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Die Schlacht von Ranskoor Av Kolos bringt das Finale für die 11. Staffel von Doctor Who – mit einem überraschenden Auftritt.

 

Wir bewerten die letzte reguläre Folge der Staffel und ziehen ein Gesamtfazit zu diesen ersten zehn Episoden des 13. Doctors. 

 

 

 

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Götter und Legenden

 

Vor zwei mächtigen Wesen, die Materie erschaffen und verformen können, erscheint eine seltsame Gestalt.

 

Knapp 3500 Jahre später gehen von dem Planeten mehrere Notsignale aus – die TARDIS-Crew fängt sie auf und macht sich auf den Weg nach Ranskoor Av Kolos. Dort finden sie einen Friedhof von Raumschiffen vor und stellen fest, dass alles mit einem Strahlenfeld überdeckt ist, das die Psyche beeinflusst. Doch der Doctor hat natürlich entsprechende Gegenmaßnahmen zur Verfügung. Auch wenn Graham es langsam nicht mehr sehen kann, sich irgendwelche Technologie einpflanzen oder anheften zu lassen.

 

Wie notwendig dies aber ist, merken sie schnell, als sie Paltraki (Mark Addy aus Game of Thrones, The Full Monty) begegnen. Der Schiffskommandant hat vergessen, warum er hier ist und irrt ziellos herum. Der Doctor kann ihm helfen und langsam kehrt sein Gedächtnis wieder.

 

Stück für Stück enthüllt sich der Verantwortliche und sein Plan. Es ist Tzim-Sha, vom Doctor veralbernd Tim Shaw genannt. Der jagende Krieger aus der ersten Folge der Staffel, der Grace auf dem Gewissen hat und der nun seine Rache am Doctor für die erlittene Niederlage vollenden will.

 

 

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Der Kreis schließt sich 

 

The Battle of Ranskoor Av Kolos bringt uns in gewissem Maße wieder an den Anfang zurück. Der erste Bösewicht der Staffel darf auch für das Finale verantwortlich sein und diesmal nutzt er den Glauben einer besonderen Rasse aus. Die Ux haben die Fähigkeit, die Realität zu verändern, von ihnen gibt es aber nur immer zwei zur gleichen Zeit, die mehrere tausend Jahre leben. Ein interessantes neues Konzept, das allerdings nicht groß weiter ausgeführt wird. Der Kampf konzentriert sich auf Tim Shaw gegen das TARDIS-Team, die die Vernichtung der Erde verhindern müssen.

 

Das ist alles sehr flott und spannend erzählt, zusätzliche Dramatik gewinnt die Story durch Grahams eigene Rachegelüste, die der Doctor natürlich eindämmen will. Aber auch Ryan hat da noch ein Wort mitzureden. Die beiden kommen sich in dieser Situation gerade durch die Auseinandersetzung am Ende noch näher, was auch ihren Storyarc zu einer Art Abschluss bringt. Letztendlich muss der Doctor auch gar nicht eingreifen, um Graham zu überzeugen. Die Aufforderung, "der bessere Mann" zu sein, ist genau das, was auch die verstorbene Grace gesagt hätte.

 

Die Nebendarsteller machen ihre Sache alle gut, auch wenn sie diesmal wirklich nur Nebensache sind. Einzig Tim Shaw (Samuel Oatley) darf sein ganzes ekliges Äußeres und Inneres in die Waagschale werfen. Insgesamt fügt sich die Geschichte sehr gut zusammen und unterhält von der ersten bis zu letzten Minute. 

 

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Ein Schritt zurück, ein Schritt nach vorn

 

Ob man überhaupt von einem Staffelfinale reden kann, wenn die Feiertagsfolge nur drei Wochen entfernt ist, ist in diesem Falle streitbar. Tatsächlich hat dies wohl mehr damit zu tun, dass Chris Chibnall der Serie ein Stück weit einen neuen Kurs verordnet hat. 

