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Auf der Gamescom 2016 das erste Mal entdeckt und sofort verliebt. Nun ist das auf einem Comic der 90iger Jahre basierende Spiel da und erntet eher gemischte bis schlechte Kritiken. Doch sind die negativen Kritiken denn wirklich berechtigt?

 

 

 

Seit ich Joe Madureira auf der Gamesomc 2016 interviewen durfte und er mir in einer Einzelvorstellung das Spiel präsentierte, konnte ich es nicht erwarten, endlich die Vollversion spielen zu dürfen. Nun war es endlich soweit. Leider bekam das Spiel sehr viel schlechte Kritiken und ich verstand teilweise gar nicht warum. Erst heute lief mir ein Veriss eines wohlbekannten Youtubers von sowohl dem Spiels als auch Comic über den Weg. Darum möchte ich mich nun einmal dem Trend entgegenstemmen und eine Lanze brechen für "Battle Chasers Nightwar". Denn so schlecht, wie viele dieses Spiel machen, ist es bei weitem nicht. Nein, mir hat es sogar richtig Spass gemacht und ich habe genau das bekommen, was ich wollte.

 

 

Story

 

Die Story ist tatsächlich recht durchschnittlich und kommt erst spät ins Rollen. Unsere Helden um Gully, Calibretto, Garret, Monica und Knolan werden von Piraten angegriffen und landen auf der verlorenen Insel. Später bekommt man raus, dass auf dieser Insel alte Kräfte und böse Mächte wiedererweckt werden sollen. Leider kickt die Story da nicht so und trifft die falschen Entscheidungen, wenn es darum geht vor allem die Bösewichte einzuführen. Allerdings gefielen mir die deatilverliebten Interaktionen zwischen den Charakteren.

 

 

Gameplay

 

Ich habe das Spiel für den PC gespielt und dort führt man seine Gruppe klassisch mit WASD durch die Welt. Auch sonst kommt das Spiel mit wenigen Tasten aus und präsentiert eine aufgeräumte, leicht beherrschbare Steuerung. Leider kann man diese Steuerung nicht ändern und ist daran festgebunden. Wenn also Spieler lieber mit den Pfeiltasten arbeiten, so wird ihnen das hier versagt. Bisher wurde dazu auch nichts gepatcht.

 

 

Sound und Grafik

 

Der Sound ist atmosphärisch abgemixt, Schläge und Attacken produzieren ein knackiges Feedback. Die Figuren sind alle vertont, aber leider nur in ein paar ausgewählten Passagen zu hören. Die meißt ruhige Musik im Hintergrund bei Kämpfen oder Erkundungen ist nicht zu aufdringlich und passt sich gut in das Spiel ein.

 

Die Grafik ist ansehnlich, aber tatsächlich eher was für die Fans des Comics. Der Look gefällt sicher nicht jedem. Die übertriebenen Proportionen der Figuren mögen lachhaft wirken, aber insgesamt gefiel mit der individuelle Zeichenstil. Die Gegner sehen auch dementsprechend abgefahren aus. Lycaner geben sich mit vollem Körpereinsatz der rasenden Gewalt hin, Ghoule schlurfen furchteregend durch die Gegend und Spinnen schleimen schön eklig über den Bildschirm. Das Design der Monster ist richtig gut gelungen und passt perfekt in diese Fantasywelt. Wer den Stil von "Darksiders" oder vielleicht auch "World of Warcraft" mag, ist hier genau richtig. Da Comicerfinder und Zeichner Joe Madureira das Artdesign für die "Darksiders" Serie entwickelt hatte, fallen z.B. beim Waffen- und Rüstungsdesign durchaus Parallelen auf.

 

 

Das Spiel

 

Im Grunde spielt ihr auf zwei Ebenen. Es gibt die Oberwelt, auf der festgelegten Wegen folgt. Hier finden sich Monster, Dungeons oder kleine Erkundungswelten. Es gibt ein Hauptdorf, indem man ein Rasthaus, diverse Händler und eine Trainerin findet. Eine Arena lädt euch zum Kräftemessen ein. Die einzelnen Händler lassen sich mit Geld aufleveln, und so bekommt ihr weitere Rezepte für bessere Waffen, Rüstungen der Verbauchsgegenstände.

 

Dann gibt es die Dungeons. Diese sind zufallsgeneriert und im klassischen RPG-Stil aufgebaut. Wir starten immer in einem großen Raum, wo es dann unterschiedliche Wege, Gegner und eventuell sogar Rätsel und Schätze gibt. Auch kleine Events können da stattfinden. So stellt sich ein harmloser Sarg z.B. bei näherer Untersuchung als Zwischenboss heraus. Die Dungeons sind unterschiedlich gestaltet, aber im Grundprinzip sehr änhlich - was mich persönlich aber nicht gestört hat. Ihr findet sehr viel Material für das Crafting-System innerhalb der Dungeons, aber doch recht wenig Waffen oder Rüstungen. Am Ende wartet immer ein Endboss, der auch eine ordentliche Herausforderung darstellt. Durchdachtes Leveln ist Pflicht, sonst schicken euch die Late-Game-Dungeons schnell auf die Bretter. Jeden Dungeon kann man in drei unterschiedlichen Stufen spielen und bekommt nach Beendigung eine Kiste mit Loot.

