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Bereits im "Civil War" trat die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft zum erstenmal im MCU auf. Nun bekommt der Wandkrabbler seinen ersten eigenen Film in diesem Universum. Sony und Marvel arbeiten zusammen, um dem Spinner einen perfekten Start zu bieten und haben mit Tom Holland den bisher jüngsten Darsteller für diese Rolle auf die Leinwand gebracht. Ich war ZWEIMAL im Kino, um mich von neuen "Spider-Man: Homecoming" zu überzeugen.

 

 

 

 

 

"Die Welt verändert sich, Jungs! Wird Zeit, dass wir das auch tun!"

 

Nach den Ereignissen in Leipzig* kommt Peter wieder zurück nach New York. Tony Stark schenkt ihm den Anzug und hält ihm außerdem noch einen Vortrag, wie er sich in Zukunft zu verhalten hat. Peter sieht seine Chance, endlich für die Avengers zu arbeiten. Jedoch glaubt jeder außer Peter, dass er dazu noch nicht bereit sei. So versucht er in der Nachbarschaft für Ordnung zu sorgen und hilft, wo er kann. Als dann aber auf einmal ein Typ mit einem Hightech Flügelanzug auftaucht, hat Spidey richtig Schwierigkeiten, den Tag zu retten. Peter muss nun versuchen, mit seinen Kräften den Schurken das Handwerk zu legen und nebenbei sein normales Leben auf die Reihe zu bekommen.

 

 

 

 

 

"Das ist meine Chance mich zu beweisen!"

 

Die Vorgeschichte: Ich hatte einen ziemlich stressigen Arbeitstag und kam gerade so am Kino an, als der Film begann. Mit dieser Stimmung gefiel mir der Film nicht so ganz. Ich empfand ihn als okay mit vielen Problemen. Allerdings war ich auch so ziemlich der einzige mit dieser Meinung. Leute, die ich schätze, fanden ihn klasse und lobpreisten ihn. Irgendwas hatte ich verpasst oder nicht richtig mitbekommen. Also ging ich erneut in den Film. Siehe da, jetzt finde ich ihn große Klasse.

 

Er reiht sich wirklich toll im MCU ein und passt gut zum Stil von Marvel. Gleichzeitig bleibt sich der Film dem Charakter "Spider-Man" treu, vermischt aber, wie bei schon anderen MCU-Filmen das "Ultimative Universum" mit dem "616 Universum". Wir bekommen hier den jungen Peter Parker im Alter von 15 Jahren präsentiert, der gerade erst von der Spinne gebissen wurde und noch dabei ist, seine neuen Kräfte zu erforschen. Genau das macht der Film geradezu perfekt. Peter schwingt noch nicht in den Skylines von Manhatten rum, sondern im Stadtbezirk Queens. Da gibt es mehr Ein-Familien-Häuser und kaum Wolkenkratzer. Das macht das Schwingen nicht so einfach und wird gerne auch aufs Korn genommen. So gibt es eine Szene, in der er einem Lieferwagen hinterher will aber nichts zum Netz festmachen hat und ja, laufen muss. Das sieht lustig aus und ist logisch nachvollziehbar. 

 

 

 

 

 

Auch den Spinnensinn scheint es so noch nicht ganz zu geben. Regisseur Jon Watts sagte dazu in einem Interview, dass man diesen nicht so sehr beleuchten wollte, da man in den anderen "Spider-Man"-Filmen schon viel davon sah. So wollte man hier das Augenmerk auf andere Fähigkeiten und das Wachsen an diesen legen. Watts meinte aber, dass man in zuküftigen Filmen diesen sehen wird und Peter ihn möglicherweise erst später voll entwickeln könnte. Mit dieser Information kann man auch gut nachvollziehen, das Spidey oft auf die Nase fliegt und seine Bewegungen noch nicht so ganz unter Kontrolle hat. Hier soll aber der Anzug von Stark helfen. So bekommen wir einen guten Verweis auf die "Civil War"-Comics, denn man könnte dies als eine Neuinterpretation des "Scarlet Spider"-Anzuges sehen. Er hat viele Fähigkeiten und technische Finessen. Das gefiel mir persönlich nicht so, aber es macht durchaus Sinn.

 

 

 

 

 

Auch abseits von dieser kleinen Anspielung bekommen Spidey-Fans hier das volle Programm an Easter Eggs. So gibt es eine Szene, die direkt vom Cover von "Amazing Spider-Man" #33 adaptiert wurde. Ebenfalls gibt es viele popkulturelle Anspielungen zu "Star Wars", "Zurück in die Zukunft" oder "Ferris macht blau!" Ja, man könnte sogar meinen, dass es kleine Neckereien gegen Marvels Konkurent Warner/DC gibt. 

 

Es gibt einen Haufen an Gags. Für meinen Geschmack ein bisschen zu viele. So kommen einen dann ernstere Szenen nicht ganz so ernst rüber. Aber auch das kann man Meckern auf hohem Niveau nennen. Die paar ernsten Szenen, die es gibt, funktionieren gut. Gerade die stärkste Szene im Film ist eine der ernsten. Da zeigt sich wieder, dass Micheal Keaton wirklich alles spielen kann.

