEREN SIE IHRE KRÄFTE! UND STECKEN SIE DIE WELT NICHT IN BRAND… SIE LODERT BEREITS!“

 

Wenn ich etwas im Laufe dieser Review gelernt habe, dann dass ich öfters auf mich selbst hören sollte. Tatsächlich wollte ich nämlich die drei Bände von Superman: Das erste Jahr komplett auslassen und mich stattdessen anderen Werken widmen.

Hätte ich es nur besser gewusst!

Doch wir alle neigen zu Fehlern und dieser hier war meiner.

 

Doch fangen wir mal ganz vorne an und betrachten Millers neuestes Werk um den letzten Sohn von Krypton ganz unvoreingenommen. Genau dort, auf Krypton beginnt nämlich auch die Geschichte und die schildert uns aus den jungen Augen von Kal El die finalen Minuten seiner sterbenden Heimatwelt.

 

Als Letzter seiner Art reist das interstellare Windelkind durch die Galaxien und gelangt so zur Erde, wo er bekannterweise in Kansas landet und von den Farmern Jonathan und Martha Kent aufgenommen und großgezogen wird. Es folgt der Schulbesuch und das Erlernen und Kontrollieren seiner Kräfte. Doch noch etwas gesellt sich dazu: die erste Liebe.

 

 

„DAS KÖNNTE DER ANFANG EINER WUNDERVOLLEN PARTNERSCHAFT SEIN.“

 

Ich erspare euch nun weitere Details zur Geschichte und setze mich bereits jetzt mit meinem ersten großen Kritikpunkt auseinander.

Das Thema der Liebe, besser gesagt das Thema Frauen. Dieses nimmt nämlich eine deutlich größere Rolle in Millers Erzählung ein als gedacht. Ich gehe dabei sogar soweit, dass ich behaupte, der Titel hätte auch Superman: Seine ersten Frauen heißen können.

 

Frank Miller setzt seiner Hauptfigur eine Love Interest nach der anderen vor und jede davon verfällt dem Mann aus Stahl auf die eine oder andere Weise.

 

Da spielt es auch keine Rolle mehr, ob die Auserwählte Menschlein oder Atlanterin samt Fischflosse ist. Superman sind solche Details vollkommen egal und so wird rumgeschmachtet, was das Zeug hält.

 

Mir selbst wäre dieser Umstand der Geschichte sicherlich auch egal gewesen, aber mich stört einfach die Häufigkeit, mit der Miller auf dieses Plot Device zurückgreift und dann auch noch so plump wieder aushebelt.

 

Keine von Supermans Frauen erhält hier einen vernünftigen und emotionalen Abschied. Stattdessen verlässt unser Held seine Liebenden und vergnügt sich anschließend mit der nächsten Dame seines Interesses. Wirklich super ist da was anderes.

 

 

„NEIN. MACH WEITER. KEIN ZWEIFEL.“

 

Doch kommen wir zu einem weiteren Manko von Miller und das ist wirklich furchtbar. Das ist wirklich furchtbar. Das ist wirklich, wirklich furchtbar.

Die Rede ist von Millers Schreibstil, der hier wirklich zur Herausforderung wird. In sich ewig langziehenden und ach so bedeutungsschwangeren Monologen schiebt Miller seine Geschichte voran und spätestens ab dem zweiten Band geht ihm dabei auch endgültig die Puste aus.

 

Das wird gerade dann spürbar, wenn er sich gerne mal in irgendwelchen Monologzeilen wiederholt und so krampfhaft versucht Spannung und Atmosphäre aufzubauen. Leider funktioniert dies zu keiner einzigen Sekunde.

Zu.

Keiner.

Einzigen.

Sekunde.

 

Doch ich möchte diese Review nicht komplett negativ abschließen und so will ich zumindest zwei positive Aspekte hervorheben.

 

So etwa das Kapitel um Supis Aufenthalt bei der Navy, das erfrischend neu erzählt wirkt. Zumindest in der kurzen Zeit konnte Miller mein Interesse wecken.

 

Auch sein Ausflug nach Atlantis war gut anzusehen, wird dann jedoch getrübt doch jegliches Außerkraftsetzen der DC-Kontinuität in Anbetracht der Bewohner der versunkenen Stadt, sowie einer wirklich unschönen Inzest-Erzählung (Warum?!).

 

 

„BRAUCH EINE VERKLEIDUNG… NICHT FÜR SUPERMAN… SONDERN FÜR CLARK KENT.“

 

Frank Miller hat Meilensteine geschrieben und gezeichnet. Diese will und möchte ich niemals in Frage stellen, nur eben für dieses kurze Superman-Epos gilt das nicht.

Zu grob und unübersehbar sind hier die Fehler von Miller.

 

Mein anfangs erwähntes Bauchgefühl hatte Recht behalten und es tut mir schon beinahe leid, das ich nun dieses harte Urteil fällen muss.

 

Superman: Das erste Jahr ist ein desaströses Werk geworden, bei dessen Umsetzung viel Schuld auf den Schultern seines Autors liegt. Vielleicht sollte man Frank Miller fragen, was er eigentlich wirklich erzählen wollte?

 

Dies ist schließlich nicht das erste Jahr von Superman, sondern sein Weg vom Säugling zum Beschützer der Erde und das passierte sicher nicht innerhalb von nur einem einzigen Jahr.

Sicher nicht.

 

 

 

Erschienen bei Panini Comics, 16,99€ (Bd. 1 + 2); 17,00€ (Bd. 3)