SFbBox by website

Partnerschaften:


  • Logo Comic Combo Leipzig

 

 

Remakes und Sequels von älteren Filmen und Klassikern sind heutzutage an der Tagesordnung. Auch Ridley Scotts "Blade Runner" bleibt da keine Ausnahme. Doch mit Denis Villeneuve als Regisseur erwarte ich viel und hoffe, dass diese Fortsetzung den Spirit, die Idee und all das, was das Original ausmachte aufnimmt und zu einer großartigen Geschichte wandelt.

 

 

"Jede Zivilisation wurde auf dem Rücken entbehrlicher Arbeitskräfte erbaut!"

 

Die Welt im Jahre 2049. Der Replikant Officer K geht dem normalen Geschäft eines Blade Runners nach und entdeckt bei einem Einsatz etwas, dass das gesamte Weltgefüge aus dem Gleichgewicht hebeln könnte. Sein Vorgesetzter möchte es vertuschen, aber der Chef der Replikanten-Herstellungsfirma will diese Entdeckung für sich nutzen.

 

 

"Es gibt eine Ordnung der Dinge!"

 

Mehr sollte man zu der Geschichte nicht wissen, da man sich sonst zu sehr dem Ganzen beraubt.

Der Film ist einfach beeindruckend. Ein absolutes Meisterwerk und auch besser als das Original schon war. Der Look, der Sound, das Spiel mit dem Zuschauer, die Leistung der Darsteller, einfach alles ist so außergewöhnlich gut geworden. Die Geschichte mag mit ihrem Twist einfach zu durchschauen sein, aber am Ende spielt der Film damit und überrascht jeden Zuschauer, der sich allzu sehr in selbstgefälliger Gewissheit wiegt. Zweimal sogar neckt uns der Film und stößt uns mit der Nase in unsere selbstgedachte falsche Fährte. Niemand sollte sich seiner Interpretationen zu sicher sein. Das hat schon lange kein Film mehr mit mir gemacht.

 

Der Sound des Filmes ist absolut fantastisch. Die Musik unterstreicht immer wieder die ruhigen Momente, scheut sich aber auch nicht, die Zukunftsvision deutlich hervorzuheben. Auch die Soundeffekte von fliegenden Autos, Straßengetümmel, Officer K’s Pistole - es fühlt sich alles so greifbar an.

 

Das macht der Film im Allgemeinen sehr gut. Die Welt von "Blade Runner 2049" fühlt sich so nah und echt an. Ich konnte nicht ausmachen, was nun CGI war oder als physisches Set aufgebaut wurde. Alles sieht sehr trostlos aus und bei der momentanen Weltlage, ist dies sicher eine der realsten Vorstellungen von der Zukunft. Ich empfand ja schon die Welt von "Ghost in the Shell" als sehr greifbar. Tatsächlich weisen die beiden Streifen recht ähnliche Parallelen auf. Hier ist es aber noch ein Schritt glaubhafter. Kalifornien ist ein riesen Metrokomplex, der nur aus Reklame und Schmutz besteht. Es regnet eigentlich immer - sicher auch ein Symbol des angedeuteten Klimawandels. Detroit wurde zur Müllhalde umfunktioniert, doch selbst dort leben Menschen und versuchen, über die Runden zu kommen. Grüne Wälder sehen wir nur in einer künstlich hergestellten Kuppel. Diese Trostlosigkeit passt perfekt zur allgemeinen Stimmung des Filmes.

 

 

"Ich hatte mal deinen Job!"

 

Jeder, absolut jeder spielt hier auf einem sehr hohen Niveau, ob es ein Jared Leto oder ein Ryan Gosling ist. Hervorheben muss ich aber Dave Bautista, der gleich die erste Szene mit Ryan Gosling im Film bekam. Viele kennen ihn als Drax aus "Guardians of the Galaxy" – ich dagegen sogar schon aus seiner Wrestlingzeit in der WWE. Hier zeigt er oscarreife Leistung, die beste seines Lebens. Wenn man bedenkt, wie gut er seine Wandlung zum Schauspieler meisterte, merkt man gar nicht wo seine Wurzeln liegen.