 

Denn es gab diesmal keinen staffelübergreifenden Storyarc, keine Hinweise, die über mehrere Folgen ausgetreut wurden und die nun ins Finale münden. Daher ist die letzte (reguläre) Folge der Staffel auch kein großes, bombastisches Spektakel – wobei sie dennoch für Doctor Who-Verhältnisse sehr eindrucksvolle visuelle Effekte aufbieten kann. Nach den ersten Infos könnte aber das Spektakel im Neujahrs-Special anstehen, viel zu sehen gab es im Trailer aber noch nicht. 

 

Im Grunde sind wir damit auch aber schon beim Rückblick zur gesamten Staffel. Denn das auffälligste Merkmal war die Abkehr von der epischen Erzählung eines Steven Moffat hin zu Einzelabenteuern, die nur lose zusammenhängen (am Anfang mehr, ab der Mitte weniger) und jedes Mal etwas neues bieten. Das ist insofern auch überraschend, da Chibnall vor allem durch Broadchurch seinen Ruf als Geschichtenerzähler festigte, der viele, feingestreute Fäden auswirft und sie nach und nach wieder zusammenbringt. 

 

Dass er sich für das genaue Gegenteil bei Doctor Who entschieden hat, ist aber verständlich, denn die Vergleiche mit Broadchurch wären unweigerlich aufgekommen. Und tatsächlich braucht es diese Erzählweise auch nicht wirklich, selbst beim 9. und beim 10. Doctor wurde das meist nur gegen Ende der Staffel durchgezogen, bevor dann Moffat mit dem 11. und 12. der Serie diesen besonderen Stempel aufdrückte (und das auch nicht immer überzeugend).

 

 

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Im Grunde hat Chibnall die Serie viel mehr in die Richtung des klassischen Doctor Who verschoben. Hier wie in der alten Serie gab es in der Regel keinen großen Erzählbogen und auch die TARDIS spielte keine so übergroße Rolle. In vielen Folgen von Classic Who kommen die Helden am Beginn der Story an, verlassen die TARDIS und dann sieht man sie nur am Ende wieder. Und auch die eigene Mythologie des Doctors war kein zentraler Punkt der Stories. Hier wie damals lässt der Doctor nur ab und zu Informationen zu seinem eigenen Hintergrund fallen.

 

Last of the Timelords? Fiel in dieser Staffel kein einziges Mal. Kein Gallifrey, keine Timelords, keine Daleks, keine Cybermen, kein Master, kein U.N.I.T. – lediglich einmal gibt es eine Anspielung auf früher, als der Doctor ihr Paket mit einem Fez bekommt. Bestimmte Bösewichte ein paar Staffeln ruhen zu lassen, ist allerdings auch nichts neues. Nur im New Who-Zeitalter ist dies seltener geworden. 

 

Chibnall zeigt klar auf, dass es das auch alles nicht braucht und neue Gegner durchaus interessant sein können. Das kommt nicht von ungefähr. Chibnall ist seit seiner Kindheit Fan der Serie und es gibt sogar heute noch Clips auf Youtube, wo er bei einem Publikumspanel der BBC den damaligen Produzenten die Meinung geigt.

 

Hier ein Ausschnitt (144p - urgh...):

 

 

 

 

Nun sitzt er selber auf der anderen Seite (auch wenn es diese Panels nicht mehr gibt) und kann die Serie in seinem Sinne gestalten. Und noch nie waren sich die neue und die klassische Serie so nah wie in dieser Staffel. Und auf der anderen Seite auch wieder sehr weit voneinander entfernt (mehr dazu weiter unten).

 

Die Frage ist nur, ob dieser Weg beibehalten werden sollte.  Denn letztendlich sind es auch die großen epischen Storylines, die Doctor Who eine neue, sehr aktive und diskussionsfreudige Fanbasis beschert haben. Allerdings hatte sich das zuletzt nicht mehr in Einschaltquoten niedergeschlagen und die zu arge Beschäftigung mit sich selbst konnte auch aus erzählerischer Sicht so nicht mehr weitergehen.

