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Der 12. Doctor liegt im Sterben – wenn man das bei einem Time Lord so sagen kann. Denn dafür springt er doch noch munter herum. Allerdings will er nicht regenerieren. Er hat genug. Und er hat Angst. 

 

Jedoch ist das nicht neu für ihn. Schon einmal haderte er mit sich und seiner Regeneration: in seiner ersten Inkarnation. Kompliziert wird es, als der 1. und der 12. Doctor aufeinandertreffen...

 

  

Back to the beginning

 

Die TARDIS hat den 12. Doctor nach seinem letzten Abenteuer, bei dem er faktisch getötet wurde, an den Südpol gebracht. Genau zu dem Zeitpunkt, als der 1. Doctor seiner Regeneration entgegensehen musste. Das Aufeinandertreffen sorgt aber für einigen Wirbel im Raum-Zeit-Kontinuum. Ein britischer Armee-Hauptmann wird von den Schlachtfeldern in Ypern 1914 aus der Zeit herausgezogen und landet – völlig ungeplant – bei den zwei Doctoren.

 

Der zunächst namenlose Captain wurde anscheinend von einer seltsamen Macht namens "The Testimony" durch die Zeit geschleudert. Sie sammelt Erinnerungen, aber ist das wirklich alles? 

 

Die Doctoren machen sich daran, das Rätsel zu lösen, beide mit ihrer jeweiligen Regeneration im Nacken, gegen die sie sich mit Händen und Füßen wehren. Wie lange halten sie durch?

 

 

 GEBET ACHT: HIER SEYEN SPOILER!

 

 

"I AM younger!"

 

Das letzte Abenteuer vom 12. Doctor ist eigentlich kein eigenständiges Weihnachtsspecial, sondern mehr eine Coda zur finalen Folge der 10. Staffel. Der Doctor will nicht regenerieren, es scheint, als pb sein langes Leben, die Opfer und verlorenen Freunde zu viel für ihn seien. Er möchte zur Ruhe kommen. Aber das Universum hat natürlich andere Pläne. 

 

Der Kniff, ihm seine erste Ausgabe gegenüberzustellen, ist eine schöne Idee und sorgt nicht nur für Lacher, sondern auch für viele selbstreflektierte Momente. Der Doctor betrachtet sein Leben von beiden Enden.

 

Bill Potts kehrt auch noch einmal zurück, wenn auch nicht in "lebendiger" Form, sondern als Erinnerungsprojektion und fungiert als Bindeglied zwischen den beiden. Die Handlung schreitet schnell voran, dabei ist es auch gar nicht wichtig, dass der Doctor noch einmal ein großes kosmisches Mysterium löst. Die ganze Folge ist vielmehr ein großes Sinnieren über die Serie selbst. 

 

David Bradley ist als 1. Doctor eine Traumbesetzung. Er spielte bereits William Hartnell, den Darsteller dieser Figur im Biopic "An Adventure in Space and Time". Er bringt also schon eine gewisse Erfahrung mit und es gelingt ihm mit scheinbarer Leichtigkeit, in diese Figur zu schlüpfen. Die Kabbeleien zwischen ihm und Capaldi sorgen für die besten Momente.

 

Selbstironisch werden die altmodischen Einstellungen dieser Figur aus den 60er Jahren auch nicht unter den Teppich gekehrt. Etwa, wenn der 1. Doctor sich freut, dass der 12. eine Frau als Begleiterin hat – damit sie die TARDIS putzen kann. Nr. 12 ist das alles furchtbar peinlich, aber es zeigt, wie sehr sich auch die Welt verändert hat, seit der Doctor das erste Mal auf den Fernsehschirmen erschien.

 

Bill und der Doctor bekommen noch eine ordentliche Abschiedsszene nachgereicht, die sie beim bittersüßen Ende von "The Doctor Falls" nicht hatten. Letzteres war auch nicht schlimm, aber zum Glück wird hier auch nicht übertrieben. 

 

Natürlich sind in dieser Art von Folgen eine Menge Easter Eggs und natürlich auch Fanservice vorhanden, aber etwas anderes erwartet man auch nicht, im Gegenteil. Man wäre eher enttäuscht, wenn nicht. 

 

So bekommt der Doctor ein schönes Abschiedsgeschenk: seine Erinnerungen an Clara kehren zurück. Jenna Colemans kurzes Cameo reiht sich damit in die gute alte Tradition der neuen Serie ein, dass wir vor der Regeneration wichtige Companions noch einmal sehen dürfen.

 

Besonders gut gefällt auch Mark Gatiss als Captain aus dem Ersten Weltkrieg. Der Darsteller und auch Autor von diversen Folgen (und des obengenannten Bio-Films) nimmt hiermit auch seinen Hut vom Franchise und darf noch einmal auftreten, wohl auch in seiner wichtigsten Rolle: als Großvater von Brigadier Leftbridge-Stewart.