 

Jeder Charakter hat besondere Fähigkeiten, die er im Dungeon einsetzen kann. Gully z.B. kann ein kleines Erdbeben verursachen, was Monster zu Beginn eines Kampfes betäubt oder brüchige Wände zerstört und so Geheimgänge sichtbar macht. Diese Fähigkeiten sind aber begrenzt und können nur nach einer Rast im Wirtshaus wieder aufgefüllt werden. Auch hier ist wohlüberlegtes, taktisches Vorgehen also der Schlüssel zum Sieg.

 

 

Looten & leveln

 

Das Crafting-System geriet in den Kritiken besonders unter Feuer. Nur in den Dungeons gibt es die Möglichkeit, etwas herzustellen. Wenn ihr Pech habt, findet ihr keine Werkbank oder Kessel zum Tränke mischen. Da alles zufallsgeneriert ist, kann das manchmal frustrierend sein. Erst mit hochgelevelten Händlern kann man auch im Dorf Gegenstände herstellen. Die Waffen und Rüstungen sind aber schnell wieder überholt und somit oft nicht der Rede wert. Effektiver ist hemungsloses Looten - das umso kostbarer ist, da sich selten eine gute Gelegenheit ergibt. Das macht es frustrierend, wenn ihr ein hohes Level habt, aber trotzdem keinen Stich gegen die Monster seht, weil der Angriffswert eures Schwertes nicht hoch genug ist. Der Ansatz des Crafting-Systems ist gut, aber ausbaufähig.

 

Erfahrungspunkte steckt ihr ganz klassisch in Perks und schaltet dadurch Boni frei. Das Bestiarium belohnt euch zusätzlich, wenn ihr eine bestimmte Anzahl von einem Monstertyp tötet. Das motiviert zum kämpfen und leveln. Besondere Herausforderungen namens "Jagden" setzen euch einen starken Boss vor, der mit einem Punkteregen aufwartet. Die solltet ihr aber nur gut gerüstet und geskillt angehen, denn sie sind nicht mal eben so am Wegesrand zu knacken.

 

 

Ein Fanservice-Schnäppchen

 

Das Wichtigste aber: das Spiel ist für die Fans der Comics gemacht. Joe Madureira hatte mir dies in der 2016er Pressevorstellung zu dem Spiel auch explizit gesagt. Es ist nichts für die breite Masse, sondern eher für Freunde alter RPGs und Fantasyliebhaber. Leider vergessen das anscheinend viele Kritiker bei ihrer Review. Ja, das Spiel ist absolut nicht frei von Fehlern oder Problemen. Gerade Konsolenbesitzer klagen oft über Abstürze, Glitches oder zu lange Ladezeiten. Die PC-Version hat diese Probleme nicht und man merkt schnell, für welche Plattform das Ganze mal gedacht war. Aber ja, wir wissen, wie Publisher funktionieren und so ist das Spiel auf allen Plattformen erschienen - mehr oder weniger poliert. Ob dies bisher gepatcht wurde, kann ich leider nicht sagen. Die Spieldauer beträgt ca. 10-20 Stunden, wenn ihr wirklich alles vom Spiel sehen wollt. Die Geschichte endet schließlich mit einem Cliffhanger. Ein rundes Ende wäre mir zwar lieber gewesen, aber so bin ich auch gespannt auf die Fortsetzung.

 

Betrachtet man den Preis des Spiels von knapp 30€, geht das Paket völlig in Ordnung. Man sollte bei den Bewertungen mal die Kirche im Dorf lassen, wenn man bedenkt, welches Stückwerk andere Publisher für 70€ auf den Markt werfen. Nochmal, dieses Spiel ist für die Fans gedacht und startete als Kickstarter Projekt. Solch einem Nischentitel fehlt nun mal die Triple-A-Optimierung. Ich hatte gerade wegen dieser Ecken und Kanten großen Spass mit dem Spiel.

 

 

Fazit

 

"Battle Chasers Nightwar" hat Probleme. Das weiß das Spiel auch. Aber dafür, dass es ein kleines Entwicklerstudio gemacht hat und als Kickstarter-Kampagne startete, habe ich für rund 30€ ein gutes Spiel erhalten. Es ist kurzweilig, aber unterhaltsam. Mir gefielen die Charaktere und der rundenbasierte Kampf. Die Dungeons luden durch zufallsgenerierte Räume immer wieder ein, sie nochmal zu erforschen. Das Leveln motiviert durch das Bestarium und das Crafting-System hat gute Ansätze. Die Story ist leider Standardkost und kommt erst spät in Fahrt. Die Probleme auf der Konsole sind ärgerlich, daher klare Empfehlung für die PC-Version.

 

Als Fan der Comics bekommt man erst Recht ordentlich was geboten. Das Artdesign sprüht vor Liebe für die Vorlage, und an jedes Pixel verbreitet RPG-Nostalgie.  Ich empfehle "Battle Chasers Nightwar" jedem, der mal abseits der Triple-A-Titel ein Spiel für wiederkehrenden Spaß zwischendurch haben möchte.

 

Alle die aber hier den nächsten großen Kracher erwarten, sollte besser die Finger vom Spiel lassen. Seht es eher als ein Nischentitel an, der zwar Ecken und Kanten hat, aber dadurch charmant wirkt.