 

Die Quoten dieser Staffel sind die besten seit sechs Jahren, besser als jede Staffel von Peter Capaldi und wieder auf dem Niveau, als noch Amy und Rory den Doctor begleiteten. Das kann Chibnall also schon mal für sich auf der Habenseite verbuchen.

 

Vom Ton her zeigt sich ebenfalls eine deutliche Verschiebung hin zu Grusel, Mystery und auch Horror, allerdings immer gepaart mit der Leichtigkeit einer Abenteuergeschichte. Dieses "Gothic Horror in Space" brachte zu Zeiten des 4. Doctors einige sehr eindrückliche Episoden hervor, bevor die BBC gedrängt wurde, den Faktor der Gewalt runterzufahren.

 

 

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Tatsächlich wird in dieser Staffel gestorben, was das Zeug hält, fast keine Folge kommt ohne Body Count aus. Die deutlich erwachsenere Ansprechhaltung wird fast komplett durchgezogen und nur selten von abstrusen Elementen wie einem sprechenden Frosch unterwandert. 

 

Dennoch bleibt anzumerken, dass man ein großes Zuspitzen zum Ende hin vermisst hat. Diese Erzählweise ist auch etwas, das die Zuschauer unabhängig von Doctor Who heutzutage erwarten.

  

Eine Folge, die auch entsprechend in den sozialen Medien für Aufmerksamkeit sorgt, im Sinne von "Hast du die Episode gestern gesehen?!" wäre wünschenswert gewesen. Da das Neujahrs-Special aber unmittelbar bevorsteht, sollte man erst einmal abwarten. 

 

 

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Team... Crew... Fam?

 

Eine staffelübergreifende Erzählung kann man aber dennoch feststellen – und zwar bei den Companions. Eben anders als bei der klassischen – und auch bei einem guten Teil der neuen Serie – wird hier viel Zeit darauf verwendet, die Charaktere an ihren Erlebnissen mit dem Doctor wachsen zu lassen. Vor allem, weil es keine vom Schicksal Auserwählte sind, sondern normale Menschen mit normalen Problemen, denen etwas absolut ungewöhnliches passiert.

 

Wer die Figuren in der ersten und in der letzten Folge vergleicht, erkennt hier zwei junge Menschen, die beide viel selbstbewusster und zufriedener mit sich sind und einen älteren Herrn, der einen zweiten Frühling erlebt. Und auch wenn er das Trauma über den Verlust seiner Frau noch nicht überwunden hat, so hat er doch mit Ryan einen neuen Enkel dazugewonnen. Dieser junge Mann ist zu Beginn ohne großes Ziel im Leben, hat mit vielen familiären Problemen zu kämpfen und weiß noch gar nicht, welches Potenzial in ihm steckt – wie sich gerade am Ende dieses Staffelfinales zeigt.

 

Auch die zunächst etwas überfordert wirkende Polizeischülerin Jas ist eine starke Frau geworden, die dem Doctor immer als erstes zur Seite springt – und dort auch bleibt. Nicht weil sie das vorhin nicht konnte, sondern weil sie sich durch den Doctor endlich dazu getraut hat.

 

Das geschieht alles ohne großes Brimborium, wird leise und subtil erzählt. Die TARDIS-Familie wächst langsam, aber beständig zusammen. Aus dramaturgischer Sicht das eigentliche Glanzstück der Staffel.

 

 

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»You have redecorated... I really like it!«

 

Ebenfalls großartig ist der deutlich düstere und episch wirkende Look der Serie. Kameraführung, Lichtsetzung und vor allem die visuellen Effekte brauchen keinen Vergleich mit Kinofilmen zu scheuen. Zwar werden die Effekte natürlich spärlicher als in einem Blockbuster eingesetzt, aber dafür wirkt alles viel realistischer, wenn man diesen Begriff gebrauchen darf. Gerade bei der Darstellung von fremden Planeten wissen die Macher alles großartig in Szene zu setzen.