 

Abgerundet wird das ganze von der Auflösung, dass der Captain gar nicht zum Sterben verurteilt war, sondern tatsächlich ein Zeitzeuge des sogenannten Weihnachtswunders von 1914 wurde, als britische und deutsche Soldaten spontan alle Kämpfe einstellten, um zusammen zu feiern. Ein Moment der Menschlichkeit in einem grausamen langen Krieg. 

 

Wie der Doctor zu seinem jüngeren Ich richtig anmerkt: "You were right, the universe generally fails to be a fairy tale – but that's where we come in!". Selbstreferenzieller geht es fast nicht.

 

 

"Always be kind."

 

Fast. Denn dann kommt ja noch die Szene, auf die alle gewartet haben. Der 12. Doctor gibt schließlich nach und regeneriert doch.

 

Seine letzten Worte, mit denen er sich an sein zukünftiges, noch unbekanntes Ich wendet, sind durchaus dreifach zu verstehen. Einmal als kurze Zusammenfassung der Lebensweisheiten des Doctors an sich selbst. 

 

Einmal als offizielle Übergabe und Ratschlag von Peter Capaldi an Jodie Whittaker.

 

Und einmal als das gleiche, aber eine Stufe höher angesiedelt, von Showrunner Steven Moffat an seinen Nachfolger Chris Chibnall.

 

Der Doctor fasst noch einmal zusammen, was ihm wichtig ist und nimmt dann seinen Abschied:

 

"Doctor, I let you go." 

 

Der 12. Doctor war immer viel mehr eine Repräsentation von Moffat selber als sein direkter Vorgänger. Diese erste moffatsche Schöpfung, der 11. Doctor alias Matt Smith, war so, wie er sich als Fan seinen Doctor immer gewünscht hatte. Capaldis Version spiegelte viel und von Anfang an von Moffats Selbstzweifeln und Sicht auf die Serie wider, nachdem er mit Nr. 11 einen unvergesslichen Charakter geschaffen hatte, plus ein gigantisches 50-Jahres-Special, plus eine großartige Abschiedsfolge, bei der alle Fäden der vergangenen drei Jahre zusammenfanden und in einem größeren Maßstab auch die wichtigste Hintergrundgeschichte der neuen Serie zu einem Ende geführt wurde.

 

Das ist ein Auftritt, dem man erstmal nachfolgen muss. Daher hat es auch Sinn, wenn der 12. Doctor zu Beginn seiner Reise fragt: "Am I a good man?". Wenn dies dann das Motto der Staffel wird, ist das natürlich auch eine Reflexion von Moffat, der nach dem 11. Doctor sich selber als Showrunner erst einmal wiederfinden musste.

 

Auch erzählerisch und dramaturgisch war das durchaus ein richtiger Weg. Aber die Düsternis der achten und neunten Staffel, der wenig freudvolle Charakter des 12. Doctors sorgte bei nicht wenigen Fans dafür, diese Version nicht besonders zu mögen. Dennoch hat auch er eine Fanschar um sich gesammelt (mich eingeschlossen).

 

Capaldi selbst wirkte in Interviews zu Beginn auch noch nicht zufrieden mit seiner Darstellung der Rolle, betonte, dass er noch nicht ganz drin ist. Überhaupt erschien seine Herangehensweise (wenn man bedenkt, dass er Fan der ersten Stunde ist) immer viel intellektueller und kopflastiger, wenn man ihm in Interviews zuhörte. Matt Smith etwa schien vor allem nach Bauchgefühl zu gehen.

 

Mit der zehnten Staffel scheint es aber bei Moffat und Capaldi endlich Klick gemacht zu haben. Ein bisschen schade, dass es so spät kam, aber im Nachhinein betrachtet wird der 12. Doctor sicher wohlwollender aufgenommen werden. 

 

Und so ist das "I let you go." auch als letzte Worte von Moffat an die Serie und den Charakter zu verstehen und im weitergehenden Sinne auch von Capaldi.

 

Und nun sehen wir dann einem neuen Doctor entgegen, der ersten Frau in der Rolle. Whittakers Auftritt ist natürlich nicht länger als bei ihren Vorgängern und daher kann man noch keine Aussagen über sie machen, aber mit einem Mega-Cliffhanger, oder besser "Cliff faller", erwarten wir mit Spannung die elfte Staffel im kommenden Herbst.

 

 

 Fazit

 

"Twice Upon A Time" ist ein würdiger Abschluss für Doctor Nr. 12, eine schöne Coda zu einer hervorragenden zehnten Staffel. Ein kurzweiliges unterhaltsames Fest für Fans, dass man sicher mehrfach ansehen kann.

 

Mach es gut, Peter und Hallo, Jodie! 

 

Wir sind alle auf dich gespannt!

 

 

 

Bildnachweis TV-Set: CC-BY-SA-3.0 Bjoertvedt