In dieser umfassenden Comic-Review beschäftigte ich mich mit einer der wohl eindrucksvollsten Batman-Stories der jüngsten Zeit.

 

Gemeinsam klären wir, ob der Comic das Potenzial hat in meine TOP 3 der besten Comics aller Zeiten zu kommen – und ob dies überhaupt ein Batman-Comic ist?

 

 

 

»Ein Teil von mir will, dass das endet.«

 

Es ist seine Stadt. Er atmet die Luft und kann die Schwere darin auf seinen Lippen schmecken. Die Kälte füllt seine Lungen und für einen Moment fühlt er sie – die maroden Hochhäuser und Mauern, errichtet aus Stahl und Beton und erbaut auf hartem und ebenso kaltem Gestein. Er spürt die Blicke aus jenen dunklen Gassen, die er nur zu gut kennt und er weiß um die Gefahr, die sich darin verbirgt. All das Schlechte in dieser Stadt kennt er.

 

Selbst jene, die Schutz und Sicherheit geschworen haben, sind nichts weiter als habgierige Verräter und somit bleibt die Angst – die Angst vor dieser Stadt. Doch er hat sich selbst einen Schwur geleistet und an den will er sich halten, egal zu welchem Preis. Er will die schützen, die sich selbst nicht schützen können. Den Menschen helfen, die – wie er – es spüren können. Die Angst.

 

Das ist seine Stadt, sein Gotham. Er ist der Ritter, den diese Stadt braucht und den sie verdient. Er ist Jack Napier. Einst auch bekannt als der Joker.

 

 

»Gotham muss geweckt werden und wenn nicht mit Humor, dann mit etwas Stärkerem.«

 

Ja, es stimmt, der Joker ist geheilt. Der einstige Prinz des Verbrechens ist nicht mehr der, der er einmal war. Er hat die weiße Schminke verschwinden lassen und seine bunten Anzüge abgelegt und gegen neue Maßanzüge getauscht. Aus dem Joker wurde Jack Napier.

 

Ein Mann, der dringender denn je gebraucht wird. Auch wenn noch nach wie vor die Taten seines Alter Egos an ihm haften, so sehr will er nun das Böse in Gotham zerschlagen, angefangen beim GCPD. Die bekanntermaßen von Korruption zerfressene Polizeibehörde ist jedoch nur der erste Stolperstein, den Napier überwinden muss, um die Stadt umzukrempeln.

 

Kein leichtes Ziel, zumal sein größter Widersacher ihn bereits im Visier hat, Batman. Der sogenannte dunkle Ritter hat seinen Blick nie von dem Mann abgewendet, der ihm seinen zweiten Robin genommen hat. Jason Todds Schicksal ist bisher ungeklärt und nur der Joker weiß, was wirklich mit ihm geschah.

 

 

»Aber wer die Maske wegwirft, muss sich nicht wundern, wenn einer sie aufhebt.«

 

Die Abenteuer und Geschichten um Batman reichen weit zurück (erster Auftritt 1939) und noch dieses Jahr erwartet uns sogar die 1000. Ausgabe von Detective Comics. Das ist ziemlich viel Stoff zum Lesen. Um sich da als Autor hervorzuheben, muss man sich schon ordentlich ins Zeug legen.

 

Scott Synder oder auch aktuell Tom King bewiesen dies in den vergangenen Jahren das eine oder andere Mal sehr gut. Synders New-52-Run hat mittlerweile Kultstatus erreicht und auch Tom King begeistert als aktueller Autor der Batman-Reihe. Nun jedoch reiht sich ein weiterer Name unter die Top-Autoren.

 

Sean Murphy gilt eigentlich schon länger als wahrer Ausnahmekünstler. Vor allem als Zeichner mit einzigartigem Stil konnte der Amerikaner immer wieder begeistern. Titel wie Chrononauts (Autor: Mark Millar) oder The Wake (Autor: Scott Snyder) lebten förmlich durch seine Bilder und wurden so zu echten Highlights. Nun aber versucht er sich einmal mehr als Autor und Zeichner mit Batman: Der weiße Ritter.