 

 

"Leg dich nicht mit mir an, sonst töte ich dich und alle, die du liebst!"

 

Ich hatte meine Zweifel mit Tom Holland und bei dem ersten Anschauen des Filmes, wurden die nicht besser. Mit einem klareren Verstand und zweiten Durchsicht ist Holland ein wirklich großartiger junger Peter Parker. Er spielt den nerdigen, nervösen, aber durchaus sympathischen Spidey sehr überzeugend. Gerade sein Spiel mit den Kräften und dass er teilweise mit dem übertechnisierten Anzug nicht ganz klarkommt, sorgen für viel Unterhaltung. Holland ist außerdem gut dem jungem ultimativen Peter Parker nachempfunden. Man hat Tom Holland für sechs (!) weitere Marvel-Filme unterschreiben lassen, wozu zwei weitere "Spider-Man"-Teile und die "Infinity War"-Reihe dazugehören. So verfolgt man einen durchdachten Plan, Holland mit dem Charakter wachsen zu lassen. Die Fans scheinen ihn anzunehmen und so kann man sich auf mehr Abenteuer mit ihm freuen.

 

 

 

 

 

Michael Keaton ist ein großartiger Schauspieler. Das beweist er mal wieder in der Rolle von Adrian Toomes, dem Geier. Fans wissen, dass der Geier jetzt nicht so wirklich der Oberschurke von Spidey ist, aber hier hat man dem doch etwas angestaubten Charakter neues Leben eingehaucht. Mit einem sehr geilen neuen Look, der perfekt zum MCU passt und trotz Übertechnisierung nicht zu abgespaced aussieht – warnendes Beispiel ist der Hobgoblin aus "Amazing Spiderman 2". Dazu bekommt Adrian eine sehr gut durchdachte Motivation. Keaton schafft es diesen Schurken wirklich furchteinflößend und bedrohlich aussehen zu lassen. Mit und auch ohne Kostüm. Gerade eine Szene in einem Auto zeigt die Intelligenz und Bedrohlichkeit des Charakters. Wirklich toll gemacht von Keaton.

 

 

 

 

 

Jacob Batalon spielt Peters besten Freund, Ned. Dieser ist eine Adaption Gankes, dem besten Freund von Spider-Man in Form von Miles Morales. Dieser weiß von Peters Geheimidentität und stellt ihm auch allerlei Fragen. Das ist sehr clever gemacht, da man dort den Unfall mit der Spinne als kurze Antwort bekommt und nicht eine komplete Szene drehen musste. Sehr erfrischend, nachdem man in den vorigen "Spider-Man" Filmen diese Szene mehrmals zu sehen bekam. Auch sonst ist Ned ein liebenswerter Charakter und für viele lustige Szenen verantwortlich. Eine schöne Neuerung, die Jacob Batalon gut spielt. 

  

Eine kleine Ernüchterung sind dann aber zwei Charaktere im Film. Laura Harriers Charakter Liz soll der vermeintliche Love Intrest von Peter sein, aber viel mehr als eine Schwärmerei ist es dann auch nicht. Ihr Charakter wird zwar noch anders in Szene gesetzt, aber eine wirkliche Liebesgeschichte bekommen wir hier nicht präsentiert. Ich empfand Harriers Darstellung auch nicht besonders gut. So ist mir ihr Charakter recht egal und man baut zu ihm auch keine rechte Bindung auf.

 

So ergeht es leider auch einem weiteren Charakter, der neuinterpretiert wurde. Flash Thompson wird von Tony Revolori gespielt und ist kein blonder Sportler, der Peters Leben zur Hölle macht. Vielmehr wurde er der Moderne angepasst und ist nun ein reicher Sohn mit hoher Intelligenz, die aber eben immer noch nicht an Parkers ranreicht. Deswegen sieht er ihn auch als Konkurenten an und ärgert ihn, wo er kann. Ja, klar gibt es heutzutage solche "Bullys". aber ich persönlich muss sagen, dass er mich nicht überzeugt. Er ist genau so groß wie Peter und außer mehr Geld gibt es keine nennenswerten Stärken an ihm. Peter könnte ihn recht einfach, auch ohne Kräfte, zurecht weisen. Hier hätte ich mir zumindest einen größeren Darsteller gewünscht. Revolori kommt mehr als Oberdepp rüber als ein ernstzunehmender "Bully", vor dem man Angst haben könnte.

 

Welche Rolle Donald Glover im Film bekommen hat, ist auch etwas schade. So ist er ebenfalls eine schöne Anspielung auf das Comicuniversum. Allerdings spielt er einen Charakter, der im Comic wesentlich anders dargestellt wird. So tut es einem fast schon Leid, dass Glover, als großer "Spider-Man"-Fan dann einen sehr abgewandelten wichtigen Charakter aus den Comics spielen darf. Hier hätte ich mir mehr Nähe zum Original gewünscht und eine andere Spielweise von Glover. So wirkt sie sehr bekifft. Aber wer weiß, wie die Zukunft dieses Charakters noch weiter geht.