 

Auch Harrison Ford ist wieder in der Rolle seines Lebens. Klar, jeder liebt seine Leistungen als "Indiana Jones" oder "Han Solo". Aber hier, abseits des Popcorn-Abenteuers, kann er seinem Charakter mehr Drama, mehr Tiefe verleihen. Ford hat große Lust auf diese Rolle und das merkt man ihm an. Der gealterte Deckert  bekommt eine logische Weiterentwicklung und ist nicht nur ein Gehilfe, um den zweiten Teil zu präsentieren und an alte Fans zu appellieren.

 

Besonders gefallen haben mir die Szenen von Ryan Goslings Officer K und seiner holografischen Frau Joi, gespielt von Ana de Armas. Denn wenn man mal bedenkt, dass beide keine wirklichen Menschen sind und ihre Liebe so echt dargestellt wird, dass ich mit beiden Schicksalen mitfühle, dann wurde hier alles richtig gemacht. Eine besonders süße Szene sehen wir gleich zu Beginn des Filmes, als K seiner Holo-Frau ein Gerät kauft, damit sie unabhängig von der Station in seiner Wohnung mit ihm herumlaufen kann. Sie kann dadurch die Welt sehen und zumindest registrieren, wie sich Regen wohl anfühlt. Beiden lieben sich trotz der Umstände, und auch wenn Joi nur eine KI ist, so fühlen sich ihre Gefühle für K echt an. Das ist wirklich beeindruckend.

 

Denis Villeneuve war genau der Richtige, um dieses Sequel zu inszenieren. Er hat bereits mit „Arrival“ beeindruckende Science-Fiction vorgelegt und weiß, wie er Charaktere inszenieren muss, damit sie funktionieren. Das zeigt er auch in seinem ebenfalls empfehlenswerten "Sicario".

 

 

"Deine Geschichte ist noch nicht vorbei. Eine Seite fehlt noch!"

 

Ich kann diesen Film nicht genug loben. Er regt zum Denken an und ist daher nicht sehr actionreich, sondern komplett entschleunigt. Trotzdem bin ich gefesselt und will mehr wissen und sehen. Die Geschichte um den Replikanten K, seine Liebe zu seiner Joi, das Geheimnis um die Replikanten, die Vergangenheit von Officier Deckert und wie die Welt von "Blade Runner 2049" funktioniert -das alles macht mich so neugierig!

 

Leider sehen das nicht so viele Zuschauer, denn momentan hat der Film an seinem Eröffnungswochenende nur knapp 33 Millionen Dollar eingespielt. Klar, mit "ES" kämpft er gegen eine harte Konkurrenz. Doch glaube ich auch, dass dieser Film nicht für die breite Masse gemacht ist. Da leider doch viele eher den actionreichen Blockbuster ohne viel Nachdenken mögen, könnte dieser Film untergehen. Was sehr schade ist, da ich ihn jedem unbedingt empfehle!

 

3D ist übrigens mal wieder unnötig. Das haben auch viele andere ähnlich gesehen, mit denen ich darüber sprach.

 

 

Fazit

 

"Blade Runnder 2049" ist ein Meisterwerk und MUSS gesehen werden. Der Twist, die Welt, der Look, der Sound und die darstellerische Leistung sind alle auf Höchstniveau. Kein Film des Jahres hat mich so sehr weggehauen. Für seine 163 Minuten hat er eine lange Laufzeit, aber nie kam Langeweile auf. Er unterhält trotz seiner Langsamkeit exzellent und zieht jeden in seinen Bann.

 

Absolute Empfehlung und Pflichtprogramm für jeden Kinogänger. Lasst euch bitte auf dieses Meisterwerk ein und schaut mal über den Tellerrand der generischen Blockbuster. Hier bekommt ihr einen zukünftigen Klassiker geboten. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass dieser Film ebenfalls in die Kinogeschichte eingehen wird. Die Messlatte für kommende Sci-Fi Filme.