 

 

»Sie waren immer ein guter Polizist, also werden Sie meinen Plan hören wollen.«

 

Mir gingen beim Lesen des Comics viele Dinge durch den Kopf. Dabei ging es aber eigentlich nur darum, welche Superlative ich am Ende wählen würde, um diesen Comic gerecht bewerten zu können? Bereits nach wenigen Seiten hatte ich jegliche Zweifel an der Qualität am Comic verloren und wusste, dies ist ein

großar…

phänome…

ein absolu…

 

ihr versteht.

 

Doch wie komme ich denn nun zu dieser Einschätzung? Dazu klären wir erstmal das Wesentliche. Batman: Der weiße Ritter ist kein Bestandteil der aktuell laufenden Serien und spielt in seinem eigenen geschlossenen Universum, dies lässt dadurch viel Raum für Ideen und Möglichkeiten, was Murphy auch voll ausnutzt.

 

Zudem erscheint der Titel bei DC über das eigene und neugegründete DC Black Label, welches mit Inhalten für erwachsene Leser punkten will. Aber zurück zum Comic. Aus Spoilergründen möchte ich mich ab hier nun zurückhalten. Nur so viel, Murphy schafft immer wieder tolle Wendungen und Überraschungen für den Leser zu platzieren, was oft zum Staunen, schmunzeln und vielleicht sogar zu einer Träne im Auge führen kann. Einfach Klasse.

 

 

»Jahrzehnte hab ich mir das hier vorgestellt. Hab mich gefragt, ob ich dich je so sehen würde. Gebrochen… Verwundbar…«

 

Murphy verbindet in seiner Geschichte sehr geschickt einzelne Genre-Elemente und zumeist erinnert das ganze dabei an einen Polit-Thriller, ähnlich wie einst Christopher Nolan in seiner Film-Version des dunklen Ritters. Jack Napier als geschickter Stratege funktioniert dafür sehr gut. So gut, dass man mehr und mehr dem Schein erliegt, dass dies kein richtiger Batman-Comic ist.

 

Gerade zu Beginn ist dieser Eindruck besonders stark, weil hier die Figur des Batman sehr distanziert erscheint und der Fokus auf Napier liegt. Dieser Eindruck bleibt bis kurz nach der Hälfte der 220 Seiten bestehen. Erst danach verschiebt sich der Fokus wieder stärker auf Batman. Generell unterhält diese Herangehensweise und sorgt noch einmal mehr für ein stimmiges Gesamtbild. An dessen Ende wohl auch die meisten Leser zum Fazit kommen, dass dies dann doch ein reiner Batman-Comic ist.

 

 

»Nehmt Batman fest! Das GCPD betrachtet ihn nicht länger als Superhelden.«

 

Widmen wir uns nun noch einer letzten Frage, diese ist ebenfalls von persönlicher Natur und entspricht nun ganz meiner eigenen Meinung und Einschätzung. Schafft es Sean Murphys Batman: Der weiße Ritter in meine persönliche TOP 3 der besten Comics aller Zeiten?

 

Die Antwort lautet überraschenderweise Nein. Nach eifrigem Überlegen kann ich nun doch sagen, dass es der Comic nicht schafft, einen ewigen Platz in meiner TOP 3 zu erhaschen, was in erster Linie an einigen Entscheidungen liegt, die Murphy innerhalb der Geschichte trifft und leider nicht die erhoffte Konsequenz tragen, die ich mir gewünscht hätte.

 

Leider kann ich hier natürlich nicht im Detail genauer drauf eingehen, ohne erhebliche Spoiler zu vermeiden. Es bleibt somit dennoch bei meiner Entscheidung.

 

Einen Wermutstropfen gibt’s aber trotzdem und das ist das vielleicht schönste an dieser Review. Batman: Der weiße Ritter ist nämlich der bisher beste Comic in diesem Jahr und es wird so verdammt schwer, daran was zu ändern.

 

Bravo.

 

Erscheint am 21.03.2019

 

 

Bildquelle: Panini Comics Deutschland