 

Die aus dem Disney Channel bekannte Zendaya spielt Peters Klassenkameradin Michelle Jones. Ihr Charakter ist nicht wirklich wichtig für die Story, aber sie ist eine tolle Abwechslung und wächst einem recht schnell ans Herz. So könnte man fast schon meinen, sie ist die heimliche weibliche Hauptnebenrolle des Filmes. Sie ist sehr sarkastisch und äußerst seltsam, aber genau das macht sie so liebenswert. Sie hat noch einen ganz speziellen Moment, bei dem ich mir aber irgendwie nicht so richtig erklären kann, was die Drehbuschschreiber damit erreichen wollten.

 

 

 

 

Es gibt noch einen weiteren Schurken, der gleich in zwei verschiedenen Versionen auftaucht. Der Schocker wird einmal von Logan Marshall-Green und dann von Bokeem Woodbine dargestellt. Gerade bei Marshall-Green bekommen wir durch seine Jacke eine gute Visualisierung aus den Comics. Bokeem hat dann lediglich nur noch die Ärmel und die Schockerhandschuhe an. Beide Versionen sind aber auch wieder gut in die Moderne eingebaut und glaubwürdig. Sie sind auch beide starke Gegner für den unerfahrenen "Spider-Man".

 

 

"Tu einfach nicht, was ich tun würde und tu auf keinen Fall, was ich nicht tun würde!"

 

Da ich nun zweimal im Kino war, konnte ich auch einmal die 3D Version und die normale schauen. So ist das 3D absolut verzichtbar. Leider sind auch einige Effekte nicht gut gemacht. Gerade eine Szene im Feuer, sieht einfach schlecht gearbeitet aus. Auch der fast immer mit CGI dargestellte Spider-Man wirkt sehr unecht. Ich hätte mir hier mehr echt Szenen im Kostüm gewünscht. So wie es damals mit Tobey Maguire gemacht wurde.

 

Man muss sich darauf einstellen, dass wir hier viel Teenie-Film bekommen. Peter muss mit dem Alltagsleben eines Highschool-Schülers klar kommen, gerade jetzt, wo der "Homecoming"-Ball vor der Tür steht. Das fand ich aber gut, da ich auch die "Ultimate Spider-Man" Comics, die eben zu dieser Zeit spielen, wirklich großartig fand. Dieser Zeitabschnitt in Peters Leben wird deutlich besser dargestellt als eben im "Amazing Spider-Man" mit Andrew Garfield. Jedoch tue ich mich schwer zu sagen, welcher der "Spider-Man"-Filme nun der Beste sei. So empfinde ich, dass jeder seine Stärken und Schwächen hat. Die erste Trilogie hatte einen guten Peter Parker und tolle Charakterszenen, die beiden "Amazing" Teile eine wunderschöne Liebesgeschichte und tolle Chemie der beiden Hauptcharaktere, hier ist es eben die beste Comiccharakterumsetzung.

 

 

 

 

Was den Bösewicht angeht, so ist er einer der Besten. Micheal Keaton kann sich wohl nun neben Tom Hiddleston und Daniel Brühl einreihen. Zum Abschluss bleibt zu sagen, dass man vielleicht weniger Trailer rausbringen hätte sollen. Da doch gerade die späteren sehr viel vom Film spoilern und einen fast schon keine Lust mehr darauf machten. Hat man sich nur den ersten angeschaut, wird man sehr oft gut überrascht. Nun kann man sich auf weitere Auftritte des Wandkrabblers im MCU freuen.

 

Den Anzug finde ich trotzdem scheiße.

 

 

Fazit

 

Dass Sony mit Marvel kooperiert hat und die große Marke "Spider-Man" mit dem MCU verknüpft, hilft dem Franchise sehr. "Spider-Man: Homecoming" ist ein sehr unterhaltsamer und guter Film geworden. So hat er ein, zwei Schwächen, die aber zu verschmerzen sind und lebt von der guten Umsetzung des Comiccharakters.

 

Michael Keaton zeigt eine unglaublich gute Neuinterpretation von Adrian Toomes/Geier und ist aktuell einer der besten Bösewichte im Film-Franchise. Tom Holland spielt einen sehr sympathischen und nerdigen Peter Parker. Dabei macht er eine großartige Figur und wird dem Charakter gerecht. Das 3D kann man sich sparen und einige Effekte sind nicht gerade schön ausgearbeitet. Ansonsten sollte man sich diesen Film unbedingt anschauen. Volle Empfehlung für den Netzkopf.

 

Aber bitte geht nicht nach einem gestressten Tag und mit schlechter Laune rein! Das vernebelt die Sicht.

 

 

*LEIPZIG!! WUHUU!!