 

Insgesamt zeigt sich in der Wertigkeit der Produktion, dass die Reduzierung von 12 auf 10 Folgen insofern gerechtfertigt war, dass man jede Folge visuell herausstellen konnte und bei keiner Einsparungen machen musste.

 

Angesichts der Tatsache, dass die nächste Staffel bereits produziert wird, aber erst Anfang 2020 anläuft, kann man wohl damit rechnen, dass hier noch einiges draufgelegt werden wird. 

 

 

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Jodie Whittaker – der bessere Mann?

 

Der meistdiskutierte Teil der neuen Staffel ist aber selbstverständlich der neue Doctor selbst (oder doch die Doctor...? Da geht es schon wieder los). Der neue Doctor ist eine Frau. Das hat für Aufmerksamkeit und sicher auch für Neugier gesorgt. Vielleicht sind auch viele Zuschauer so erst wieder zu Doctor Who gekommen und dann auch geblieben.

 

Eines lässt jedoch sich festhalten: Der neue Doctor ist eine Frau – und?

 

Die Unkenrufe, aber die Seligsprechungen im Vorfeld erweisen sich beide als halt- und nutzlos. Jodie Whittaker spielt den Doctor wie der Doctor eben ist. Mit ihrer eigenen Heransgehensweise und Energie, aber der Kern und das Wesen des Doctors sind nach wie vor diesselben. Und damit macht Whittaker auch nichts anders als ihre männlichen Vorgänger.

 

Tatsächlich zeigt diese Staffel endgültig, dass man den Doctor auch immer abwechselnd von einem Mann und einer Frau spielen lassen könnte und es würde keinen Unterschied machen. Wie der jeweilige Schauspieler die Rolle in ihren Details anlegt, ist entscheidend.

 

Und in diesem Fall ist zunächst mal eine deutliche Verjüngungskur zu bemerken. Die 20 Jahre Altersunterschied von Capaldi zu Whittaker sind viel entscheidender als das Geschlecht. Der 13. Doctor ist ein Wirbelwind, manchmal nervöser als ihre Vorgänger, aber immer entschlossen und zum Handeln bereit. Ein gewisses Glitzern in den Augen und immer wieder ein lockerer Spruch, um gerade die Companions auf die Schippe, machen Nr. 13 deutlich freundlicher als zuletzt Nr. 12.

 

Auch wirkt sie so, als sei die ganze Altlast, mit der sich der 12. Doctor noch plagen musste, abgeworfen. Der Doctor hat seine Sinnkrise überwunden und steht nun wieder ganz im Saft. Whittaker legt ihre Doctor wie eine Mischung aus dem 9. und dem 10. an und fährt gut damit.

 

Was man ihr aber auf alle Fälle wünschen würde, wäre eine (oder mehrere) Folgen, wo sie auch einmal persönlich an ihre Grenzen gehen kann oder in der sie einen großen epischen Moment erleben darf, der nur ihrer Doctor gehört.

 

Alles in allem ist sie weder besser noch schlechter als ihre Vorgänger, sie ist ihr eigener Doctor und das ist auch gut so.

 

 

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Fazit

 

Der Wechsel an der Spitze ist gelungen, Chibnall kann der Serie seinen eigenen Stempel aufdrücken. Qualitativ ist kein Abfall zu bemerken, lediglich der Fokus der Erzählung hat sich leicht verschoben. Um schlussendlich mehr Zuschauer zu gewinnen und auch zu halten, wird es aber nötig sein, ein oder zwei Schippen draufzulegen. Wie das geschieht – ob mit großen Raumschlachten oder einer spannenden Mysterygeschichte á la Broadchurch oder etwas ganz anderem, ist dabei zweitrangig.

 

Jodie Whittaker ist da und dieser Neuheitsfaktor ist ab der kommende Staffel aufgebraucht. Dass Chibnall so etwas kann, hat er schon unter Beweis gestellt. Jetzt sollte er mit guten Quoten im Rücken Doctor Who auf ein neues Level heben.

 

 

 

  

Bildnachweis: BBC; TV-Set: CC-BY-SA-3.0 Bjoertvedt