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Es ist ein Titel, der Erwartungen weckt, aber gleichzeitig auch Sorgen schürt. Mit Marvels "Civil War II" von Autor Brian Bendis entfesselt die Comic-Schmiede gut 10 Jahren nach dem ersten Krieg der Helden erneut einen Konflikt, der das Lager ihrer Lieblingscharaktere auseinandertreibt. Dabei ein wirklich überzeugendes und zugleich packendes neues Kapitel zu schaffen, ist ein schwieriges Unterfangen, das nicht ohne Probleme auskommt. Wo liegen diese Probleme liegen und warum kann Bendis Werk trotzdem überzeugen?

 

 

Für den Ausgangspunkt der Geschichte wählt Bendis einen interessanten und zugleich sehr emotionalen Moment im Leben von James Rhodes alias War Maschine. Dieser soll nach all seinen Einsätzen als Soldat und Avenger endlich ein langjähriges Amt in der Politik bekommen und niemand geringes als der Präsident der USA bietet ihm den Job an. Der Höhepunkt in Rhodes' Karriere und vor allem seines Lebens. Doch genau das findet schon sehr bald darauf ein frühes und tragisches Ende, als es zu einem Angriff durch den Titanen Thanos kommt und Rhodes stirbt. Das besonders Erschütternde an dieser Geschichte ist ein junger Inhuman namens Ulysses. Dieser besitzt seit seiner kürzlichen Verwandlung eine erstaunliche Fähigkeit. Er vermag in die nahe Zukunft sehen und somit drohende Gefahren frühzeitig zu erkennen – so auch den Angriff von Thanos.

 

Eine wahrlich mächtige Kraft und doch musste ein Held sterben – oder vielleicht wegen dieser Vorhersage? Ab diesem Zeitpunkt bilden sich nun zwei Lager. Zwei unterschiedliche Auffassungen davon, wie man mit der Fähigkeit von Ulysses umzugehen hat. Iron Man und Captain Marvel – zwei Superhelden, die nach dem Tod von Rhodes auseinanderdriften und zu Feinden werden. Der Konflikt um die Zukunft ist entbrannt.

 

Die größte Stärke aber auch die meisten Fehler von "Civil War II" tatsächlich in seinem Konflikt und dessen Figuren, denn während Captain Marvel mithilfe von Ulysses' Fähigkeit künftige Katastrophen und Verbrechen verhindern will, vertritt Iron Man eine andere Meinung. Für ihn stellen die Visionen des Inhuman noch keine Rechtfertigung zum Handeln da. Besser gesagt, jemand, der noch kein Verbrechen begannen hat, kann deshalb auch nicht bestraft werden. Dieser durchaus interessante Konflikt ist nun nicht wirklich neu und trat schon in so manch anderem Werk auf, was aber nicht unbedingt schlecht gesehen werden muss. Ein weiteres Problem des Konfliktes ist aber grundsätzlich seine fehlende Konsequenz mit seinen Figuren. Waren in "Civil War" von Mark Millar noch Captain America und seine Anhänger vor dem Gesetz Verbrecher, so sind hier alle Helden weiterhin Mitglieder der Avengers. Erst im späteren Verlauf werden wirkliche Anfeindungen sichtbar und somit relevant. Schade.

 

Da wir gerade eben schon bei Captain America waren: in Millars Werk von 2006 war er noch eine der wichtigsten Schlüsselfiguren innerhalb der Geschichte und wurde zudem noch zur tragischen Hauptfigur am Ende des Events als auch in den darauffolgenden Comics. Im nun zweiten Krieg der Helden fällt seine Rolle zu Beginn eher klein aus und er agiert größtenteils gar nicht oder eher aus dem Hintergrund heraus. Wie sich aber anhand seiner eigenen Solo-Reihe herausstellt, auch aus gutem Grund. Mittlerweile ist nämlich aus dem größten Helden der Erde ein aus dem geheimen Untergrund arbeitender Hydra-Agent geworden, der eigene finstere Pläne verfolgt und geschickt andere manipuliert. Dies hat großen Einfluss auf den "Civil War II", wird dort aber eben kaum behandelt. So stark also dieser Ansatz auch sein mag, er schadet dem Event mehr als es sollte.

 

Mit dem nun zuletzt erschienen Heft Nummer 9 der Hauptserie endet "Civil War II" noch einmal mit einem ordentlichen Knall und präsentiert ein Ende, das einen dennoch sehr gespalten zurücklässt. Der Kampf zwischen Iron Man und Captain Marvel findet einen packenden Abschluss. Während die Geschichte von Ulysses genau das Gegenteil bekommt. Zwar erhaschen wir Dank ihm noch einen letzten und dafür umfangreichen Blick in die Zukunft, doch er selbst bekommt ein eher schwaches Ende spendiert. Damit bleibt er als Mittelpunkt der eigentlichen Handlung eher hinter seinem Möglichkeiten als Charakter. Auch hier hat man einfach zu sehr das Gefühl, dass mehr möglich gewesen wäre.

 

 

Fazit

 

Schlussendlich bleibt nicht mehr viel zu sagen. Bendis ist als Autor sehr bemüht darum, seine ganz eigene Version eines Civil War zu schaffen, verliert aber aufgrund fehlender Konsequenz die Möglichkeit genau das zu erreichen. Auch sein Umgang mit so manchem Charakter wirkt ebenso bemüht, aber auch da fehlt es ihm schlichtweg an Mut. Erst gegen Ende wagt er sich noch einmal zu einem großen Schritt, leider zu spät.

 

Trotzdem besitzt "Civil War II" auch eine ganze Menge guter und starker Momente, die den Titel trotz seiner vorhandenen Schwächen sehr lesenswert machen. Hierfür sind auch die einzelnen One-Shots aus den bereits erschienenen Sonderbänden zu empfehlen. Somit bleibt uns nun ein Event in Erinnerung, das zwar einen großen Namen trägt, aber leider nicht ganz an dessen Klasse heranragt. Lesen sollte man die Reihe trotzdem, schließlich kündigt sich mit "Secret Empire" das nächste große Event an und das verspricht schon so einiges.