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Viele Erinnerungen an meine Kindheit sind nicht geblieben und doch ist eine davon umso klarer. Dabei ist es keine wirkliche Erinnerung sondern viel mehr eine Fantasie. Eine verbliebene Vorstellung, dessen was ich als Kind von meiner Welt wahrnahm. Oder besser gesagt, wie ich sie wahrgenommen habe. Ja, das ist eine Filmkritik, aber auch eine Geschichte über die Fantasie.

 

 

 

 

 

Schriftsteller Thomas Mann sagte einst über die Fantasie: "Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich aus den Dingen etwas zu machen." Und Albert Einstein fasste es noch passender zusammen als er sagte: "Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt." So unterschiedlich die Ansätze der beiden auch scheinen, sie beide sprachen von derselben Kraft. Die Kraft, wie sie nur die Fantasie beherbergen kann. Eine Kraft, die zum einen nicht messbar ist und somit auch als unbegrenzt bezeichnet werden kann. Und doch sagte der französische Regisseur Luc Besson zuletzt in einem Zeitungsinterview: "Die einzige Grenze, die noch existiert, ist die der menschlichen Fantasie." Ein interessanter Widerspruch. Doch wie sollen wir das nun verstehen?

 

 

 

 

 

Ein möglicher Ansatz findet sich möglicherweise in der eigenen Kindheit. Als Kinder sind wir in der Lage, an jedem Ort und zu jeder Zeit Geschichten zu entdecken. Eine kindliche und doch eindrucksvolle Gabe, denn als Kind sehen wir die Welt anders – Wir sehen sie so, wie wir es sehen wollen. Ich selbst etwa war fasziniert von der Vorstellung und dem Gedanken, das sich hinter jedem Horizont ein Ozean verbirgt. Ein weiter und schier endloser blauer Ozean. So nah, dass ich glaubte, bereits den Meereswind spüren zu können. Diese Vorstellung wich mit dem Alter und der Erkenntnis, wie groß meine/unsere Welt doch in Wirklichkeit ist. Luc Besson weiß um die Kraft der Fantasie und genauso weiß er, dass sie eben doch eine Grenze beinhaltet.

  

Wie weitreichend jedoch Fantasie sein kann, bewies Besson 1997 mit der bis dato teuersten europäischen Filmproduktion "Das fünfte Element". Hiermit schuf er nicht nur ein Meisterwerk der Filmgeschichte, sondern ein Musterstück im Bereich Fantasie. Schließlich stammte das Drehbuch und somit auch die Geschichte von ihm. Bereits als junger Mann hatte er daran gearbeitet und sich diese Welt erdacht.

 

 

 

 

Mit "Valérian – Stadt der tausend Planeten" setzte sich Luc Besson nun mit einer Comicumsetzung auseinander und greift dafür auf einen mittlerweile 50 Jahre alten Klassiker zurück. Hauptprotagonist ist der namensgebene Agent Valérian, gespielt von Dane DeHaan ("The Amazing Spider-Man 2"). Zusammen mit seiner Partnerin Lauraline (Cara Delevingne "Suicide Squad") begeben sich die beiden nach Alpha, der Stadt der tausend Planeten. Nach und nach kommen sie hierbei einem verdeckten Geheimnis auf die Spur. So einfach und simpel meine Zusammenfassung der Geschichte auch klingen mag.

 

 

 

 

Für Besson fast schon typisch, verstecken sich noch viel mehr Themen innerhalb der Story und natürlich lässt er es sich nicht nehmen, immer wieder gelungene Referenzen und Anspielungen oder auch Kritiken an der modernen Gesellschaft miteinfließen zulassen. So sehr nun auch der Film auf dem Werk eines anderen basiert, schafft es Besson trotzdem seinen ganz eigenen Stil einzubringen. So beschenkt er uns mit tollen und stimmigen Nebenfiguren. Hier lässt er kein Detail aus, um die Charaktere einzigartig erscheinen zulassen. Genau hier kann er seiner Fantasie freien Lauf lassen und so ein kleines Highlight nach dem anderen liefern. Großartig.

 

 

 

Ich versuche es nun kurz zu machen. Ihr werdet den Film lieben und von ihm schwärmen. Eure Freunde werden von euch erfahren, dass dies ein genialer und schön gemachter Film ist und ihr werdet recht damit haben. Es ging mir nicht anders.

 

Klar, ich hatte natürlich ein, zwei kleinere Probleme mit dem Film. Diese waren jedoch eher dem Umstand geschuldet, dass Cara Delevingne als Schauspielerin einen mehr als enttäuschenden Job abliefert, doch auch darüber kann ich hinwegsehen, denn "Valérian – Stadt der tausend Planeten" ist nach viel zu langer Zeit wieder einer dieser Filme, die fürs Kino geschaffen worden sind.

 

Luc Bessons Reise nach Alpha ist bunt, schnell und einfach atemberaubend schön. Es ist ein Beleg dafür wie weitreichend und mächtig die Fantasie sein kann. Ein toller Film.